2. Sonntag im Jahreskreis (Lesejahr B), 18. Jänner 2009
Ausgabe: 2009/03, Mechthild von Magdeburg, Begegnung, 2. Sonntag im Jahreskreis, Evangelium, Lesung, Johannes, Korinther, Gertraud Lässer, liebevolle Aufmerksamkeit, Wort zum Sonntag,
14.01.2009
Nur schwer lässt es sich oft in Worte fassen – manchmal gelingt es gar nicht – was eine/n so berührte bei der Begegnung mit einem bestimmten Menschen und in Bewegung brachte. Was war es denn genau an Jesus von Nazareth, das die Menschen damals ansprach? Jesu Art und Weise, seinen Mitmenschen zu begegnen, ist das Vorbild, unter dem auch heutiges christliches Leben steht.
Evangelium
Joh 1, 35–42
Am Tag darauf stand Johannes wieder dort, und zwei seiner Jünger standen bei ihm. Als Jesus vorüberging, richtete Johannes seinen Blick auf ihn und sagte: Seht, das Lamm Gottes! Die beiden Jünger hörten, was er sagte und folgten Jesus. Jesus aber wandte sich um, und als er sah, dass sie ihm folgten, fragte er sie: Was wollt ihr? Sie sagten zu ihm: Rabbi – das heißt übersetzt: Meister –, wo wohnst du? Er antwortete: Kommt und seht! Da gingen sie mit und sahen, wo er wohnte, und blieben jenen Tag bei ihm; es war um die zehnte Stunde. Andreas, der Bruder des Simon Petrus, war einer der beiden, die das Wort des Johannes gehört hatten und Jesus gefolgt waren. Dieser traf zuerst seinen Bruder Simon und sagte zu ihm: Wir haben den Messias gefunden. Messias heißt übersetzt: der Gesalbte (Christus). Er führte ihn zu Jesus. Jesus blickte ihn an und sagte: Du bist Simon, der Sohn des Johannes, du sollst Kephas heißen. Kephas bedeutet: Fels (Petrus).
1. Lesung
1 Sam 3, 3b–10. 19
Samuel schlief im Tempel des Herrn, wo die Lade Gottes stand. Da rief der Herr den Samuel, und Samuel antwortete: Hier bin ich. Dann lief er zu Eli und sagte: Hier bin ich, du hast mich gerufen. Eli erwiderte: Ich habe dich nicht gerufen. Geh wieder schlafen! Da ging er und legte sich wieder schlafen. Der Herr rief noch einmal: Samuel! Samuel stand auf und ging zu Eli und sagte: Hier bin ich, du hast mich gerufen. Eli erwiderte: Ich habe dich nicht gerufen, mein Sohn. Geh wieder schlafen! Samuel kannte den Herrn noch nicht, und das Wort des Herrn war ihm noch nicht offenbart worden. Da rief der Herr den Samuel wieder, zum dritten Mal. Er stand auf und ging zu Eli und sagte: Hier bin ich, du hast mich gerufen. Da merkte Eli, dass der Herr den Knaben gerufen hatte. Eli sagte zu Samuel: Geh, leg dich schlafen! Wenn er dich (wieder) ruft, dann antworte: Rede, Herr, dein Diener hört. Samuel ging und legte sich an seinem Platz nieder. Da kam der Herr, trat (zu ihm) heran und rief wie die vorigen Male: Samuel, Samuel! Und Samuel antwortete: Rede, denn dein Diener hört! [. . .] Samuel wuchs heran, und der Herr war mit ihm und ließ keines von all seinen Worten unerfüllt.
2. Lesung
1 Kor 6, 13c–15a. 17–20
Der Leib ist aber nicht für die Unzucht da, sondern für den Herrn, und der Herr für den Leib. Gott hat den Herrn auferweckt; er wird durch seine Macht auch uns auferwecken. Wisst ihr nicht, dass eure Leiber Glieder Christi sind? [. . .] Wer sich dagegen an den Herrn bindet, ist ein Geist mit ihm. Hütet euch vor der Unzucht! Jede andere Sünde, die der Mensch tut, bleibt außerhalb seines Leibes. Wer aber Unzucht treibt, versündigt sich gegen den eigenen Leib. Oder wisst ihr nicht, dass euer Leib ein Tempel des Heiligen Geistes ist, der in euch wohnt und den ihr von Gott habt? Ihr gehört nicht euch selbst; denn um einen teuren Preis seid ihr erkauft worden. Verherrlicht also Gott in eurem Leib!
Niemals kam mir in den Sinn
Niemals kam mir in den Sinn, Jesus, dass ich Tänzer sei im Tanze, aber deine Liebesmacht hat mich, Jesus, ganz gewiss dazu gebracht . . . Und schon hatte ich vergessen, dass den Tanz ich hatt’ begonnen, jedes Herz erfüllet Freude, Jesus, dass die Worte fehlen.
Mechthild von Magdeburg, um 1250
Wort zum Sonntag
Liebevolle Aufmerksamkeit
Ich sehe die Szene vor mir: Johannes und zwei seiner Jünger stehen beisammen. Als Jesus vorübergeht, richtete er seinen Blick auf ihn und macht sie aufmerksam: „Seht, das Lamm Gottes!“ Diese kleine Begebenheit bewegt die Jünger, Jesus nachzugehen. Wie geht es Johannes dabei? Er lässt als Wegbereiter seine eigenen Jünger los. Loslassen hat einen schmerzhaften Anteil . . . ich weiß darum. Jesus bemerkt, dass ihm die zwei Männer folgen, er wendet sich ihnen zu und vernimmt ihre Frage: „Wo wohnst du?“ „Kommt und seht!“, lautet die Antwort. Was hat die Jünger so fasziniert, dass sie einen Tag lang bei ihm geblieben sind? Eine beeindruckende Wohnung? Ein theologisches Statement? Attraktive Angebote für eine berufliche Karriere? Niemand weiß, was in diesen Stunden geschehen ist, doch die Wirkung ist bekannt: „Wir haben den Messias gefunden!“ Ich denke, dass die Jünger in der aufmerksamen Gegenwart Jesu etwas entdeckt haben, das sie zu einer neuen Lebensgestaltung ermutigt hat. Die Prioritäten sind neu gesetzt worden. Andreas kann gar nicht mehr anders als auch seinen Bruder Simon zu Jesus zu führen. Dieser gewinnt unter dem Blick Jesu Boden unter den Füßen – so festen verlässlichen Boden, dass er zum Fels für andere wird.
Langsam löse ich mich von der Szene am Jordan. Was lerne ich für meinen Beruf? Ich fasse zusammen: Johannes und Jesus haben aufmerksam die Bedürfnisse der Menschen wahrgenommen und die Zeichen der Zeit erkannt. Aus heutiger Sicht wird man ihnen große Kommunikationsfähigkeit zugestehen. Aus aufmerksamem Beobachten, aus einladenden Worten, aus aufrichtigem Dialog entsteht die Grundlage für eine tragfähige weltweite Gemeinschaft. Der Ursprung dieses Prozesses entspringt dem menschenfreundlichen dreifaltigen Gott.
Zum Weiterdenken
Wer hat mich auf wohlwollende Weise auf Jesus aufmerksam gemacht? Wo werde ich in meinem Alltag auf die reli-giöse Sehnsucht der Menschen aufmerksam?
Gertraud Lässer, Religionslehrerin, geschäftsführende Vorsitzende des Pastoralrates der Diözese Feldkirch.