„Wir müssen auch etwas tun, nicht nur reden“ – das war die Initialzündung für die IG Welt Ottensheim
Ausgabe: 2009/03, Ottensheim, IG Welt Ottensheim, Jubiläum, Felber, Mission
14.01.2009
- Ernst Gansinger
Wenn sich die IG Welt Ottensheim (siehe unten und rechts) zum 25-Jahr-Jubiläum den Globalisierungskritiker Christian Felber als Referenten einlädt, setzt sie auch Signale – dass eine Alternative zu Kommunismus und Kapitalismus wichtig ist.
„Sofern man als kleines Würstchen mitreden kann“, sagt Waltraud Kapp von der IG Welt, will die Ottensheimer Initiative auch an Veränderungen mitwirken. Die IG Welt Ottensheim wurde im Dezember 1983 als „Selbstbesteuerungsgruppe Ottensheim“ gegründet und hat bisher, durch verschiedenste Aktivitäten, zum Beispiel Müllmenschen in Kairo unterstützt, ebenso ein Frauenprojekt in Kenia und den Bau von Trinkwasserversorgungsanlagen in Kenia, Brasilien und Ecuador bzw. eines Gesundheitszentrums in Indien. Auch mit Projektpartnern in Mexiko (Mittagstisch), Bangladesch (Dorfentwicklung) und Südafrika (Ausbildungsprojekt) arbeiteten und arbeiten die Ottensheimer zusammen.
Selber etwas tun. Begonnen hat alles am Weltmissionssonntag vor 25 Jahren. Damals ärgerte sich Waltraud Kapp, dass die katholischen Männer nur über die Armut in der Welt redeten. „Wir müssen auch selber etwas tun“ schrieb sie den Männern. Und traf damit ins Schwarze.
Viele persönliche Kontakte. Die Mitglieder der Ottensheimer Gruppe pflegen in unterschiedlichsten Ländern persönliche Kontakte mit Projektpartnern. So ist ein guter Austausch, eine feste Partnerschaft möglich. Das Nächste wird in Zusammenarbeit mit der Arge Granit Ottensheim und der Fachgruppe ein alternativer Maibaum sein: Eine 2,5 Meter lange Maibaumspitze, der Baum wurde in Ottensheim gefällt, ist dazu schon nach Agades im afrikanischen Land Niger unterwegs. Der – viel längere – Stumpf wird in Ottensheim stehen. Und dort wie da werden auf einem Bildschirm im Baum Filme zu sehen sein, die das Leben im jeweils anderen Land darstellen.
Zur Sache
IG Welt Ottensheim
- Die IG Welt setzte sich im Laufe ihrer 25-jährigen Geschichte für den fairen Handel ein, etwa seit 1989 durch jährliche Informations- und Verkaufsstände bei den Marktfesten im Juni.
- IG Welt kritisierte mit der Aktion „Bittere Orangen“ Fruchtsaftkonzerne wegen Kinderarbeit und warb für Fair-Trade-Rosen beim Offenen Markt 2007.
- In Ottensheim gibt es mittlerweile transfair gehandelte Produkte in vielen Geschäften.
- Auf Anregung der IG Welt widmet die Gemeinde ein Promille ihres Budgets für ein Wasserprojekt in Brasilien (von Entwicklungshelfer Hans Gnadlinger). Die IG Welt arbeitet an der Lokalen Agenda 21 mit. Insgesamt setzt sie viele Initiativen zur Bewusstseinsbildung.
Zur Person
Christian Felber
„Das Gefühl der Ohnmacht und Resignation ist bereits ein Sieg der Mächtigen“, sagt Christian Felber, der am 13. Jänner in Ottensheim referierte. In seinem Buch „Neue Werte für die Wirtschaft“ wirbt er für einen dritten Weg – nicht Kommunismus und nicht Kapitalismus. – Statt Egoismus, Konkurrenz und Materialismus sollen Kooperation, Selbstbestimmung und ökologische Verantwortung gefördert werden. Wirtschaftliches Handeln müsse sich daran ausrichten, dass zwischenmenschliche Beziehungen gelingen.
Initiativ für eine gerechte Welt
Die IG Welt Ottensheim ist 25 Jahre jung
260.000 Euro hat die IG Welt Ottensheim bisher – in den 25 Jahren ihres Bestehens – für benachteiligte Menschen im Süden unserer Erde aufgebracht. Mit einem Festgottesdienst am 11. Jänner und einer öffentlichen Diskussionsveranstaltung am 13. Jänner im Raiffeisen-Saal Ottensheim setzte die Initiative für eine gerechte Welt die Reihe ihrer Aktivitäten fort. Am 13. Jänner sprach der Schriftsteller und Journalist Christian Felber, der auch als Mitbegründer von ATTAC bekannt ist, über „neue Werte für die Wirtschaft“, ein Titel, den auch sein jüngstes Buch trägt.