Aktion SEI SO FREI wirbt um Unterstützung für Hilfsprogramme
Ausgabe: 2009/50, Sei so frei, Solidarität, KMB, Jungwirth, Losenstein, Männerbewegung
09.12.2009
- Josef Wallner
1000 Erwachsene in 40 Dörfern in Mosambik nehmen zurzeit an einem Bildungsprogramm für Frauen teil. Es wird von der Aktion „SEI SO FREI” der Katholischen Männerbewegung gefördert.
Der dritte Adventsonntag ist traditionell der Hauptaktionstag der Katholischen Männerbewegung (KMB) für die Aktion „SEI SO FREI“. Auch wenn die Vorweihnachtszeit inzwischen von vielen spendenwerbenden Organisationen genutzt wird, so hält die KMB daran fest. Mit der Aktion ist ein Stück adventliche Botschaft verbunden. Menschwerdung soll gerade dort konkret werden, wo Menschen unter für europäische Verhältnisse unvorstellbaren Bedingungen leben. Ein Schlüssel zur Verbesserung der Situation ist die Bildung. Sie verhilft Frauen und Männern zu einem Stück Unabhängigkeit. Und das fängt oft ganz vorne an. Auch wenn keine Schule da ist, es genügt ein Baum, der Schatten spendet, dazu engagierte Leute – und Menschen, die mit Spenden das Werk unterstützen.
Bildung erzeugt Unruhe
Am dritten Adventsonntag bittet die Aktion SEI SO FREI um Solidarität
Die Katholische Männerbewegung mit ihrer Aktion SEI SO FREI stellt heuer die Bildung in das Zentrum ihrer Adventkampagne und unterstützt Frauen in Mosambik, die im Schatten von Bäumen lesen und schreiben lernen.
Bernhard Jungwirth, Aktivist der Katholischen Männerbewegung aus Losenstein, hat eine Projektreise nach Mosambik begleitet und konnte „Schulklassen unter Bäumen“ besuchen. Weitab von der Straße führte ihre Fahrt auf holprige Pisten, deren Verlauf kaum zu erkennen war. „Bis plötzlich mitten im Gelände ein Baum mit weit ausladenden Ästen vor uns auftauchte“, erzählt er. „Als wir näher kamen, sahen wir ein Schar Frauen im Schatten sitzen, im Halbkreis um eine Schultafel.“ Was er dort zu Gesicht bekam, ist ganz anders als die Vorstellung, die man in Europa mit Unterricht verbindet. Die Frauen kauerten am bloßen Boden oder verwendeten Ziegelsteine als Hocker, zwischen ihnen krabbelten Kleinkinder, andere stillten ihre Säuglinge und das alles hielt sie nicht davon ab, auf den Lehrer zu achten.
Ein Zeugnis schafft Selbstwert. In 40 Dörfern Mosambiks finanziert die Aktion SEI SO FREI seit 2001 Unterricht für Frauen. Zweimal wöchentlich kommen sie zu den „Schulbäumen“. Die ersten Frauen haben schon ihren Grundschulabschluss nachgeholt und halten ein staatlich anerkanntes Zeugnis in den Händen. Aber es geht nicht um das Papier, sondern um das, was ihnen die Grundfertigkeiten in Rechnen, Lesen und Schreiben für den Alltag bringen. „Das ist vor allem neues Selbstbewusstsein“, erklärt SEI SO FREI Projektreferent Franz Hehenberger. Denn sie sind nun am Markt nicht mehr von der Ehrlichkeit ihrer Kundschaften oder der Händler abhängig – die oft genug zu wünschen übrig lässt. Sie können sich selbst ausrechnen, was sie für ihre Ware insgesamt einnehmen und wie viel Retourgeld sie geben müssen. Und die Frauen können lesen: die Informationen der Bürgermeister zum Beispiel. Darin liegt Brisanz. Weil es immer wieder vorkommt, dass Frauen Bürgermeister aufmerksam machen, dass ihr Handeln nicht mit ihren schriftlich veröffentlichten Versprechungen übereinstimmt. „Bildung birgt gesellschaftliche Dynamik und sie erzeugt eine Unruhe, die wertvoll ist“, unterstreicht Hehenberger. „Die Verantwortlichen – und das sind Männer – können nicht mehr tun und lassen, was sie wollen.“ Das bedeutet für die gesamte Gesellschaft eine Herausforderung.
Zutrauen und Zeit. Unter den lernbegierigen Frauen unter den Bäumen finden sich auch einige Männer. Ganz wenige. Bernhard Jungwirth bewundert den Mut dieser Männer: „Das braucht eine starke Überzeugung, dass man sich da dazusetzt.“ Grundsätzlich steht der Unterricht allen offen, aber Frauen nutzen ihre Chancen ungleich öfter. Für den KMB-Aktivist Jungwirth war es beeindruckend zu sehen, dass die Aktion SEI SO FREI in ganz entlegenen Gebieten hilft, wo andere Organisationen nicht hingehen. „Die Leute können sich auf unsere Hilfe wirklich verlassen, und zwar über einen längeren Zeitraum.“
Nächste Schritte. Die Aktion SEI SO FREI wird die Schulen im Schatten der Bäume für weitere drei Jahre fördern. Franz Hehenberger denkt aber schon weiter: „Dank der Bildung werden in diesen Dörfern noch andere Entwicklungsschritte möglich werden.“
- Dieser Ausgabe der KirchenZeitung liegt ein Zahlschein der Aktion SEI SO FREI bei.