Sich um die Mitte versammeln, die Christus ist: Wie der Bildhauer Ruedi Arnold sich diesem Gedanken annäherte, erfuhren die Teilnehmer/innen des Künstlergesprächs bei den Franziskanerinnen in Vöcklabruck.
„Ich bin froh, dass mir die Umgestaltung der Kapelle im Mutterhaus der Franziskanerinnen erst mit 55 Jahren angeboten wurde“, sagt Prof. Ruedi Arnold beim Künstlergespräch, „in jüngeren Jahren hätte mich der Anblick der zu erneuernden Ausstattung dazu bewogen, alles restlos umzukrempeln“. Der Altarraum hat den Bildhauer herausgefordert. Nicht schnelles Design für ein Stück war gefragt, sondern es ging darum, „den Raum zu kneten“. Als Klosterkapelle sollte der Raum der individuellen Andacht und gemeinsamen Messfeier dienen, auch die franziskanische Spiritualität sollte greifbarer werden.
Die zweite Hälfte des Altars. Mit dem Altar aus Holz, der einen Viertel Laib Brot darstellt und die Rundungen des Raumes aufgreift, ist dies vortrefflich gelungen. Der schlicht gehaltene Altarraum öffnet sich seit der Neugestaltung zur Gemeinde hin, der angeschnittene Laib Brot wird durch die Mitbetenden vollendet, so die Idee des Künstlers. Für die Schwesterngemeinschaft bedeutete die Neugestaltung eine große Veränderung, erzählten sie im Gespräch. Das Vertraute fehlte zunächst, der Raum habe aber gewonnen und sei nun einladender und meditativer.
Auf Besuch in Oberösterreich. Mit der Begegnung in Vöcklabruck endete die Reihe „Kunst im Kirchenraum“. An die 250 Besucher/innen nahmen an acht Veranstaltungen in ganz Oberösterreich teil. Die Auseinandersetzung mit der „eigenen Kunst vor der Haustüre“ eröffnete für die Pfarrmitglieder neue Facetten ihres Kirchenraums. Etliche Künstler/innen hoben hervor, dass es eine Herausforderung sei, einen sakralen Raum zu gestalten und etwas Bleibendes zu schaffen. Ruedi Arnold meinte dazu: „Wenn ich heute die Kapelle besuche, was ich immer wieder mache, finde ich stets eine kleine Anzahl betender Schwestern darin. Einmal etwas geschaffen zu haben, was in einem ganz praktischen Sinn auch ,auch im Gebrauch steht‘, macht mich besonders zufrieden.“
Die Reihe „Kunst im Kirchenraum“ fand an acht Orten in Oberösterreich statt. Dazu gab es Vor- und Nachberichte in der KirchenZeitung. Alle Beiträge können nun im Internet unter www.kirchenzeitung.at (rechte Spalte, Service, Button „Kunst im Kirchenraum“ anklicken) angesehen werden. Auch die Broschüre mit Texten, Bildern und Kurzinfos steht zum Download bereit und kann kostenlos in der KirchenZeitung angefordert werden.