Bischof Ludwig Schwarz hätte sich auf einen „Deal“ mit der „Gebetsinitiative Kirchentreu“ eingelassen, behauptete die Zeitung „Österreich“ letzte Woche – und sprach von „Erpressung“. Die „Bezirks-Rundschau Rohrbach“ brachte den Stein ins Rollen, indem sie behauptete: „Erzkonservative kauften Kaineders Kopf um 50.000 Euro.“ Die Tatsachen sprechen eine andere Sprache.
Es stimmt: Die „Gebetsinitiative Kirchentreu“ hatte unmittelbar nach der Abberufung Ferdinand Kaineders dies als einen Erfolg gewertet. Doch nicht nur die Diözese Linz mit Bischof Dr. Ludwig Schwarz, auch die „Gebetsinitiative Kirchentreu“ weisen jeden Zusammenhang zurück. Josef Leibetseder, führender Kopf der „Gebetsinitiative“, stellt im Gespräch mit der KirchenZeitung klar: „Wir haben in unseren Verhandlungen nicht den Kopf Ferdinand Kaineders gefordert.“ Unmittelbar nach Herausgabe der Jugend-CD vor drei Jahren schon, sagt er, „aber in den letzten Jahren nicht mehr!“ Es sei in den Verhandlungen darum gegangen, dass ein Teil des Geldes für von der Gebetsinitiative vorgeschlagene Gruppen verwendet wird.
Die Vorgeschichte: Seit dem Jahr 2006 hatten Mitglieder der „Gebetsinitiative Kirchentreu“ die Einzahlung des Kirchenbeitrags an die Diözese verweigert. Als Grund wurde eine damals erstellte CD an Erstbeitragpflichtige genannt, die von der Gebetsinitiative als häretisch gewertet wurde. Die Mitglieder – Leibetseder spricht von bis zu 300 – hatten den Kirchenbeitrag stattdessen auf ein Treuhandkonto, das von Rechtsanwalt Mag. Gernot Steirer verwaltet wurde, eingezahlt. Schon unmittelbar nach der Bestellung von Dr. Gerhard Wagner zum Weihbischof von Linz wurde der Kirchenbeitragsboykott für beendet erklärt. Nach dem Amtsverzicht Wagners setzte die Gebetsinitiative den Boykott jedoch wieder fort.
Diözese klagte. Dass sich die Diözese Linz nicht erpressen ließ, geht aus der Tatsache hervor, dass mehrere Beitragsverweigerer wegen des offenen Kirchenbeitrags von der Diözesanfinanzkammer geklagt wurden. Als man sah, dass die Diözese mit ihren Forderungen ernst macht, kam es zu Verhandlungen. Seitens der Gebetsinitiative wurde von Josef Leibetseder und Dr. Karl Winkler, ehemaliger Bezirkshauptmann von Rohrbach, verhandelt. Am 11. Juli 2009 wurde der mit dem Bischof verhandelte „Kompromiss“ unterzeichnet. Als „Gegenleistung“ der Diözese wurde in der Vereinbarung festgehalten, dass „alle anhängigen Verfahren eingestellt“ werden. Von einer Abberufung Kaineders ist in der Vereinbarung keine Rede. „Wir haben das auch nicht gefordert“, versichert Josef Leibetseder.
Ferdinand Kaineders Abberufung. Die Abberufung Kaineders erfolgte offiziell am 13. Juli 2009. In der KirchenZeitung vom 22. Juli hatte Bischof Ludwig Schwarz seinen Schritt so begründet: Ausschlaggebend sei vor allem gewesen, „dass Kaineder aufgrund seiner exponierten Arbeit in der Öffentlichkeit oft Zielscheibe der Kritik war“. Mit einem Wechsel in der Leitung der Öffentlichkeitsarbeit erwartete Bischof Schwarz, dass nun auch von Seiten der Kritiker Kaineders konstruktiv der gemeinsame Weg beschritten wird. Dass er Kaineders Abberufung vorhabe, hatte Bischof Schwarz Kaineder schon am 22. Juni – einen Monat zuvor – mitgeteilt. Das war kurz nach der Sommertagung der Bischofskonferenz vom 17. und 18. Juni 2009 in Mariazell. Unmittelbar vorher war eine Delegation von österreichischen Bischöfen, unter ihnen Dr. Ludwig Schwarz, im Vatikan von Papst Benedikt XVI. persönlich empfangen worden. Bei den Gesprächen und Beratungen war die Beruhigung der Irritationen nach der Weihbischofsernennung von Dr. Wagner ein Hauptziel.
Keine Aufstellung über Beiträge. Rechtsanwalt Steirer hatte übrigens erst im Oktober 2009 – drei Monate nach der Einigung – die Mitglieder der Gebetsinitiative in einem Schreiben über die Vereinbarung informiert. Er verweigerte auch die Bekanntgabe einer Aufstellung, wer wie viel an Kirchenbeitrag auf das Treuhandkonto überwiesen hatte.