Alternativ-Nobelpreistr?ger und Vorsitzender des Weltrates f?r Erneuerbare Energien Hermann Scheer war Gastredner bei der Veranstaltung "Bioenergie - Schl?ssel zur Energiewende" im Europa-Center der Messe Wels, zu der 400 Besucherinnen und Besucher g
Prof. Dr. Hermann Scheer, Präsident von EUROSOLAR, SPD-Abgeordneter im Deutschen Bundestag, AlternativNobelpreisträger 1999, referierte in Wels. Landesrat Viktor Sigl begrüßte ihn, eine Kreation des TIME-Magazins 2002 verwendend, als „Heroe for the Green Century“.
„Wir müssen den Wechsel zur erneuerbaren Energie als ausschließliche Energie im Laufe einer aktiven Generation, also binnen 30 Jahre, schaffen“, sagte Alternativ-Nobelpreisträger Prof. Dr. Hermann Scheer. Er referierte zum Thema „Bio-Energie – Schlüssel zur Energiewende“ am 4. Februar in Wels.
„An der Analyse ist kein Zweifel“, kommentierte Dr. Gerhard Dell, Geschäftsführer des Oö. Energiesparverbandes, die Scheer-Rede und fuhr fort: „Jetzt geht es darum, dass jeder und jede Einzelne das in die persönliche Lebenssituation umsetzt.“ – Die 400 Veranstaltungsbesucher/innen, die zum Vortrag nach Wels gekommen waren, sind eine gute Basis für solches Umsetzen. Sie hörten viel Ermutigendes zur erneuerbaren und Kritisches zur herkömmlichen Energie bei dieser Veranstaltung, zu der das Regionalmanagement Oberösterreich mit dem Regionalforum Wels-Eferding eingeladen hatte,
Scheers schlechte Nachrichten. Hätte in China und Indien mit heute insgesamt 2,4 Milliarden Menschen die Industrialisierung um 50 Jahre früher eingesetzt, wären die Erdöl- und Erdgas-Reserven wahrscheinlich schon erschöpft. Erdöl wird zudem zu 60 Prozent aus nur 40 Großquellen in 15 Ländern gefördert. Wenn mehr Öl und Gas nachgefragt wird, als angeboten werden kann, droht ein grausamer Konflikt. Über 40 arme Länder zahlen für den Import von Erdöl mehr, als sie für ihren gesamten Waren-Export erlösen ...
Scheers gute Nachrichten. Der Wechsel zu erneuerbarer Energie – Wasserkraft, Windkraft, Energie aus der Kraft der Sonne, Energie aus Pflanzen – bringt volkswirtschaftliche Vorteile (keine Importe, verbesserte Zahlungsbilanz), entlastet die Umwelt, stärkt die heimische Land- und Forstwirtschaft und belebt die Regionalwirtschaft. An der Politik liegt es, diesen Nutzen für die Gesellschaft in ein Anreizsystem für Einzelbetriebe umzuwandeln. Das Bewusstsein der Bevölkerung sei deutlich weiter als die Gesetze.
Sonne, Wind, Wasser, Pflanzen. Je nach Region werden die Schwerpunkte samt Energie-Mix verschieden sein. „Der Wechsel zur erneuerbaren Energie muss immer spezifisch sein. Die einen haben mehr Wasser, andere Wind, wieder andere eine günstige Sonneneinstrahlung oder besondere Bodenverhältnisse“, sagt Scheer. Österreich hat Wasser, zu 70 Prozent könnte der Strom aus Wasserkraft kommen – Scheer spricht sich für Kleinkraftwerke aus – und zu 30 Prozent aus Windkraft. „Bioenergie ist unverzichtbar als die notwendige Reserve-Energie.“ Denn Wind und Sonneneinstrahlung schwanken. Bioenergie ist stabil.
Chance für die Landwirtschaft. Für die Wärmegewinnung sei solarthermische und biothermische Energie unschlagbar, betont Scheer. Autos werden künftig mit Elektromotoren fahren, meint er. Die Landwirtschaft wird in dieser Energie-Perspektive aufgewertet. „Es ist seit 200 Jahren die erste Chance, dass die Landwirtschaft nicht weiter schrumpft, sondern wieder wächst – und das nachhaltig, dauerhaft“, macht Scheer Mut. Nachwachsende Pflanzen sind aber nicht nur Energiespender, sondern sie sind auch im stofflichen Bereich interessant: „Alles, was man aus Erdöl, Erdgas oder Kohle machen kann, kann man auch aus Pflanzen machen“, versprüht Scheer Zuversicht, an eine pflanzliche Revolution zu glauben, getragen von der Landwirtschaft. In diesem Zusammenhang erntet er für die Aussage: „Gentechnologie ist die Enteignung der Natur“, viel Applaus.
Biogas – Krönung der Bioenergie. Landwirtschaftliche Flächen für die Energie? – Solches Ansinnen stößt auch auf Kritik. Ihr begegnet Scheer im Referat: Zunächst geht es um landwirtschaftliche Reststoffe. „Es gibt keinen Abfall, nur Material an der richtigen und falschen Stelle.“ Das organische Reststoff-Areal sei riesig. Zudem müssen Energiepflanzen nicht auf die Fruchtreife warten. So ist zweimal aussäen in einer Saison möglich. Das bringe Vielfalt statt Monokulturen. Biogas sei dann die Krönung der Bio-Energie, es hat die größte Oberfläche. Die größere Oberfläche ist auch der Grund, warum Pellets die Energie besser umsetzen als das Holzscheit.