Bauern und Konsumenten können zusammenhelfen, dass landwirtschaftlich genutzte Böden gesund werden und bleiben.
Das meiste, was auf den Tisch kommt, ist in der Erde gewachsen oder wurde aus Boden-Ständigem gefüttert. Für die Bauern ist ein gesunder Boden wichtiges Produktions-Kapital.Biobauern verzichten auf den Einsatz von Spritzmitteln, düngen organisch und bemühen sich um abwechslungsreiche Fruchtfolge. So bauen sie Humus auf. Dieser bindetKohlendioxid im Boden (Klimaschutz), kann den Regen gut aufnehmen, was Überschwemmungen vorbeugt, und reinigt das Oberflächenwasser auf dem Weg ins Grundwasser.Konsumenten können diese Bemühungen unterstützen, wenn sie Bio-Lebensmittel aus der Region kaufen, sagt BIO Austria, die Vereinigung der Biobauern.
Etwa 40 Zentimeter ist die fruchtbare Bodenschicht dick. 40 Zentimeter, die in höchst unterschiedlichem Zustand sind. Es kommt darauf an, wie ihn die Menschen bewirtschaften.
Der Hof von Familie Edlmayr in Niederneukirchen wird seit 1996 biologisch bewirtschaftet. Der Boden dankt es, dass kein Spritzmittel und fast nur eigener Mist als Dünger eingesetzt wird. Das Erdreich ist gut durchwurzelt und funktioniert als Luft- und Wasserspeicher. „Das Hauptproblem für einen wenig ,garen‘ Boden“, so Franz Edlmayr, ist die einseitige Fruchtfolge. „Wenn nur zwischen Gerste, Weizen, Mais, Zuckerrübe und Raps gewechselt wird, müsse man eigentlich von Monokultur sprechen. Man halte sich vor Augen, wie viele unterschiedliche Pflanzen auf einer Wiese wachsen: an die 300! Unkraut, die Biobauern sprechen von „Beikraut“, tritt stärker auf. Wird auch dieses noch herausgespritzt, verarmt der Boden ganz.
Beikräuter. Jedes Beikraut kommt zum richtigen Zeitpunkt. Es zeigt an, was der Boden braucht. Die Kamille zum Beispiel ist ein Bodenheiler. Sie durchwurzelt ihn und sorgt für Belüftung. Die Distel zeigt Bodenverdichtung an, denn sie kann tief wurzeln, um auch von mehr als zwei Metern Tiefe Nährstoffe an die Oberfläche zu holen. Ähnliches gilt auch für die sogenannten Schädlinge: Sie arbeiten nur auf, was aufzuarbeiten ist. Schnecken etwa laben sich an Fäulnis. „Wir haben auf unserem Betrieb kein Schneckenproblem“, weist Franz Edlmayr auf eine Folge biologischer Bodenbewirtschaftung hin.
Friss, was da ist. Die Pflanze soll sich harmonisch ernähren, erklärt Stefan Edlmayr, ein ausgebildeter Bodenpraktiker, eine Grundidee der Biolandwirtschaft. Chemisch-synthetischer Dünger wird gestreut und die Pflanze steht vor der Aufgabe „fressen, was da ist, ob sie will oder nicht.“ Organischen Dünger dagegen kann die Pflanze selber dosieren. Sie nimmt, wie sie ihn braucht und wie es die Witterung gerade ratsam sein lässt. Die gleich nach der Ernte der Ackerfrucht gesäten, den Humus mehrenden Pflanzen – Buchweizen, Senf, Ölrettich, Phacelie (Büschelschön), Leindotter, Platterbse oder Wicke – werden im Herbst in den Boden eingeackert. Die grünen Teile zersetzen sich schneller und stehen als organischer Dünger früher zur Verfügung; die Wurzeln dagegen sind „Langzeitnahrung“. Wind, Wasser und Sonne setzen dem Boden zu. Darum ist es gut, wenn er möglichst immer bedeckt ist. Und darum will ein Biobauer „nicht jedes Graserl gleich weghaben“ (Stefan Edlmayr).
Schöpfungsauftrag. „Eine konkretere Aufgabe für mich als Christ hat es noch nicht gegeben als die Umstellung auf Biolandbau, das ist der Auftrag zur Bewahrung der Schöpfung“, sagt Franz Edlmayr.
Zum Thema
Biolandbau. Kommt ohne Spritzmittel aus. „Das war ein großer Schritt in die Unabhängigkeit. Ich bin nicht mehr Erfüllungsgehilfe des Systems“, sagt Stefan Edlmayr.
Bodenbedeckung. Hat im Biolandbau eine hohe Priorität.
Grünland, Viehzucht. Durch Düngung der Wiesen (Kühe sollen mehr Milch geben) werden Bodenschäden auch auf der Wiese zunehmen, sagt Stefan Edlmayr.
Humoser Boden. Kann mehr Wasser speichern und gibt sauberes Wasser ab.
Kleegras. Ein Viertel der Pflanzen in der Fruchtfolge eines Biobetriebs soll Kleegras sein. Es kann große Regenmengen verkraften.
Klimaschutz. Österreichs Biobauern setzen pro Hektar bewirtschafteter Fläche um 60 Prozent weniger Kohlendioxid frei als die konventionelle Landwirtschaft.
Umwelteinflüsse. Ein großes Problem für das Anliegen, Schadstoffe vom Boden fernzuhalten, ist der Verkehr. „Das Allerärgste ist der Flugverkehr“ (Stefan Edlmayr).
Wasserhaushalt. Auf kahlen, nackten Böden verdunstet Wasser schneller und kommt als Regen zurück. Verdichtete Böden können kurzfristig auftretende Wassermengen nicht aufnehmen. Der Boden wird geschwemmt.