Nicht so einfach ist das mit den Vorbildern in der heutigen Zeit . . . wer denn überhaupt eins sein könnte, und für wen. Wenn Lebensfreude ansteckend wirkt; wenn das Beispiel der oder des anderen Mut macht für das eigene Leben; wenn spürbar ist, dass das Leben von Gott inspiriert und getragen ist . . .
Evangelium
Lk 9, 28b–36
Da nahm Jesus Petrus, Johannes und Jakobus beiseite und stieg mit ihnen auf einen Berg, um zu beten. Und während er betete, veränderte sich das Aussehen seines Gesichtes, und sein Gewand wurde leuchtend weiß. Und plötzlich redeten zwei Männer mit ihm. Es waren Mose und Elija; sie erschienen in strahlendem Licht und sprachen von seinem Ende, das sich in Jerusalem erfüllen sollte. Petrus und seine Begleiter aber waren eingeschlafen, wurden jedoch wach und sahen Jesus in strahlendem Licht und die zwei Männer, die bei ihm standen. Als die beiden sich von ihm trennen wollten, sagte Petrus zu Jesus: Meister, es ist gut, dass wir hier sind. Wir wollen drei Hütten bauen, eine für dich, eine für Mose und eine für Elija. Er wusste aber nicht, was er sagte. Während er noch redete, kam eine Wolke und warf ihren Schatten auf sie. Sie gerieten in die Wolke hinein und bekamen Angst. Da rief eine Stimme aus der Wolke: Das ist mein auserwählter Sohn, auf ihn sollt ihr hören. Als aber die Stimme erklang, war Jesus wieder allein. Die Jünger schwiegen jedoch über das, was sie gesehen hatten, und erzählten in jenen Tagen niemand davon.
1. Lesung
Gen 15, 5–12. 17–18
Er führte ihn hinaus und sprach: Sieh doch zum Himmel hinauf, und zähl die Sterne, wenn du sie zählen kannst. Und er sprach zu ihm: So zahlreich werden deine Nachkommen sein. Abram glaubte dem Herrn, und der Herr rechnete es ihm als Gerechtigkeit an. Er sprach zu ihm: Ich bin der Herr, der dich aus Ur in Chaldäa herausgeführt hat, um dir dieses Land zu eigen zu geben. Da sagte Abram: Herr, mein Herr, woran soll ich erkennen, dass ich es zu eigen bekomme? Der Herr antwortete ihm: Hol mir ein dreijähriges Rind, eine dreijährige Ziege, einen dreijährigen Widder, eine Turteltaube und eine Haustaube! Abram brachte ihm alle diese Tiere, zerteilte sie und legte je eine Hälfte der andern gegenüber; die Vögel aber zerteilte er nicht. Da stießen Raubvögel auf die Fleischstücke herab, doch Abram verscheuchte sie. Bei Sonnenuntergang fiel auf Abram ein tiefer Schlaf, große unheimliche Angst überfiel ihn. [. . .] Die Sonne war untergegangen, und es war dunkel geworden. Auf einmal waren ein rauchender Ofen und eine lodernde Fackel da; sie fuhren zwischen jenen Fleischstücken hindurch. An diesem Tag schloss der Herr mit Abram folgenden Bund: Deinen Nachkommen gebe ich dieses Land vom Grenzbach Ägyptens bis zum großen Strom, dem Eufrat.
2. Lesung
Phil 3, 17 – 4, 1
Ahmt auch ihr mich nach, Brüder, und achtet auf jene, die nach dem Vorbild leben, das ihr an uns habt. Denn viele – von denen ich oft zu euch gesprochen habe, doch jetzt unter Tränen spreche – leben als Feinde des Kreuzes Christi. Ihr Ende ist das Verderben, ihr Gott der Bauch; ihr Ruhm besteht in ihrer Schande; Irdisches haben sie im Sinn. Unsere Heimat aber ist im Himmel. Von dort her erwarten wir auch Jesus Christus, den Herrn, als Retter, der unseren armseligen Leib verwandeln wird in die Gestalt seines verherrlichten Leibes, in der Kraft, mit der er sich alles unterwerfen kann. Darum, meine geliebten Brüder, nach denen ich mich sehne, meine Freude und mein Ehrenkranz, steht fest in der Gemeinschaft mit dem Herrn, liebe Brüder.
