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Die Alten haben es verdient

Ausgabe: 2009/50, Pflege, Knollmayr, Gesprächsgruppen, Alter, Arbeit, Pflegedienst
09.12.2009
- Ernst Gansinger
Johann und Theresia Knollmayr mit der 100j?hrigen Theresia Knollmayr, der Mutter von Johann Knollmayr.
Pflegende Angeh?rige, Alter, alt werden daheim, Familienverband, Generationen, Schwiegertochter Thersia Knollmayr pflegt ihre Schwiegermutter seit
Johann und Theresia Knollmayr mit der 100j?hrigen Theresia Knollmayr, der Mutter von Johann Knollmayr. Pflegende Angeh?rige, Alter, alt werden daheim, Familienverband, Generationen, Schwiegertochter Thersia Knollmayr pflegt ihre Schwiegermutter seit
© honorarpflichtig, Ernst Gansinger
Die hochbetagte Theresia Knollmayr mit ihrer gleichnamigen sie pflegenden Schwiegertochter und deren Mann Johann beim Adventkranz (v. r. n. l.).





„Es ist der Glaube, aus dem heraus die Pflege der Alten ganz logisch wird“, ist Theresia Knollmayr überzeugt. Sie betreut ihre 100-jährige Schwiegermutter. Man soll sich zudem bewusst machen: „Auch wir werden einmal alt.“

Früher hat man nichts anderes gekannt, als die Alten hochhalten”, sagt die 69-jährige Theresia Knollmayr aus Eidenberg, die ihre gleichnamige hundertjährige Schwiegermutter betreut und pflegt. Und sie erzählt, wie selbstverständlich sie in die Betreuungs-Aufgabe hineingewachsen ist. „Wir haben alle Arbeit zusammen gemacht. Sie war eine flotte Arbeiterin!“ Als sie dann 90 war, haben die Kräfte nachgelassen. Aber bis dahin ist die Urli-Oma noch mit dem 15er, dem Traktor, gefahren und hat Grünfutter gemäht. Jetzt „bin ich müde, ich mag kaum mehr aus dem Bett“, sagt die Hundertjährige. Die Schwiegertochter ist, seit die Urli-Oma nicht mehr so kann, wie sie möchte, bemüht, dass die Hochbetagte am Leben teilnehmen kann. Dass viel Besuch kommt, gefällt ihr. Und wenn sie tarockieren kann, lebt sie auf, auch wenn sie abschwächt: „Ich höre ja schon so schlecht ...“ Zur Betreuung durch die Schwiegertochter gehört auch, dass diese der Urli-Oma das Frühstück ans Bett bringt. Die pflegende Theresia sieht die Zeit, die sie ihrer Schwiegermutter widmet, als selbstverständlich an.

Man muss es mit Liebe tun. Man muss aus Liebe pflegen, sonst könnte man das nicht so lange tun. Was sie alles macht, mag sie nicht aufzählen. Sie umschreibt es: „Es ist alles so richtig eingeschustert ... wir sind so zusammengewöhnt ...“ Der Glaube gibt ihr Kraft. Seit drei Jahren kommt die Schwiegermutter nicht mehr außer Haus. Daheim geht sie noch ein paar Schritte selbstständig. „Insofern bin ich eine untypische pflegende Angehörige; andere müssen viel mehr Zeit aufwenden.“ Die nebenan wohnende Tochter hilft mit, die Oma zu betreuen. So kann die Pflegende auch zu Erledigungen oder anderen Terminen das Haus verlassen. „Alleine lassen könnte man die Urli-Oma nicht. Sie mag nicht alleine sein.“

