21. Sonntag im Jahreskreis (Lesejahr B), 23. August 2009
Ausgabe: 2009/34, 21. Sonntag im Jahreskreis, Mitte, Leben, Judit Nötstaller, Entscheidung, Wort zum Sonntag, Evangelium, Lesung, Angelika Gassner, Enge, Weite,
19.08.2009
Wie die Jünger/innen damals stehen Christ/innen auch heute vor der Entscheidung, die Worte Jesu als „unerträglich“ einzustufen und sich von ihm abzuwenden. Oder aber zu versuchen, hinter seinen Worten die Liebe Gottes zu erkennen, die Leben in Fülle schenken will.
1. Lesung
Jos 24, 1–2a. 15–17. 18b
Josua versammelte alle Stämme Israels in Sichem; er rief die Ältesten Israels, seine Oberhäupter, Richter und Listenführer zusammen, und sie traten vor Gott hin. Josua sagte zum ganzen Volk: [. . .] Wenn es euch aber nicht gefällt, dem Herrn zu dienen, dann entscheidet euch heute, wem ihr dienen wollt: den Göttern, denen eure Väter jenseits des Stroms dienten, oder den Göttern der Amoriter, in deren Land ihr wohnt. Ich aber und mein Haus, wir wollen dem Herrn dienen. Das Volk antwortete: Das sei uns fern, dass wir den Herrn verlassen und anderen Göttern dienen. Denn der Herr, unser Gott, war es, der uns und unsere Väter aus dem Sklavenhaus Ägypten herausgeführt hat und der vor unseren Augen alle die großen Wunder getan hat. Er hat uns beschützt auf dem ganzen Weg, den wir gegangen sind, und unter allen Völkern, durch deren Gebiet wir gezogen sind. [. . .] Auch wir wollen dem Herrn dienen; denn er ist unser Gott.
2. Lesung
Eph 5, 21–32
Einer ordne sich dem andern unter in der gemeinsamen Ehrfurcht vor Christus. Ihr Frauen, ordnet euch euren Männern unter wie dem Herrn (Christus); denn der Mann ist das Haupt der Frau, wie auch Christus das Haupt der Kirche ist; er hat sie gerettet, denn sie ist sein Leib. Wie aber die Kirche sich Christus unterordnet, sollen sich die Frauen in allem den Männern unterordnen. Ihr Männer, liebt eure Frauen, wie Christus die Kirche geliebt und sich für sie hingegeben hat, um sie im Wasser und durch das Wort rein und heilig zu machen. So will er die Kirche herrlich vor sich erscheinen lassen, ohne Flecken, Falten oder andere Fehler; heilig soll sie sein und makellos. Darum sind die Männer verpflichtet, ihre Frauen so zu lieben wie ihren eigenen Leib. Wer seine Frau liebt, liebt sich selbst. Keiner hat je seinen eigenen Leib gehasst, sondern er nährt und pflegt ihn, wie auch Christus die Kirche. Denn wir sind Glieder seines Leibes. Darum wird der Mann Vater und Mutter verlassen und sich an seine Frau binden, und die zwei werden ein Fleisch sein. Dies ist ein tiefes Geheimnis; ich beziehe es auf Christus und die Kirche.
Evangelium
Joh 6, 60–69
Viele seiner Jünger, die ihm zuhörten: Was er sagt, ist unerträglich. Wer kann das anhören? Jesus erkannte, dass seine Jünger darüber murrten, und fragte sie: Daran nehmt ihr Anstoß? Was werdet ihr sagen, wenn ihr den Menschensohn hinaufsteigen seht, dorthin, wo er vorher war? Der Geist ist es, der lebendig macht; das Fleisch nützt nichts. Die Worte, die ich zu euch gesprochen habe, sind Geist und sind Leben. Aber es gibt unter euch einige, die nicht glauben. Jesus wusste nämlich von Anfang an, welche es waren, die nicht glaubten, und wer ihn verraten würde. Und er sagte: Deshalb habe ich zu euch gesagt: Niemand kann zu mir kommen, wenn es ihm nicht vom Vater gegeben ist. Daraufhin zogen sich viele Jünger zurück und wanderten nicht mehr mit ihm umher. Da fragte Jesus die Zwölf: Wollt auch ihr weggehen? Simon Petrus antwortete ihm: Herr, zu wem sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens. Wir sind zum Glauben gekommen und haben erkannt: Du bist der Heilige Gottes.
Enge und Weite am Wendepunkt Umkehr ist gefordert ein radikaler Anruf des Lebens zurück zur Mitte dem Leben entgegen jeder Schritt kann entfernen oder annähern eine Entscheidung ist notwendig jetzt oder nie.
Angelika Gassner
Wort zum Sonntag
Entscheidung
Sind Sie schon vor der Entscheidung gestanden: Weggehen oder bleiben? Anlässe können sein: die Wohnung oder die Bank wechseln, von der Firma weggehen, wenn eine Ehe in die Krise geraten ist oder Christ/innen, wenn sie von der Kirche weggehen wollen. Es ist auch eine biblische Frage: Josua stellt das Volk Israel vor die Entscheidung, ob es weggehen will zu den neuen Göttern, die es in Kanaan kennen gelernt hat, oder ob es bei JHWH, der es aus Ägypten befreit hat, bleiben und ihm dienen will (vgl. 1. Lesung). Jesus erleben wir im Evangelium, wie er bei seinen Jüngern in Kritik kommt und fragt: „Wollt auch ihr weggehen?“ Während Israel sich für das Bleiben entschieden hatte, musste Jesus die bittere Erfahrung machen, dass viele Jünger ihm den Rücken kehrten. Weggehen oder bleiben? Was ist der Grund, dass Menschen sich für das Weggehen entscheiden? Das Evangelium liefert einige Antworten: Zweimal wird festgestellt, dass es viele sind, die Jesus nicht verstehen können oder sich von ihm abwenden. Das ist weniger schwer, wenn es andere auch so machen – mit der Menge gehen, mit dem Strom schwimmen. Das tun doch alle, sagt man. Und Jesus musste erleben, dass sich sogar eine Menge Menschen manipulieren ließ, die seinen Tod forderte. Wo ist da die eigene persönliche und verantwortete Entscheidung? Wie die Jünger/innen damals stehen wir Christ/innen auch heute vor der Entscheidung, die Worte Jesu als unerträglich einzustufen und uns von ihm abzuwenden oder aber zu versuchen, hinter seinen Worten die Liebe Gottes zu erkennen, die Leben in Fülle schenken will. Heute paart sich Freiheitsbedürfnis mit einer extremen gesellschaftlichen Entscheidungsscheu. Dennoch werden wir Tag für Tag neu von Jesus nach unserem Bleiben oder Gehen befragt, nach unserer Entscheidung für oder gegen sein Lebensangebot.
Zum Weiterdenken
„Der Fall, dass einer Jesus wirklich begegnet und nicht entweder anbetet oder Steine gegen ihn aufhebt, ist im Evangelium nicht vorgesehen.“ (Hans Urs von Balthasar)
Sr. M. Judit Nötstaller(SSND), Leiterin der Caritas-Wohngemeinschaft für Menschen mit geistiger Behinderung, Caritas- Regionalverantwortliche, Exerzitien- und Geistliche Begleiterin.