Ausgabe: 2009/49, Johannes, Josef Walder, Sonntag, Evangelium, Lesung, Hanne Köhler, Ohr der Menschheit, 2. Adventsonntag, Türen der Nacht,
02.12.2009
Sie brechen die „Türen der Nacht“ ein und reißen mit ihren Worten Wunden in die „Felder der Gewohnheit“ (Nelly Sachs) . . . wenn Propheten und Prophetinnen sprechen würden, bliebe noch die entscheidende Frage: Höre ich sie, die Stimme Gottes?
Evangelium
Lk 3, 1–6
Es war im fünfzehnten Jahr der Regierung des Kaisers Tiberius; Pontius Pilatus war Statthalter von Judäa, Herodes Tetrarch von Galiläa, sein Bruder Philippus Tetrarch von Ituräa und Trachonitis, Lysanias Tetrarch von Abilene; Hohepriester waren Hannas und Kajaphas. Da erging in der Wüste das Wort an Johannes, den Sohn des Zacharias. Und er zog in die Gegend am Jordan und verkündigte dort überall Umkehr und Taufe zur Vergebung der Sünden. (So erfüllte sich,) was im Buch der Reden des Propheten Jesaja steht: Eine Stimme ruft in der Wüste: Bereitet dem Herrn den Weg! Ebnet ihm die Straßen! Jede Schlucht soll aufgefüllt werden, jeder Berg und Hügel sich senken. Was krumm ist, soll gerade werden, was uneben ist, soll zum ebenen Weg werden. Und alle Menschen werden das Heil sehen, das von Gott kommt.
1. Lesung
Bar 5, 1–9
Leg ab, Jerusalem, das Kleid deiner Trauer und deines Elends, und bekleide dich mit dem Schmuck der Herrlichkeit, die Gott dir für immer verleiht. Leg den Mantel der göttlichen Gerechtigkeit an; setz dir die Krone der Herrlichkeit des Ewigen aufs Haupt! Denn Gott will deinen Glanz dem ganzen Erdkreis unter dem Himmel zeigen. Gott gibt dir für immer den Namen: Friede der Gerechtigkeit und Herrlichkeit der Gottesfurcht. Steh auf, Jerusalem, und steig auf die Höhe! Schau nach Osten, und sieh deine Kinder: Vom Untergang der Sonne bis zum Aufgang hat das Wort des Heiligen sie gesammelt. Sie freuen sich, dass Gott an sie gedacht hat. Denn zu Fuß zogen sie fort von dir, weggetrieben von Feinden; Gott aber bringt sie heim zu dir, ehrenvoll getragen wie in einer königlichen Sänfte. Denn Gott hat befohlen: Senken sollen sich alle hohen Berge und die ewigen Hügel, und heben sollen sich die Täler zu ebenem Land, so dass Israel unter der Herrlichkeit Gottes sicher dahinziehen kann. Wälder und duftende Bäume aller Art spenden Israel Schatten auf Gottes Geheiß. Denn Gott führt Israel heim in Freude, im Licht seiner Herrlichkeit; Erbarmen und Gerechtigkeit kommen von ihm.
2. Lesung
Phil 1, 4–6. 8–11
[. . .] immer, wenn ich für euch alle bete, tue ich es mit Freude und danke Gott dafür, dass ihr euch gemeinsam für das Evangelium eingesetzt habt vom ersten Tag an bis jetzt. Ich vertraue darauf, dass er, der bei euch das gute Werk begonnen hat, es auch vollenden wird bis zum Tag Christi Jesu. [. . .] Gott ist mein Zeuge, wie ich mich nach euch allen sehne mit der herzlichen Liebe, die Christus Jesus zu euch hat. Und ich bete darum, dass eure Liebe immer noch reicher an Einsicht und Verständnis wird, damit ihr beurteilen könnt, worauf es ankommt. Dann werdet ihr rein und ohne Tadel sein für den Tag Christi, reich an der Frucht der Gerechtigkeit, die Jesus Christus gibt, zur Ehre und zum Lob Gottes.
Advent – Zeit der Hoffnung Wir finden uns nicht ab mit dem, was ist wir sehen, wie viele leiden wir glauben – nach Gottes Willen soll alles anders werden
Advent – Zeit des Wartens Was wir uns wünschen, ist noch nicht wahr manches Mühen war anscheinend vergeblich wir hoffen – Gott kommt trotzdem in diese Welt
Advent – Zeit der Vorfreude Frühere Enttäuschungen können uns nicht fesseln unsere Träume blühen neu wir erleben – Gott freut sich mit uns
Advent – Gott kommt trotzdem was dagegen spricht, hat nicht das letzte Wort so wahr Christus lebt
Hanne Köhler
Wort zum Sonntag
„Warum Johannes so viel geschrien hat . . .“
„Johannes der Täufer arbeitete in der Wüste, er taufte die Sünder und wusch sie mit dem Heiligen Geist. Er war in Lumpen gekleidet und fastete vierzig Tage im Monat. Er taufte einen Fluss ,Jordan‘ und schrie ganz allein in der Wüste, aber keiner hörte ihn; nur wenn ein bisschen der Wind ging oder ein Echo da war, verstand man ein bisschen etwas, aber selten. Daher werden wir nie erfahren, warum er so viel geschrien hat“, so ein neapolitanisches Kind in seinem Schulaufsatz. „Da erging in der Wüste das Wort Gottes an Johannes“, heißt es im Evangelium. Durch Johannes gelangen das Wort und das Handeln Gottes in die Bahnen der Zeit. Gottes Wort wird konkret in den Menschen. Es stiftet Wirklichkeit für dich und für mich. Das Wort Gottes bewirkt Heilsgeschichte, wenn Menschen es hören, es lieben und ihm gehorchen. Johannes ist der Zeuge des Wortes Gottes. Er verweist uns auf Gott. Das „Schreien“ des Johannes ist letztlich der Ruf Gottes. Die Zeit des Advents steht für Aufbruch, für einen neuen Anfang, für eine neue Begegnung mit Gott. Dazu ruft uns Johannes. Der Ruf des Johannes möchte uns auch wegführen. Wir sollen falschem Vertrauen, das nur auf eigene Leistung baut, auf das, was wir haben und wofür wir uns halten, den Rücken kehren. Es ist auch ein Ruf, der wegführt von der Resignation, die sich einstellt, wenn wir Entscheidendes versäumen, Niederlagen und Brüche erleben. Es ist ein Ruf hin zum Vertrauen, dass wir letztlich, in allem was geschieht, in Gottes Hand sind. Aber sind wir bereit Gottes Ruf zu hören? Oder mit den Worten der Dichterin Nelly Sachs: „Wenn die Propheten einbrächen durch Türen der Nacht mit ihren Worten Wunden reißend in die Felder der Gewohnheit. Ohr der Menschheit, würdest du hören?“
Zum Weiterdenken
Der Advent soll verstanden werden als Zeit der Besinnung auf das Wesentliche: Weniger ist oft mehr. Wann nehme ich mir Zeit zu fragen, was meinem Leben förderlich ist und was es einengt? Kann ich Gottes Ruf wahrnehmen?
Josef Walder, Theologischer Referent des Bischofs von Innsbruck.