20. Sonntag im Jahreskreis (Lesejahr B), 16. August 2009
Ausgabe: 2009/33, Judith Nötstaller, Caritas-Wohngemeinschaft, 20. Sonntag im Jahreskreis, Seele, Wort zum Sonntag, Evangelium, Lesung, erfülltes Leben, Christa Peikert-Flaspöhler
12.08.2009
Die Not der Menschen, die mit dem Hunger nach Brot auch ihren Hunger nach erfülltem Leben ausdrücken – Jesus weiß darum. Er kennt die Sehnsucht der Menschen nach einem sinnvollen und erfüllten Leben. Diese Sehnsucht möchte er stillen. Dafür riskiert er sich mit Fleisch und Blut, mit seiner ganzen Person.
Evangelium
Joh 6, 51–58
Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Wer von diesem Brot isst, wird in Ewigkeit leben. Das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch, (ich gebe es hin) für das Leben der Welt. Da stritten sich die Juden und sagten: Wie kann er uns sein Fleisch zu essen geben? Jesus sagte zu ihnen: Amen, amen, das sage ich euch: Wenn ihr das Fleisch des Menschensohnes nicht esst und sein Blut nicht trinkt, habt ihr das Leben nicht in euch. Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, hat das ewige Leben, und ich werde ihn auferwecken am Letzten Tag. Denn mein Fleisch ist wirklich eine Speise, und mein Blut ist wirklich ein Trank. Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der bleibt in mir, und ich bleibe in ihm. Wie mich der lebendige Vater gesandt hat und wie ich durch den Vater lebe, so wird jeder, der mich isst, durch mich leben. Dies ist das Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Mit ihm ist es nicht wie mit dem Brot, das die Väter gegessen haben; sie sind gestorben. Wer aber dieses Brot isst, wird leben in Ewigkeit.
1. Lesung
Spr 9, 1–6
Die Weisheit hat ihr Haus gebaut, ihre sieben Säulen behauen. Sie hat ihr Vieh geschlachtet, ihren Wein gemischt und schon ihren Tisch gedeckt. Sie hat ihre Mägde ausgesandt und lädt ein auf der Höhe der Stadtburg: Wer unerfahren ist, kehre hier ein. Zum Unwissenden sagt sie: Kommt, esst von meinem Mahl, und trinkt vom Wein, den ich mischte. Lasst ab von der Torheit, dann bleibt ihr am Leben und geht auf dem Weg der Einsicht.
2. Lesung
Eph 5, 15–20
Achtet also sorgfältig darauf, wie ihr euer Leben führt, nicht töricht, sondern klug. Nutzt die Zeit; denn diese Tage sind böse. Darum seid nicht unverständig, sondern begreift, was der Wille des Herrn ist. Berauscht euch nicht mit Wein – das macht zügellos –, sondern lasst euch vom Geist erfüllen! Lasst in eurer Mitte Psalmen, Hymnen und Lieder erklingen, wie der Geist sie eingibt. Singt und jubelt aus vollem Herzen zum Lob des Herrn! Sagt Gott, dem Vater, jederzeit Dank für alles im Namen Jesu Christi, unseres Herrn!
Ich muss dich nicht erjagen, du gibst dich ungeschützt dem Hunger meines Lebens, österliches Brot.
Ich muss dich nicht verdienen, du legst dich unverdient, ins Bitten meiner Hände, österliches Brot.
Ich muss dich nicht erlieben, du reichst dich liebevoll der Armut meines Herzens, österliches Brot.
Christa Peikert-Flaspöhler
Wort zum Sonntag
Es geht um unser Leben
Wenn die Seele hungert, kann man sie nicht mit Wohlstand füllen. Ein Angebot Gottes an uns Menschen, Anteil an seiner Fülle des Lebens zu erhalten, zeigen uns die Schrifttexte. Am deutlichsten wird dieses Angebot in der Rede Jesu im Evangelium. Jesus bezeichnet sich selbst als das „lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist“ und das im Verlauf des Textes gleichgesetzt wird mit seinem „Fleisch“ und „Blut“, d. h. mit seiner Person, die er hingibt für das „Leben der Welt“. Nicht ein willkürlicher Herrscher-Gott möchte Christus für uns sein, sondern eine freiwillige Gabe im Zeichen des Brotes. „Wer von diesem Brot isst, wird in Ewigkeit leben“. Jesus lässt zu, dass wir behutsam oder achtlos mit ihm umgehen.
Brot ist lebensnotwendig. Mit viel Mühe und Arbeit erwerben wir das „tägliche Brot“. Es bedeutet mehr als Nahrung, es bedeutet unter anderem auch ein Dach über dem Kopf, etwas zum Anziehen, Wohlstand und Gemeinschaft. Wer Brot hat ist mächtig gegenüber denen, die keines haben, ist gefährdet, die „Brotlosen“ zu missachten oder zu übersehen. Jesus wusste um die Macht und die Einflussmöglichkeiten des Brotes, die ihm offen gestanden wären. Er wusste auch um die Versuchung, sich dieses Mittels zu bedienen, um sich zum Beispiel das Kreuz zu ersparen.
Gleichzeitig wusste und weiß er auch um die Not der Menschen, die mit dem Hunger nach Brot ihren Hunger nach erfülltem Leben ausdrückten und ausdrücken. „Wenn die Seele hungert, kann man sie nicht mit Wohlstand füllen.“ Jesus kennt die Sehnsucht der Menschen nach sinnvollem, erfülltem Leben. Diese Sehnsucht möchte er stillen. Dafür riskiert er sich mit Fleisch und Blut, mit seiner ganzen Person.
Zum Weiterdenken
Wie kann Jesus in diesem umfassenden Sinn Brot für mein Leben werden? Berührt mich Jesu Leben so, dass auch ich mein Leben teile, zu „Brot“ für andere werde? Eucharistie feiern und Eucharistie leben. Wo und wie kann ich das ganz konkret tun?
Sr. M. Judit Nötstaller (SSND), Leiterin der Caritas-Wohngemeinschaft für Menschen mit geistiger Behinderung, Caritas- Regionalverantwortliche, Exerzitien- und Geistliche Begleiterin.