Ausgabe: 2009/34, Beruhigungspillen, Hans Baumgartner, Weltgewissen, Bodenschätze, Hillary Clinton, Afrika, Kirche in Not, Coudray, UNO
19.08.2009
Kurz waren die Scheinwerfer der Weltöffentlichkeit eingeschaltet, als die US-Außenministerin Hillary Clinton auf ihrer Afrikareise auch das Krisengebiet im Ost-Kongo besuchte. Seit Jahren wütet dort ein Krieg zwischen Rebellenorganisationen und den Regierungstruppen, der „in unglaublicher Weise von der Weltöffentlichkeit vergessen worden ist“, sagt Christine du Coudray, Afrika-Expertin des Hilfswerkes „Kirche in Not“.
Der Reichtum an Bodenschätzen in dieser Region ist das Pech der Menschen. Denn diese Bodenschätze ermöglichen es den ehemaligen Massenmördern aus Ruanda, die wegen ihrer Verbrechen nicht mehr in ihr Heimatland zurück können oder wollen, ihre Kriegskassen zu füllen. Wie schon beim blutigen Völkermord in Ruanda sind die in den Ost-Kongo geschickten UNO-Soldaten offenbar nicht in der Lage, die Zivilbevölkerung gegen bestialische Gewaltakte, Massenvergewaltigungen und Mord und Totschlag zu schützen. Die Menschen fragen sich, „womit die Blauhelme eigentlich beauftragt sind“, sagt Coudray. Vielleicht als „Beruhigungspille“ für das Gewissen der Welt? Wie viele Srebrinica darf es eigentlich in Afrika noch geben, bevor die Weltöffentlichkeit aufwacht? Auch im serbisch-bosnischen Krieg waren die unter den Augen der UNO-Soldaten verübten Gräueltaten der Anlass, warum die westlichen Länder militärisch eingegriffen haben. Krieg ist das allerletzte Mittel, um unschuldige Menschen zu schützen. Prävention ist besser. Aber sie muss unmissverständlich und deutlich sein. In Afrika fehlt dazu leider vielfach der Wille der Weltpolitik.