„Es macht keinen Unterschied, aus welchem Motiv heraus Widerstand geleistet wird. Den Mut zum Widerstand sollten wir als wesentlich für unsere Gesellschaft erkennen. Es geht um die Eigenverantwortung, darum, sich nie darauf zu verlassen, dass andere den Widerstand leisten.“
Mit diesem Zitat resümierte Andreas Baumgartner vom Mauthausen-Komitee am Ende des 4. Internationalen Symposium am 8. Mai an der Johannes-Kepler-Universität Linz. Das Symposium hatte den Widerstand gegen den Nationalsozialismus aus religiösen Motiven zum Thema. Irmgard Aschbauer vom Mauthausen Komitee mahnte: Widerstand darf nicht erst einsetzen, wenn das Haus lichterloh brennt.“ Er muss eingeübt werden.
Ebensee, zwei Tage später. Schon zwei Tage nach dem Symposium war Mut zum Auftreten gefragt: Bei den Gedenkfeiern am 10. Mai im einstigen KZ Ebensee beleidigten vermummte Personen die Teilnehmer, unter ihnen Überlebende des Konzentrationslagers, mit Sieg-Heil-Rufen und Hitlergruß. Nicht die Polizei, sondern Teilnehmer der Feier vertrieben die Neonazis. Der Geschäftsführer der Katholischen Aktion Österreichs, Peter Grubits, der dem Vorstand des Mauthausen-Komitees angehört, verlangt ein entschiedenes Durchgreifen der Exekutive und von den Christen Zivilcourage: Bei jedem Anzeichen menschenverachtender Ideologien müsse es zu einem deutlichen Nein kommen. Er nannte in diesem Zusammenhang manche Partei-Plakate zur EU-Wahl.
Teilweise abweichendes Verhalten. Der Kirchen-Historiker Helmut Wagner ging beim Symposium der Frage nach, ob es einen kirchlichen Widerstand im oder gegen den Nationalsozialismus gab. Er zitierte unter anderem Ernst Hanisch, der meinte, die Kirche sei Herrschaftsträger nicht des NS-Systems gewesen, aber im NS-System. Eine von mehreren Widerstands-Definitionen redet statt vom Widerstand vom teilweise abweichenden Verhalten. Wie auch immer, es bleiben Fragen, die auch Diskutanten beim Symposium aufwarfen: Warum waren die resistenten Stimmen so wenige? Warum hat die Kirche nach dem Sturz der NS-Diktatur NS-Verbrecher verstecken geholfen, was jedenfalls nicht mehr damit erklärt werden könne, dass sich die Kirche aus Angst und Vorsicht so zurückhielt? Es gab aber auch aktiven Widerstand durch einzelne Vertreter der Kirche. Wagner wies auf Jägerstätter, P. Reinisch, Edith Stein, P. Johann Schwingshackl, Sr. Restituta Kafka . . . hin.
Schlummernde dunkle Seiten. Es ist notwendig, die Schatten der Vergangenheit sichtbar zu machen, auch wenn sich viele wünschen, nicht mehr damit behelligt zu werden“, sagte der Geistliche Assistent der Katholischen Aktion Oberösterreich, Christian Öhler. Er ist Pfarrer in Linz-Marcel Callo. „Es ist notwendig, hinzuschauen auf die dunklen Seiten jener Zeit, weil es die dunklen Möglichkeiten unserer Zeit sind“, fuhr Öhler fort. „Was geschehen ist, kann wieder geschehen. Vieles von dem, was damals war, schlummert in uns. Das zu erkennen, kann auch Vergangenheitsbewältigung heißen: Ich trage meine dunklen Seiten in mir. Gott behüte uns vor denen, die sie aufwecken wollen.“
Termine
Jägerstätter-Gedenktag, Donnerstag, 21. Mai. St. Radegund, 9.30 Uhr, Bischof Dr. Ludwig Schwarz feiert im Rahmen seiner Visitation in der Pfarrkirche einen Gottesdienst.
Linz, Mariendom, 10 Uhr, Gedenken im Rahmen des Gottesdienstes zu Christi Himmelfahrt, mit Dompfarrer Dr. Maximilian Strasser.
Gmunden, 17 Uhr, Toscana-Park, Gedenkfeier mit Schöpfungslob und Taufgedächtnis am Ufer des Traunsees. 19 Uhr, Stadtpfarrkirche Gmunden, Gottesdienst zu Ehren des seligen Franz Jägerstätter mit Bischofsvikar Wilhelm Vieböck, Einleitungsstatement von Dr. Theresa Sotowska, Warschau, über Jägerstätters Bedeutung in Polen.