Gott, fülle mich – die Schale
Gott, ohne Dich bin ich nur eine leere Schale, die nutzlos im Geschirrschrank Deines Hauses steht. Stell bitte mich auf einen Tisch in Deinem Saale, wo ab und zu jemand vorübergeht!
Dann fülle mich – die Schale – hör mein Bitten, leg Äpfel, Birnen, Pflaumen reif hinein, auch Nektarinen und Bananen, Feigen, Quitten, lass mich Gefäß für Früchte Deines Gartens Eden sein!
Gott, fülle mich – die Schale – an mit Rosen, die leuchtend rot, gelb, weiß Aug und Gemüt erfreuen, nimm blaue Lilien, Nelken und Mimosen, lass mich Behälter Deiner Blüten sein!
Gott, stell in mich – die Schale – sieben Kerzen. Wenn Du sie dann entzündest, fällt der Schein hinein in viele hundert Herzen. Gott, lass mich Auffangschale für die Tropfen Deiner Kerzen sein!
Liane Kandler
Wort zum Sonntag
Ausgenutzt worden, und dennoch weiterhelfen
Schispringer und Schifahrer, Fußballer und Radfahrer, Schauspieler und Sänger – sie alle werden uns als die großen Vorbilder präsentiert.Sie bekommen Medaillen umgehängt, Statuen verliehen und werden durch den Dschungel der Medien gereicht. So tauchen sie immer wieder in den Zeitungen und Fernsehsendungen auf. Ihre Bilder verfolgen uns. Vorbilder sind Menschen, die Werte verkörpern sollen. Weil wir aber in unserer pluralistischen Welt nicht mehr wissen, welche Werte heute gelten sollen, wird es auch mit den Vorbildern schwierig. Die Heiligenverehrung der heutigen Zeit zeigt sich in der Verleihung von Oscars und Bären. Eigenartig, dass das Gespielte, Utopische und Gekünstelte so große Auf-merksamkeit erregt und live übertragen wird. Die Stars mit ihrer fast übermenschlichen Ausstrahlung, Stärke und Unangreifbarkeit werden hochgejubelt, verehrt und vergöttert. Sie werden zu Halbgöttern stilisiert.
Wie gehen wir Christinnen und Christen mit Vorbildern um? Paulus gibt den Philippern ein Vorbild. Er selbst bezeichnet sich als solches. Dabei ist Paulus alles andere als ein großer Held. Er steht zu seiner Schwäche und zu seinen Fehlern und macht sich somit verletzlich und angreifbar. Er und viele Heilige der Kirche waren sich ihrer Schwäche bewusst. Von daher unterscheiden sie sich von den selbsternannten Halbgöttern der Glitzerwelt und Scheinwelt. Wir brauchen in unserer Zeit Vorbilder, die trotz Behinderung eine Lebensfreude ausstrahlen. Menschen, die ausgenutzt wurden und dennoch weiterhelfen. Menschen, die für das Gute stehen und dafür ausgelacht werden. Menschen, die ihren Bezugspunkt und Orientierungspunkt in Jesus haben. „Das ist mein auserwählter Sohn, auf ihn sollt ihr hören!“ (Lukas 9, 35)
Zum Weiterdenken
Welche Menschen haben dich in deiner Kindheit und Jugend geprägt? Wer sind die großen Vorbilder des 21. Jahr-hunderts?
Günther Kroiss, Pfarrmoderator im Pfarrverband Rechnitz und Jugendpfarrer für die Region Oberwart.