Papst Benedikt XVI. besuchte von 26. bis 28. September die Tschechische Republik
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30.09.2009
Den Höhepunkt der Papstreise bildete die Messfeier in Brünn mit 200.000 Teilnehmern. Die Begegnung in der mährischen Metropole war von großer Herzlichkeit geprägt.
Die Messfeier stand im Zeichen des Zentralthemas „Hoffnung“. Jeder der drei Besuchstage des Papstes war einer der drei „theologischen Tugenden“ (Glaube, Hoffnung, Liebe) gewidmet. Neben tschechischen Pilgern waren auch Katholiken aus der Slowakei, aus Polen, Ungarn und Österreich, mit Kardinal Christoph Schönborn an der Spitze, angereist.
Für den Glauben eintreten. In seiner Predigt rief Benedikt die Katholiken in der Tschechischen Republik zu einem entschlossenen Eintreten für ihren Glauben auf. Viele Formen der Armut in der aktuellen Gesellschaft entstünden aus menschlicher Isolation und aus einer Ablehnung Gottes, sagte der Papst. Am Ursprung stehe ein „tragisches Verschließen des Menschen in sich selbst, der meint, sich selbst genügen zu können.“
Radikale Herausforderung. Die gegenwärtige Kultur in Tschechien stelle eine „radikale Herausforderung für den Glauben“ dar, sagte Benedikt. Er kritisierte eine Verdrängung der Religion ins Privatleben und eine Verkürzung menschlicher Hoffnung auf wissenschaftlichen und ökonomischen Fortschritt. Technische Entwicklungen und die Verbesserung der sozialen Strukturen seien „wichtig und gewiss notwendig“, doch reichten sie nicht aus, das moralische Wohl einer Gesellschaft zu gewährleisten, so der Papst. Der Mensch müsse von materiellen Unterdrückungen befreit werden, aber ebenso „von den Übeln, die den Geist bedrücken“.
Glauben nicht verdrängen. Auch mit Blick auf die kommunistische Vergangenheit warnte Benedikt vor einer Verdrängung des Glaubens aus der Gesellschaft: Die Erfahrung der Geschichte zeige, „zu welcher Sinnlosigkeit der Mensch gelangt, wenn er Gott von seinem Entscheidungs- und Handlungshorizont ausschließt“, so der Papst. Allerdings sei es nicht leicht, eine Gesellschaft nach den Maßstäben des Guten, der Gerechtigkeit und der Brüderlichkeit aufzubauen, weil der Mensch immer neu zwischen Gut und Böse wählen müsse. „Die Freiheit muss daher ständig neu für das Gute gewonnen werden“, so Papst Benedikt.
Leben nach dem Evangelium. Bereits beim Gottesdienst im Prager Veitsdom erinnerte Benedikt daran, dass die Folgen der kommunistischen Herrschaft noch nicht vollständig überwunden seien. Auch nach dem „langen Winter der Diktatur“ und der Wiedererlangung der Freiheit sei ein Leben nach dem Evangelium nicht einfach. Die tschechische Gesellschaft trage noch die Wunden, die von der atheistischen Ideologie verursacht wurden. Dazu komme jetzt eine Faszination „durch die moderne Mentalität des hedonistischen Konsums“. Dies führe zu einer gefährlichen Krise der menschlichen und religiösen Werte und zu einem Abdriften in einen ethischen und kulturellen Relativismus. Der Papst rief die Katholiken auf, die geistlichen und moralischen Werte in der heutigen Gesellschaft zu stärken. Besondere Aufmerksamkeit verdiene die Erziehung der jungen Generationen.
Botschaft an die Jugend. Das Streben der Jugendlichen nach Glück wird nach den Worten Papst Benedikts von der Konsumgesellschaft auf „falsche und entfremdete Weise“ ausgenutzt. Wer sich aber auf illusorische Trugbilder von künstlichen Paradiesen einlasse, finde sich schließlich in einer „traurigen Einsamkeit“ wieder, so Benedikt in einer Botschaft an junge Katholiken, die er am Ende des Gottesdienstes in Stara Boleslav (Altbunzlau) am vergangenen Montag verlas. Die Sehnsucht der Jugendlichen müsse ernst genommen werden und erfordere die „wahre und umfassende Antwort“ des christlichen Glaubens, sagte der Papst. Zugleich lobte er die Bemühungen vieler junger Menschen, ihr Leben nach christlichen Maßstäben auszurichten.
Papstbesuch
- Gott und Familie. Zwei zentrale Themen – den liebenden Gott, der Mensch und sogar Kind geworden ist, und die Familie – stellte Benedikt nach seiner Ankunft in der tschechischen Hauptstadt Prag in der Kirche Sancta Maria de Victoria (wo die Gnadenstatue des „Prager Jesuleins“ verehrt wird) in den Mittelpunkt seiner Ansprache. Er erinnerte aber auch an die Not vieler Kinder, die missbraucht und ausgebeutet würden.
- Akademische Freiheit. Vor der universitären Elite der Tschechischen Republik hat Papst Benedikt XVI. ein Plädoyer für die akademische Freiheit gehalten. Nach dem „Sieg des menschlichen Geistes“ über eine totalitäre Ideologie dürfe die Forschung jetzt nicht Beute eines Relativismus werden, der Vernunft und Wahrheit voneinander abkopple.
- Für christliche Ideale. Beim Gottesdienst in Stara Boleslav (Altbunzlau) rief Papst Benedikt die tschechischen Jugendlichen auf, „gläubig und glaubwürdig“ für christliche Ideale einzutreten. Heiligkeit bedeute nicht, auf den eigenen Vorteil, sondern auf das Gemeinwohl zu schauen, so der Papst.