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Gegen liturgischen Sprachkrebs

Eine Besonderheit in der liturgischen Landschaft der Diözese
Ausgabe: 2006/04, Kaspar, Sprachkrebs, Ursulinenkirche, Messe, Wallner
26.01.2006
- Kirchenzeitung der Diözese Linz
Seit Jänner 1985 feiert Peter Paul Kaspar die Sonntagsmesse in der Ursulinenkirche an der Linzer Landstraße. Trotz - und wegen – ihrer Schlichheit sind die Messfeiern eine Besonderheit in der liturgischen Landschaft der Diözese.

Was macht die Gottesdienste in der Ursulinenkirche unverwechselbar?
Peter Paul Kaspar: Von Beginn an gab es zwei Elemente, die inzwischen zum Markenzeichen geworden sind: die Musik und die Predigt. Unter Musik meine ich nicht belangloses Orgelspiel, sondern dass Kompositionen gespielt oder gesungen werden. Ansonsten setzen wir keine besonderen Gestaltungselemente ein: weder Tanz noch projizieren wir Bilder. Wir feiern eine ganz magere, schlichte, eher asketische, eine textlich sehr sparsame Liturgie. Mit viel Stille.

Sie sind als Mann des Wortes und der pointierten Formulierungen bekannt und plädieren vehement für textliche Sparsamkeit. Was steckt dahinter?
Kaspar: Unsere Gottesdienste sind zu wortlastig. Und daran ändert sich auch nichts, wenn man die vorgeschriebenen liturgischen Texte durch neue ersetzt. Nicht weil ich mich vor Rom fürchte, halte ich mich an die Texte des Messbuchs, sondern weil ich die Erfahrung gemacht habe, dass das Ersetzen nichts bringt. Es wird einfach zu viel geredet. Deshalb verbiete ich mir selbst auch alle Minipredigten im Gottesdienst, vor der Lesung zum Beispiel. Das ist eine Seuche, liturgischer Sprachkrebs.

Wie kann man diese Seuche des „Wortemachens“ eindämmen?
Kaspar: Wenn ich Bischof wäre, würde ich Priestern – nicht gerade verbieten, weil ich gegen das Verbieten bin – aber sagen: Bitte außer der Predigt, Begrüßung und Verabschiedung kein improvisiertes Wort. Wichtig ist, dass die verschiedenen Sprachsorten in der Liturgie wieder unterschieden werden. Es wird gebetet, wie beim Hochgebet oder Tagesgebet, und es wird vorgelesen: Das ist aber ganz etwas anderes. Die freie Rede der Predigt unterscheidet sich nochmals davon. Dazu kommen noch symbolschwere Worte wie: „Nehmet hin und esset, das ist mein Leib“, oder: „Es segne euch der allmächtige Gott.“ Die Liturgie kommt vielfach als sprachliches Einerlei auf die Mitfeiernden zu: als Sprachwurst – und daher hört man nicht mehr richtig hin.

Sie kommen immer wieder auf die Stille zu sprechen ...
Kaspar: In einer Zeit, wo dauernd geredet und geschwätzt wird, tun wir dasselbe auch in der Kirche, anstatt dort einen Kontrast zu setzen. Wir halten in der Ursulinenkirche mehrmals während des Gottesdienstes Stille.

Zur Ursulinenkirche gehört untrennbar die Musik ...Kaspar: Neben dem Wortreichtum kritisiere ich an der nachkonziliaren Liturgie die zu simple Art der Musik. Musik ist nicht Ornament der Liturgie, sie ist Liturgie – sie ist die zweite Sprache der Liturgie, eine ganz eindringliche Sprache. Weil die Musik gegenwärtig so mager in den Gottesdiensten behandelt wird, haben die Gottesdienste meiner Meinung nach an Eindringlichkeit verloren .

Mit Ihrer Person verbindet man auch eine ansprechende Predigt.
Kaspar: Predigt ist Schriftauslegung. Und darin besteht mein Ehrgeiz: biblisch zu predigen. Die Predigt ist nicht das Wort zum Sonntag und wird nicht aktueller, wenn ich etwas aus dem Fernsehprogramm der letzten Woche erzähle. Obwohl ich zu den Kirchenvolksbegehrern gehöre – im Bereich der Liturgie bin ich sehr konservativ. Es ist ein Irrtum zu glauben, man muss im Gottesdienst Purzelbäume schlagen. Die Leute gehen in die Kirche, weil sie etwas Spirituelles wollen. Das wollen wir ihnen anbieten.

Josef Wallner

Foto: Peter Paul Kaspar an der Orgel (ARCHIV).
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