In Haiti beginnt die Caritas nun mit der Verteilung von regensicheren Familienzelten zum Schutz vor der Regenzeit. Caritas-Mitarbeiter Andreas Lexer berichtet aus Haiti.
Das Haus von Phénol Estiverne wurde vom Erdbeben am 12. Jänner in Haiti nicht zerstört. Der schmucklose Ziegelbau steht immer noch in einem kleinen Wäldchen auf einem Hügel im Stadtteil Martissant in der Hauptstadt Port-au-Prince. Doch durch sämtliche Mauern ziehen sich tiefe Risse. Im Haus zu wohnen ist gefährlich – bei einem neuerlichen Nachbeben könnte es einstürzen und die sechsköpfige Familie unter sich begraben. Phénol Estiverne und seine Frau haben vier Kinder, das jüngste ist elf Jahre alt.
Regenzeit. Etwa 1,2 Millionen Menschen in Haiti geht es wie Phénol Estiverne und seiner Familie. Sie alle brauchen eine Unterkunft für die Regenzeit, die spätestens im April beginnen soll. Aber bereits jetzt regnet es vereinzelt. Bisher sind viele Menschen in notdürftigen Behausungen aus Holzpflöcken, die mit Tüchern bespannt worden sind, untergebracht. Viele davon stehen in den Camps, die auf jeder freien Fläche in Port-au-Prince gewachsen sind. Verschiedene Hilfsorganisationen setzen vermehrt auf so genannte Shelter Kits – Plastikplanen und Schnüre, um die Behausungen gegen starken Regen zu schützen.
Zeltverteilung. Die Hilfsorganisationen helfen den Menschen aber auch mit Zelten. Diese können verschlossen werden, das Gerüst besteht aus stabilen Metallstangen. Damit stellen sie einen besseren Schutz gegen den Regen dar und sollen auch die Hurrican-Saison im Sommer überstehen. Die Caritas Österreich stellt 5000 regensichere Familienzelte zur Verfügung. Diese werden derzeit von Caritas-Mitarbeiter/innen, darunter die Bregenzerin Ilse Simma, in den am schwersten vom Erdbeben betroffenen Gebieten verteilt. Insgesamt gibt die Caritas mit Zelten oder anderen Notunterkünften 200.000 Opfern des Erdbebens ein Dach über dem Kopf. Auch die Familie von Phénol Estiverne hat ein solches Zelt erhalten. Da jetzt genug Schutz vor Regen vorhanden ist, sind auch die Nachbarn gekommen, um in dem Zelt unterzuschlüpfen. Insgesamt 17 Personen, darunter viele Kinder, verbringen ihre Nächte hier. (Siehe Kopf der Woche)