Ämter und Dienste in der Kirche – eine spannende Pastoraltagung 2009
Ausgabe: 2009/03, Bischöfe, Fürsorgepflicht, Johannes Panhofer, Roman Siebenrock, Ottmar Fuchs, Pastoraltheologe, Ämter, Dienste, Kirche, Pastoraltagung,
14.01.2009
- Hans Baumgartner
Ämter und Dienste in der Kirche. Das war das Thema der Österreichischen Pastoraltagung 2009. Der Rekord an Teilnehmer/innen zeigte: in dieser Frage brennt etwas.
Über 400 Teilnehmer/innen: das war für die Österreichische Pastoraltagung Rekord. Ebenfalls rekordverdächtig, dass – zumindest am ersten Tag – acht Diözesanbischöfe gekommen waren. Was die Tagung über Ämter und Dienste wirklich gebracht hat, könne man „heute um zwölf Uhr noch nicht sagen“, meinte der Innsbrucker Pastoraltheologe Johannes Panhofer am letzten Tag. Für das Mitglied im Vorbereitungsteam der Tagung „kommt es jetzt sehr darauf an, was in den einzelnen Diözesen geschieht und mit wieviel Mut und Kreativität die Bischöfe und ihre Mitarbeiter/innen der pastoralen Notsituation begegnen – bei der Entwicklung und Bestätigung von neuen Ämtern; beim Ausschöpfen der dabei gegebenen kirchenrechtlichen Möglichkeiten; beim Erproben eines sich wandelnden Priesterbildes.“ Denn im Laufe der Zeit, das machte die Tagung deutlich, wurden in die Rolle des Priesters zu viele Funktionen hineingepackt. Teile davon haupt- und ehrenamtlichen Laien zu übertragen und in einem partnerschaftlichen Miteinander zu leben sei eine der aktuellen Herausforderungen, meint Panhofer. „Es hängt entscheidend davon ab, ob ein Bischof die heute sichtbaren vielfältigen Berufungen von Männern und Frauen mit ihren besonderen Begabungen als ein Geschenk des Gottesgeistes an die Kirche ansehen kann oder ob die Sorge allein den traditionellen Ämtern gilt. Neue Ämter und Dienste bedürfen dann freilich auch einer entsprechenden Beauftragung und Legitimierung vor den Gemeinden“, betont Panhofer.
Gegen eine Wand. Wenn man heute über Ämter und Dienste in der Kirche rede, erlebe er in seinem Umfeld viel Ermüdung, meint Panhofer. „Die Leute sind es leid, immer wieder erfolglos gegen eine Wand anzurennen.“ Seit Jahren seien theologisch viele Fragen geklärt – sowohl was die Zulassungskriterien und die historische Vielfalt und Veränderbarkeit des Weiheamtes angehe als auch, was den weit über die „Funktion“ hinausgehenden theologischen Zusammenhang zwischen geistlicher Leitung, Lebensbegleitung und sakramentalem Dienst betreffe. Gerade diese enge Verbindung von Leben und Sakramentalität werde durch die Bildung von pastoralen Großräumen zerrissen. Die Unzufriedenheit, aber auch Ratlosigkeit mit diesen „unmöglichen Verhältnissen“ (Ottmar Fuchs) sei mit fortschreitender Tagung zunehmend spürbar geworden, berichtet Panhofer.
„Ratlos“ als Chance. Ziel der Pastoraltagung war zunächst eine fachliche Orientierung über die Ursprünge, die Entwicklungen und die theologische Verortung des Amtes in der Kirche. Dabei ist es gut gelungen, eine Verengung des Blickes auf die Zulassungsbedingungen für das Weiheamt (Zölibat, Frauenfrage) zu vermeiden, ohne das Thema auszuklammern. Sowohl von den Theolog/innen als auch von den Perspektivegruppen der haupt- und ehrenamtlich Tätigen wurden die vielfältigen Aspekte und Möglichkeiten von Ämtern und Diensten in der Kirche zur Sprache gebracht. Deutlich herausgearbeitet wurde die Verwiesenheit jedes Amtes und jeder Pastoral auf den eigentlichen Hirten, Jesus Christus. Diese theologische und pastorale Breite fand viel Anklang. Aber – ähnlich wie in der Vorbereitungsgruppe – wurden auch im Laufe der Tagung die durch das Kirchenrecht vorgegebenen Grenzen lähmend spürbar – auch, „dass mögliche Spielräume oft nicht ausgeschöpft werden“. Den von Bischof Alois Schwarz geäußerten Wunsch nach einer Gruppe, die gemeinsam mit ihm („auch ich bin oft ratlos“) und anderen interessierten Bischöfen diese Fragen weiterdenkt, sieht Panhofer als Chance, die „hoffentlich bald ergriffen wird“.
Zur Sache
Bischöfe haben Fürsorgepflicht
Die Referate des Tübinger Pastoraltheologen Ottmar Fuchs zu Beginn und am Schluss der Pastoraltagung bildeten eine Art Klammer für das, was an diesen drei Tagen in Salzburg geschah. In der Einleitung versuchte Fuchs eine Spiritualität des Amtes (Dienstes) zu entwickeln, die es ermöglicht, in jeder Situation pastoral tätig zu sein. Damit wolle er nicht über die Notlage hinwegreden, die es derzeit gebe – vor allem durch den Priestermangel, aber auch auf Grund der fehlenden Anerkennung der vielfältigen Ämter, Dienste und Charismen, die in der Kirche vorzufinden seien. Der Blick auf Christus, den „eigentlichen Herrn jeder Pastoral“, sei die entscheidende Kraftquelle, trotz aller Mängel mit Mut und Durchhaltevermögen seelsorglich tätig zu sein, meinte Fuchs.
Es spricht für die Dynamik der Tagung, dass Fuchs sein abschließendes Referat neu verfasste. Er wollte damit auf die „aufgebrochenen Fragen und Nöte“ eine Antwort geben. Eindringlich appellierte er an die Bischöfe, ihre Fürsorgepflicht wahrzunehmen. Denn in der Kirche drohe ein Auseinanderreißen zwischen der geistlichen Begleitung der Menschen in ihren Lebensvollzügen und dem Sakrament. Geänderte Zulassungsbedingungen für das Weiheamt würden nicht alle Probleme lösen, aber viele entschärfen, meinte Fuchs. Eindringlich war sein Appell, trotz aller Kompromisslösungen dafür zu sorgen, dass die Beziehungskultur in überschaubaren Gemeinden nicht zusammenbricht.