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Erklären, erklären, erklären

Wie wird über Asylwerber geredet? - Die Sprache ist brutal, die Politik tut zu wenig, war der Befund einer Diskussion in Linz
Ausgabe: 2010/05, Erlären, Asyl, Asylwerber, Diskussion, Linz
04.02.2010
- Ernst Gansinger


Diskussion mit Hans Rauscher, Milan Ilic und Walter Ötsch (von links nach rechts) im Wissensturm Linz.





Dagegenhalten und erklären! Diese beiden Appelle waren bei der Veranstaltung „Dem Volk aufs Maul g’schaut? Politische Sprache in der aktuellen Asyldebatte“ am 28. Jänner in Linz immer wieder zu hören.

„Die Politik schaut dem Volk nichts aufs Maul, sie redet dem Volk nach dem Maul“, beklagte Hans Rauscher vom „Standard“. So sei die politische Sprache in der Debatte um Asylwerber und überhaupt im öffentlichen Diskurs über Ausländer verroht. Es wird zum Beispiel oft nicht von Asylwerbern oder Flüchtlingen gesprochen sondern von Asylanten, Asylbetrügern, Asylerschleichern. Asylwerber werden mit dem Verdacht krimineller Absichten belegt.

Wo bleiben die Autoritäten? „Was öffentlich gesagt wird, ohne dass Autoritären aufschreien, das habe es in den 30er-Jahren gegeben, nicht aber in den 80er und frühen 90er-Jahren sieht Hans Rauscher ein Ansteigen der öffentlichen Unempfindlichkeit, die sich in der NS-Zeit zu einer breiten Menschenverachtung auswuchs. Rauscher meint, es wäre wichtig, dass ein paar Autoritäten, die letzten verbliebenen in diesem Land – er nennt Bundespräsident Dr. Heinz Fischer und Kardinal Dr. Christoph Schönborn – klar gegen Demagogie und Verhetzungen auftreten. Eine Frau aus dem Publikum ärgerte sich, dass von den Autoritäten in diesem Anliegen zu wenig komme.Der Befund am Podium – es diskutierten bei der Veranstaltung im Wissensturm in am 28. Jänner Linz Dr. Walter Ötsch von der Uni Linz, Hans Rauscher vom Standard und der Cartoonist Milan A. Ilic – und im Publikum fiel in weiten Bereichen sehr ähnlich aus: Die etablierten Parteien und Politiker haben sich ins Bockshorn jagen lassen und die Sprache der Verschärfung übernommen. Eine Sprache, die nicht auseinanderhält sondern vereinfacht. Eine Politik, die sich dieser Sprache bedient, tritt nicht in den Austausch mit den Bürger/innen. Es gebe zwar einen Bodensatz äußerst rechter Haltungen in unserem Land, aber vieles wäre veränderbar, wenn man sich die Mühe macht zu erklären, zu erklären, zu erklären!

Nicht der Stimmung nachgeben!
Wir, die Guten, und die bösen Anderen! – Diese Einteilung ist willkürlich, erklärte Walter Ötsch, Wirtschaftswissenschafter und Leiter des Zentrums für soziale und interkulturelle Kompetenz der Universität Linz. Ötsch spricht von inszenierter Empörung, die jedes Problem personalisiert und eine sachliche Diskussion verhindert. Dabei berufen sich die, die sich zu Wort melden, auf das Volk. „Aber wer ist das Volk? Ich gehöre jedenfalls nicht zu diesem Volk“, sagte Ötsch (und ähnlich auch Rauscher). Ötsch führte weiter aus, dass das Problem die Großparteien seien. Wenn diese der Stimmung ein bisschen nachgeben, tun sie das Falsche, denn im „Wir und die Anderen-Denken“ sei eine Eskalationsspirale enthalten. Damit werde der Diskurs immer schlechter. Von verantwortlichen Politikern müsse man erwarten, dass sie dagegen halten und erklären, sich mit den Gefühlen hinter den negativen Stimmungen ausinandersetzen. Genauso verfehlt sei es zu verharmlosen. „Die Gefühle müssen angesprochen und in Sachpolitik gegossen werden. Man arbeitet sonst denen in die Hand, die diese Gefühle ansprechen und in ihrem Weltbild erklären.“ Solche Politik braucht viel Wissen und viel Einfühlungsvermögen.“

Die Tabus sind gefallen.
Der aus Serbien stammende und in Linz lebende Cartoonist Milan Ilic war der einzige Optimist dieses Abends. Er halte Österreich für tolerant und es gebe keinen Grund, nicht optimistisch zu sein. Gefallene Tabus eröffnen die Chance, dass auf schlimme Meinungen geantwortet wird. „Wenn man etwas Böses sagt und es kommt Antwort, ist es gut. Schlecht ist es, wenn keine Antwort kommt!“





Zum Thema


Wie wird hierzulande über Ausländer und Flüchtlinge gesprochen? Diese Frage hat durch die Art, wie wochenlang über ein drittes Aufnahmezentrum in Eberau diskutiert wird, besondere Brisanz. Eine Veranstaltung, zu der „Markierungen – Gespräche zur kulturellen Vielfalt“, SOS-Menschenrechte und die Volkshochschule Linz am 28. Jänner eingeladen hatte, hat sich des emotionalen Themas angenommen.




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