Zufriedenheit am Arbeitsplatz bewirkt, dass die Menschen länger im Arbeitsprozess bleiben. – Das lässt sich vermuten. Dazu aber wissenschaftlich fundierte Beweise zu haben, sollte für die Politik eine gute Grundlage sein. Sie könnte dazu auf eine Befragung von 35.000 Menschen in 15 europäischen Staaten zurückgreifen.
In dieser europäischen Studie werden seit 2004 Menschen, die 50 Jahre oder älter sind, in Zwei-Jahres-Abständen befragt. Den österreichischen Anteil koordiniert der Linzer Universitätsprofessor für Volkswirtschaftslehre Dr. Rudolf Winter-Ebmer (Bild unten). Zweck der Langzeitstudie ist, ein möglichst dichtes Datenmaterial zum Altern in Europa zu erhalten. Derzeit läuft die dritte Befragungswelle.
Höhere Ausbildung – bessere Gesundheit. „Was man jetzt schon relativ gut nachweisen kann, sind Zusammenhänge zwischen Ausbildung und Gesundheit, auch psychischem Wohlbefinden“, sagt Winter-Ebmer. Menschen mit höherer Ausbildung leiden zum Beispiel weniger oft an Depressionen und haben eine höhere Lebenserwartung. Der Zusammenhang ist natürlich nicht so ausschließlich, da spielen andere Einflüsse eine wichtige Rolle, etwa dass Ausbildung zu einem anderen Lebensstil führt.
Früher in Pension. Auffällig ist auch, dass sich in Österreich die Menschen früher aus dem Erwerbsleben zurückziehen als in anderen Ländern. „Das liegt nicht daran“, erläutert Winter-Ebmer, „dass Österreich kränker wäre, sondern dass unser Pensionssystem dazu Anreize bietet. Die Regeln sind hier anders, und die Menschen stellen sich darauf ein.“
Wie wirkt die Kindheit nach? An der Studie arbeiten wissenschaftliche Teams aus verschiedenen Fachrichtungen – aus der Soziologie, der Statistik, der Medizin, der Psychologie und der Wirtschaftswissenschaft. Die Untersuchung ist keine Momentaufnahme, sondern erlaubt durch ihre Wiederholung der Befragung alle zwei Jahre, wobei die Befragten möglichst gleich bleiben, Entwicklungen nachzuvollziehen: Wie wirkt sich das Altern auf die verschiedensten Lebensbereiche aus? Jetzt, in der dritten Welle, wurden zusätzlich Lebensverläufe untersucht. So möchte man herausfinden, wie Verhältnisse in der Kindheit bzw. Jugend die spätere Gesundheit beeinflussen – wirkt im Alter nach, wenn man in ärmlichen Verhältnissen aufwuchs ...?
Zur Sache
50 plus in Europa
Die bisherigen Ergebnissen der europäischen 50+-Studie hat Univ.Prof. Rudolf Winter-Ebmer in einer knappen schriftlichen Dokumentation vorgestellt. Dieser sind folgende Fakten entnommen:
Familie. Der Zeitaufwand für innerfamiliäre Familienhilfe, etwa das Aufpassen auf Enkelkinder, ist beträchtlich. Etwa jede dritte Person über 65 Jahren engagiert sich täglich mehr als viereinhalb Stunden als Babysitter.
Generationen-Hilfe. Finanzielle Unterstützung zwischen den Generationen ist gang und gäbe. Allerdings sind es im Norden eher die Kinder, die Geld von den Eltern erhalten, und im Süden bekommen häufiger die Eltern Geld von den Kindern.
Gesundheitsvorsorge am Arbeitsplatz. Gesunde gehen durchschnittlich zwei Jahre später in Pension als Personen mit gesundheitlichen Einschränkungen. Investitionen in die Krankheitsvorsorge in Höhe von drei Prozent des Arbeitseinkommens würden ausreichen, um die Arbeitsfähigkeit dieser Personen zu erhalten. Ein gutes Arbeitsumfeld verzögert den Eintritt in den Ruhestand.
Armut. Die geografische Nähe zum Haushalt der Kinder, insbesondere das Wohnen im gleichen Haushalt oder Gebäude, beugt Armut vor!