18. Sonntag im Jahreskreis (Lesejahr B), 2. August 2009
Ausgabe: 2009/31, Sonntag, Lesejahr B, August, Not
29.07.2009
Mühsal und Not. Die Erfahrungen vieler Menschen, bitter und schwer. Die Klage Israels, das Volk das beinah verhungert in der Wüste. Die beinah fieberhafte Suche der Menschen nach Jesus, von dem sie sich Hilfe erhoffen. Flüchtlinge heute, die Leib und Leben riskieren, weil sie nichts zu verlieren haben. Bedürftigkeit und Not immer öfter mitten in unserer Gesellschaft. Sieh – die Menschen. Höre – ihre Klagen. Handle – Gott, „lebendig-in-mir“, ruft uns ins Leben.
Evangelium, Joh 6, 24–35
Als die Leute sahen, dass weder Jesus noch seine Jünger dort waren, stiegen sie in die Boote, fuhren nach Kafarnaum und suchten Jesus. Als sie ihn am anderen Ufer des Sees fanden, fragten sie ihn: Rabbi, wann bist du hierher gekommen? Jesus antwortete ihnen: Amen, amen, ich sage euch: Ihr sucht mich nicht, weil ihr Zeichen gesehen habt, sondern weil ihr von den Broten gegessen habt und satt geworden seid. Müht euch nicht ab für die Speise, die verdirbt, sondern für die Speise, die für das ewige Leben bleibt und die der Menschensohn euch geben wird. Denn ihn hat Gott, der Vater, mit seinem Siegel beglaubigt. Da fragten sie ihn: Was müssen wir tun, um die Werke Gottes zu vollbringen? Jesus antwortete ihnen: Das ist das Werk Gottes, dass ihr an den glaubt, den er gesandt hat. Sie entgegneten ihm: Welches Zeichen tust du, damit wir es sehen und dir glauben? Was tust du? Unsere Väter haben das Manna in der Wüste gegessen, wie es in der Schrift heißt: Brot vom Himmel gab er ihnen zu essen. Jesus sagte zu ihnen: Amen, amen, ich sage euch: Nicht Mose hat euch das Brot vom Himmel gegeben, sondern mein Vater gibt euch das wahre Brot vom Himmel. Denn das Brot, das Gott gibt, kommt vom Himmel herab und gibt der Welt das Leben. Da baten sie ihn: Herr, gib uns immer dieses Brot! Jesus antwortete ihnen: Ich bin das Brot des Lebens; wer zu mir kommt, wird nie mehr hungern, und wer an mich glaubt, wird nie mehr Durst haben.
1. Lesung, Ex 16, 2–4. 12–15
Die ganze Gemeinde der Israeliten murrte in der Wüste gegen Mose und Aaron. Die Israeliten sagten zu ihnen: Wären wir doch in Ägypten durch die Hand des Herrn gestorben, als wir an den Fleischtöpfen saßen und Brot genug zu essen hatten. Ihr habt uns nur deshalb in diese Wüste geführt, um alle, die hier versammelt sind, an Hunger sterben zu lassen. Da sprach der Herr zu Mose: Ich will euch Brot vom Himmel regnen lassen. Das Volk soll hinausgehen, um seinen täglichen Bedarf zu sammeln. Ich will es prüfen, ob es nach meiner Weisung lebt oder nicht. [. . .] Ich habe das Murren der Israeliten gehört. Sag ihnen: Am Abend werdet ihr Fleisch zu essen haben, am Morgen werdet ihr satt sein von Brot, und ihr werdet erkennen, dass ich der Herr, euer Gott, bin. Am Abend kamen die Wachteln und bedeckten das Lager. Am Morgen lag eine Schicht von Tau rings um das Lager. Als sich die Tauschicht gehoben hatte, lag auf dem Wüstenboden etwas Feines, Knuspriges, fein wie Reif, auf der Erde. Als das die Israeliten sahen, sagten sie zueinander: Was ist das? Denn sie wussten nicht, was es war. Da sagte Mose zu ihnen: Das ist das Brot, das der Herr euch zu essen gibt.
