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„Uns steht ein massiver Mangel an Pflegekräften ins Haus

Den Schulen für Pflegeberufe fehlen die Schüler/innen, die später dann in der Alten- und Familien-Sozialarbeit wieder fehlen
Ausgabe: 2009/14, Familie, Schule, Pflegeberufe, Sozialarbeit, Caritas, Hochgerner, Pflege
01.04.2009
- Ernst Gansinger
Die Berufe sind zukunftsträchtig, allein die Ausbildungsstätten leiden an Schüler/innen-Mangel. – Direktorin Dr. Agnes Hochgerner vom Caritas-Ausbildungszentrum für Sozialbetreuungsberufe in Linz, die für Familienarbeit und Altenarbeit ausbildet, schlägt Alarm: Das Interesse an der Ausbildung sinkt!

Die Caritas hat schon vor mehr als einem halben Jahr auf einen „schwelenden Brandherd“ aufmerksam gemacht und die Politik aufgefordert, gegenzusteuern: In der Fachrichtung Altenarbeit gehen die Schüler/innenzahlen an allen Schulen für Sozialbetreuungsberufe in Oberösterreich zurück. Gegenüber 2005 ist im Jahr 2008 die Zahl derer, die die Schule erfolgreich beendet haben, um mehr als die Hälfte zurückgegangen. Wurden vor drei Jahren noch 954 Personen mit der Ausbildung fertig, waren es 2008 nur 448. Für heuer rechnet man mit etwa 280 Absolventinnen und Absolventen. Gleichzeitig haben mehr Schüler/innen die Ausbildung abgebrochen.

Pflegenotstand treibt Blüten. Auch die Volkshilfe hat vor ein paar Wochen gewarnt: „Hohe Arbeitslosigkeit, aber viel zu wenig Pflege- und Betreuungskräfte.“ In Oberösterreich braucht man heuer alleine in den Heimen etwa 300 Personaleinheiten mehr. In einem Insbrucker Wohnheim, so die Volkshilfe, beklagen Pflegekräfte den akuten Pflegenotstand. – Ungelernte Küchenhilfen, Pflegeschüler/innen und Praktikantinnen werden herangezogen, um sich beim chronischen Personalmangel zu helfen. – Die Volkshilfe fordert eine rasche Umsetzung des Regierungsprogrammes, das bis zum Jahr 2010 zusagt, 2000 zusätzliche Pflege- und Betreuungskräfte vor allem durch gezielte Angebote für Berufswiedereinsteiger/innen sowie -umsteiger/innen zu schaffen. Ebenso brauche es eine Akademisierung des Pflegeberufes.

900 zusätzliche Fachsozialbetreuer/innen. Der Bedarfs- und Entwicklungsplan für die Pflegevorsorge des Landes Oberösterreich von Landesrat Josef Ackerl geht davon aus, dass es 420 zusätzliche Vollzeit-Personaleinheiten in der Mobilen Hilfe und Betreuung bis zum Jahr 2015 braucht. Die Caritas meint, das bedeute bei der üblichen Teilzeitbeschäftigung etwa 900 zusätzliche Mitarbeiter/innen. Zieht man in Betracht, dass viele Altenfachbetreuer/innen in Pension gehen, sei die Zahl aber sicher höher als 900. Auch in den Alten- und Pflegeheimen wird der Bedarf an Pflegekräften größer, denn die Menschen in den Heimen haben einen steigenden Pflegebedarf. Musste – statistisch – 1996 eine Vollzeit-Pflegekraft mehr als vier Heimbewohner/innen betreuen, so waren es 2007 – statistisch – nur noch 2,7.

Bessere Bezahlung ist eine Voraussetzung. Dir. Agnes Hochgerner freut einerseits der große Fortschritt in der beruflichen Ausbildung – 2007 wurde sie österreichweit vereinheitlicht. Andererseits sei ein dramatischer Rückgang der Anmelde- und Absolventinnenzahlen an den Schulen zu bedauern. „Hauptzielgruppe dieser Ausbildung sind immer erwachsene Menschen gewesen“, sagt sie, „in früheren Jahren hauptsächlich die sogenannten Wiedereinsteigerinnen ...“ Diese Personengruppe ist viel kleiner geworden, vor allem als Folge des Kinderbetreuungsgeldes. Die Frauen kehrten heute zumeist nach dem Bezug des Kinderbetreuungsgeldes wieder in ihren früheren Job zurück. Aber auch die fehlende Absicherung für Berufsumsteiger/innen während der mindestens zwei Jahre dauernden Schulzeit sei eine Ursache für diesen Schwund an Interesse an dieser Ausbildung. Dazu gesellt sich noch das geringe Ansehen des Berufsfeldes der Sozialbetreuung – in der Familienarbeit oder in der Altenarbeit. Die Politik müsse für eine bessere Bezahlung sorgen.

Ausbildungszentrum der Caritas in Linz

Das Ausbildungszentrum der Caritas in Linz-Urfahr, Schiefersederweg 53, bildet Fachkräfte für Sozialbetreuungsberufe aus: Drei Jahre dauert die Ausbildung zur Diplomsozialbetreuerin/zum Diplomsozialbetreuer für Familienarbeit (Voraussetzung: vollendetes 17. Lebensjahr). Zwei Jahre dauert die Ausbildung zur Fachsozialbetreuerin/zum Fachsozialbetreuer für Altenarbeit (19. Lebensjahr).

- Anmeldungen für das Schuljahr 2009/2010 sind bis 15. April 2009 möglich: Tel. 0732/73 24 66; www.fachschule-sozialberufe.at
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