Sie ist eine Errungenschaft unserer modernen Welt: künstliche Beleuchtung. Die Tage dauern 24 Stunden, auch wenn die Natur vorgesehen hat, dass sie kürzer werden.
Eine sternenklare Nacht – wer achtet schon darauf, was es am Himmel zu sehen gibt? Oder besser: gäbe, wenn nicht von unten helles Licht erstrahlen würde? Dass es auch „Lichtverschmutzung“ gibt, war lange nur Umweltexpertinnen und -experten bewusst. In einigen Staaten bestehen schon Regelungen, wie lange und wie hell Lichter im öffentlichen Raum leuchten dürfen. In Katalonien (Spanien) wird die Weihnachtsbeleuchtung eigens bedacht: Höchstens 168 Stunden, vom vorletzten Freitag im November bis zum 6. Dezember, darf sie dort erstrahlen.
Sterne beobachten. Es geht dabei um mehr als um ein paar Astronomen, die stört, dass sie nicht mehr so gut „sterngucken“ können. Vor wenigen Generationen hat jedes Kind gewusst, wie es den Großen und den Kleinen Wagen am Sternenhimmel findet und warum man sich auch ohne Kompass orientieren kann, wenn man den Polarstern kennt. Heute haben die Sterne vielerorts keine Chance gegenüber künstlicher Beleuchtung. Für manche ist das der Verlust eines Teils der Allgemeinbildung.
Faszinierend. Licht fasziniert die Menschen. Es kann ein Gebäude festlich aussehen lassen, Straßenbeleuchtungen fördern die Sicherheit und Orientierung. Für manche Menschen ist Licht in der Nacht aber eine Belästigung. Es sollte deshalb die Umgebung so wenig wie möglich beeinträchtigen. Es gibt keinen Richtwert dafür, ab wann künstliches Licht störend wirkt, weil das sehr individuell ist. Licht stört vor allem, wenn es als unnötig oder aufgezwungen gesehen wird oder wenn es sich stark ändert. Tatsächlich kann es sich negativ auf den Schlaf auswirken.
Nachtaktiv. Von „Lichtverschmutzung“ sprechen Experten dann, wenn der Nachthimmel durch künstliche Beleuchtung aufgehellt wird, weil Licht in die Atmosphäre gestreut wird. Neben der Energieverschwendung hat das Auswirkungen auf alle lebenden Organismen. Am augenscheinlichsten ist das bei nachtaktiven Tieren. Im Naturschutz wird Lichtverschmutzung deshalb als wachsendes Problem wahrgenommen, wie Mag. Gerald Pfiffinger von Birdlife Österreich bei einer Veranstaltung der Oö. Umweltakademie erläuterte. Insekten etwa werden von Licht angezogen und können nicht entkommen. Entweder sie verbrennen direkt in der Lichtquelle oder sie werden davon irritiert. Pfiffinger weist darauf hin, dass etwa 85 Prozent der heimischen Schmetterlinge nachtaktiv sind.
Geflügelte Jäger. Fledermäuse sind perfekt an die Nacht angepasst. Künstliche Beleuchtung führt dazu, dass sie später ihre Quartiere verlassen und dadurch weniger Zeit für die Jagd haben. Nur wenige Arten können Insekten nutzen, die in Lichtkegeln gefangen sind, und das sind eher die häufig vorkommenden Arten. Betroffen sind auch Vögel. Die meisten Singvögel ziehen in der Nacht, genauso Watvögel, Enten und Gänse. Sie orientieren sich unter anderem an den Gestirnen. Bei schlechten Sichtverhältnissen wie bei Nebel oder niedrigen Wolken halten sie sich an Licht. Zusammenstöße mit Hochhäusern etwa enden für viele Vögel tödlich. Studien haben ergeben, dass weißes Licht Vögel stärker anzieht als rotes Blinklicht.
Bewusst leuchten. Vielen öffentlichen Institutionen ist das Problem bewusst. So werden zur Straßenbeleuchtung Lampen eingesetzt, die nur nach unten strahlen, statt in den Himmel. Auch in der Architektur gibt es Ansätze, Licht bewusst einzusetzen statt Gebäude einfach möglichst hell und grell zu beleuchten und womöglich den Himmel rundherum mitzubestrahlen.
- Informationen im Internet: www.hellenot.orghttp://sternhell.atwww.nightsky.at