2. Lesung, Eph 4, 17. 20–24
Ich sage es euch und beschwöre euch im Herrn: Lebt nicht mehr wie die Heiden in ihrem nichtigen Denken! [. . .] Das aber entspricht nicht dem, was ihr von Christus gelernt habt. Ihr habt doch von ihm gehört und seid unterrichtet worden in der Wahrheit, die Jesus ist. Legt den alten Menschen ab, der in Verblendung und Begierde zugrunde geht, ändert euer früheres Leben, und erneuert euren Geist und Sinn! Zieht den neuen Menschen an, der nach dem Bild Gottes geschaffen ist in wahrer Gerechtigkeit und Heiligkeit.
WORT ZUM SONNTAG
Führt Murren zum Ziel?
Die Israeliten murrten in der Wüste gegen Mose und Aaron: „Wären wir doch in Ägypten durch die Hand des Herrn gestorben … Ihr habt uns nur deshalb in diese Wüste geführt, um alle … an Hunger sterben zu lassen.“ (vgl. 1. Lesung)
Ich denke nach, was Menschen heute zum Verlassen ihrer Heimat zwingt und in ganz schwierige Lebenssituationen bringt: Konflikte, Gewalt, Verfolgung, Klimawandel und Armut als Folge eines Weltsystems, das nicht funktioniert, ausbeutet und unterwirft. Heute gibt es nahezu 200 Millionen Migrant/innen. Weltweit ist jeder 30. Mensch heimatlos.Hunderte von Menschen, die vor Verfolgung und Armut fliehen, ertrinken jährlich auf ihrem Weg von Afrika nach Spanien oder Italien. Allein die Zahl jener, die durch Konflikte im eigenen Land von daheim vertrieben wurden, beträgt weltweit 26 Millionen. Der steigende Meeresspiegel und die Gefährdung durch Naturkatastrophen könnten bis 2050 die Umsiedlung von 200 Millionen Menschen erfordern.
Das Volk Israel erlebte ein ähnliches Schicksal. Auf dem mühsamen Weg in die Freiheit murrt es. Äußerste Lebensnot, die existentielle Angst zu verhungern, ist der Grund für das Murren. Gott hört, sieht die Angst und handelt. Nüchtern heißt es: „Ich will euch Brot vom Himmel regnen lassen.“ Wachteln und Manna – Gaben der Natur – sorgsamer Umgang damit und Reden mit Gott und miteinander – lassen hoffen und leben. Gottes Fürsorge wird erfahren.Auch heute sind viele Menschen unterwegs in Unsicherheit und Angst, bedroht von Hunger und Tod. Wer hört ihr Murren und Klagen?
Zum Weiterdenken
Kenne ich die Ängste und Sehnsüchte von Menschen, die in existentieller Not sind? Wie kann ich solidarisch leben und handeln, sodass Gottes Fürsorge erfahrbar wird?Informiere ich mich über die Lebensbedingungen/Schicksale von Menschen, die durch die Caritas-Augustsammlung von meinen Spenden unterstützt werden?
Sr. M. Judit Nötstaller (SSND), Leiterin der Caritas-Wohngemeinschaft für Menschen mit geistiger Behinderung, Caritas-Regionalverantwortliche, Exerzitien- und Geistliche Begleiterin.
Die Autorin erreichen Sie unter: sonntag@kirchenzeitung.at
Ach Gott, ich habe der Gefahr ins Auge geschaut Angst und Schrecken lähmten mich ich schrie zu dir denn du allein bist letzter Halt du hörtest meinen Hilferuf und legtest deine Hand schützend auf mich riefst mich erneut ins Leben! Ich preise dich und öffne mich für deinen Ruf denn du bist lebendig in mir.