Die „Wahlschlacht“ ist vorbei. Nun versuchen die Parteien, die Botschaft der Wähler/innen zu deuten. Manche wussten es schon am Wahlabend genau, was zu tun ist, manche wollten sich doch noch etwas Zeit zum Nachdenken geben. Wenn Herr Faymann meint, er wolle die mit der chaotischen Nationalratssitzung vom vergangenen Mittwoch „erfolgreich begonnene Wählerrückholaktion“ fortführen, wird er sicherlich in FPÖ und BZÖ zwei Begleiter finden, die da mitmachen. Ob man mit dem Verteilen von teuren Zuckerln freilich jene Ängste überwinden kann, die Menschen heute vor den Folgen der „ungebändigten“ Globalisierung haben, ist zu bezweifeln. Das Verabreichen von Beruhigungspillen taugt ebenso wenig als Antwort wie das Wegschauen der ÖVP.
Die Ängste sind da. Und sie sind ein wesentlicher Grund, warum Menschen – nicht nur in Österreich – den Propheten der einfachen Antworten und Versprechen folgen. Diese verstehen das Spiel auf dem Klavier der Ängste, ob das nun die „Linke“ in Deutschland ist oder die „Rechte“ in Österreich. Deshalb sollte man auch vorsichtig sein mit dem Schubladisieren der Wähler/innen. Die Herausforderung für jene Parteien, denen das Gemeinwohl aller Bürger/innen noch am Herzen liegt, ist groß. Denn sie müssen die Sorgen und Ängste ernst nehmen, ohne sie zu „politischem Kleingeld“ zu machen. Und sie müssen lernen, in einer kompliziert vernetzten Welt das Recht der Menschen auf „Auskommen“ gegen die Macht des Geldes zu verteidigen. Der Staat muss seinem Grundauftrag gerecht werden, sonst werden die Populisten weiter ihre Ernte einfahren.