Erwachsene bekämpfen „störende“ Jugendliche mit lästigem Dauerton
Ausgabe: 2009/34, dauerton, jugendlich, mosquito
19.08.2009
- Paul Stütz
Der Einsatz von Jugendabwehrsystemen ist in Österreich legal. Dabei werden junge Menschen diskriminiert und die Kinderrechtskonvention verletzt. Harte Maßnahmen gegen „Störenfriede“ tragen zudem kaum zur Lösung von Konflikten bei.
Eigentlich sollte der Fall Mosquito längst abgeschlossen sein. Schon im Jänner 2008 hatte der Nationalrat ein Gesetz zum Verbot des Mosquito Sound Systems formuliert. Der entsprechende Entschließungsantrag war bereits einstimmig angenommen worden. Doch in der Folge passierte gar nichts. Damit ist der Einsatz von Mosquito, das „störende“ Jugendliche mit hochfrequenten Tönen von öffentlichen Plätzen vertreiben soll, noch immer legal. Der Dauerton ist nur bis zum Alter von etwa 25 Jahren hörbar. „Ein klarer Fall von Diskriminierung“, betont die Kinder- und Jugendanwaltschaft Oberösterreich (Kija oö). Tatsächlich ist das Mosquito Sound System ein Armutszeugnis für Erwachsene, die Konflikte mit Jugendlichen nicht mehr austragen können. „Es zeigt auch, wie jugendfeindlich unsere Gesellschaft ist“, kommentiert Mag. Christine Winkler-Kirchberger, von der Kija Oö. Die Jugendanwältin drängt nun auf ein generelles Verbot des „Jugendabwehrsystems“, das bei Kleinkindern sogar zum bleibenden Hörverlust führen kann.
Reaktion auf Pöbeleien. In mehreren österreichischen Gemeinden summt Mosquito in den Ohren von Kindern und Jugendlichen. Öffentlich bekannt wurde vor allem der Einsatz in Attnang-Puchheim. Das Mosquito Sound System war dort als Reaktion auf pöbelnde Jugendliche im Schlosshof angebracht worden. Dass es in Attnang-Puchheim Konflikte mit einzelnen Jugendlichen gibt, bestreitet auch Winkler-Kirchberger nicht. Die Antwort dürfen aber nie harte Maßnahmen wie ein Jugendabwehrsystem sein. „Diese vermeintlich einfachen Lösungen decken Probleme nur zu.“ Konflikte würden verlagert, blieben im Grunde aber bestehen. Gefragt seien stattdessen moderne Formen der Sozialarbeit. Das heißt das Gespräch mit den betroffenen Jugendlichen suchen. Auch wenn es nicht immer leicht ist und es Geduld braucht.Es ist ein Weg, der sich mittlerweile auch in Attnang-Puchheim durchgesetzt hat. In der Gemeinde will man es mit einem langfristigen Betreuungskonzept für die „schwierigen“ Jugendliche probieren. Das Jugendabwehrsystem wird definitiv entfernt. Dass Mosquito in Österreich überhaupt sehr bald Geschichte sein wird, hofft unterdessen Jugendanwältin Winkler-Kirchberger: „Ich bin zuversichtlich, dass das entsprechende Gesetz schon im Herbst kommt. Ich denke, unsere Gesellschaft ist so zivilisiert, dass wir solche Mittel wie Mosquito nicht brauchen.“
KinderrechteDie Kinderrechtskonvention verbietet die Diskriminierung von Kindern und Jugendlichen. Die Konvention räumt Kindern und Jugendlichen unter anderem auch das Recht ein, sich zu versammeln.