Gesprächsgruppe Pflegende Angehörige. Eine der Fixzeiten ist die Zusammenkunft der Caritas-Selbsthilfegruppe Pflegende Angehörige einmal im Monat in Gramastetten. Diese wird von der Altenfachbetreuerin Irmi Grininger geleitet. „Wir gehen gerne dorthin. Ich kann es allen empfehlen.“ Die Gruppe besteht aus Frauen, die daheim pflegen. Dabei ganz allein zu sein und niemanden zu haben, der mithilft, kommt auch vor. Theresia Knollmayr ist dankbar, nicht so intensiv gefordert zu sein. Dennoch, es tut gut, davon zu erzählen, wie es einem geht. Es entlastet, sich von der Seele zu reden, was einen drückt. Und es tut gut, von Frau Grininger aufgebaut zu werden, die immer auch Nachdenkliches parat hat, wenn sie etwa sagt: „Die Alten haben sich die Pflege verdient!“

Keine Arbeit, kein Weg mehr. Am 23. September heuer hat die hochbetagte Urli-Oma Theresia Knollmayr ihren hundertsten Geburtstag gefeiert. Auch der Landeshauptmann kam gratulieren. Man feierte Gottesdienst und dann im Gasthaus weiter. Es war seit drei Jahren das erste Mal, dass die Urli woanders hinkam. Diese Einschränkung des Bewegungs-Radius schmerzt sie. Bis ins hohe Alter ging sie keiner Mühe aus dem Weg, keine Arbeit war ihr unangenehm und kein Weg beschwerlich – z.B. der fast tägliche Kirchgang auch im Winter nicht. Jetzt hat sie keine Arbeit mehr und keine Wege. Umso wichtiger ist, dass sich andere auf den Weg zu ihr machen und dass die Schwiegertochter nicht die Mühe der Pflege scheut. Jetzt kommt der Winter. „Da werden wir schauen, dass möglichst oft jemand kommt“, sagt die Schwiegertochter. Für Ansprache ist also gesorgt! Und für Freude – wie die Bilder rechts belegen. Freude über Besuch und Tarock und ...





Pflegen

Da sein. „Für uns Christen ist es wichtig, in einer Welt, die von Leistung geprägt ist und die von den Menschen Fehlerlosigkeit erwartet, genau hier auch für Alte und Kranke da zu sein“, sagte Diözesanbischof Dr. Ludwig Schwarz beim Medienempfang am 30. November im neu renovierten Seniorenwohnhaus Karl Borromäus in Linz.

„Größter Pflegedienst“. Caritasdirektor Mathias Mühlberger meinte beim gleichen Anlass – dem Medienempfang: „Die Pflege in Österreich ist eine chronische Dauer-Patientin, die ständig nur notdürftig verarztet wird.“ Derzeit seien die pflegenden Angehörigen noch der größte und wichtigste „Pflegedienst“ im Land, der Großteil davon sind Frauen. In Zukunft werden die pflegenden Angehörigen weniger. Viele Menschen wünschten sich aber, zu Hause alt werden zu können. Der massive Pflegekräftemangel mache der Gesellschaft zu schaffen.

Fünf Gebote der Stunde. Direktor Mühlberger nannte „fünf Gebote der Stunde“: rasche Einführung des geplanten Pflegefonds, verstärkter Ausbau der mobilen Dienste, ständige Anpassung des Pflegegeldes, Attraktivierung der Sozialbetreuungsberufe und spezialisierte Angebote für Menschen mit Demenzerkrankungen.

Unterstützung für Pflegende. Die Caritas- Servicestelle für pflegende Angehörige betreut 33 Gesprächsgruppen – Selbsthilfegruppen – für pflegende Angehörige. Pflegende können auch psychosoziale Beratung in Anspruch nehmen. Zweimal im Jahr werden zudem Erholungstage für Pflegende angeboten, einmal davon in Form einer gemeinsamen Erholung für Pflegende und ihre betreuten Angehörigen. Die Servicestelle hat auch eine interaktive Internetplattform (www.netzwerkpflege.at), über die pflegende Angehörige die Möglichkeit haben, mit anderen Betroffenen in Kontakt zu treten sowie anonym Anliegen an Caritas-Fachleute zu richten.

- Servicestelle für pflegende Angehörige derCaritas, Bethlehemstraße 56–58, 4020 Linz,Tel. 0676/87 76-24 40.
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