Das intensive geistliche Leben verbindet sie: die evangelische Christin Gabriele Huemer und den Katholiken Ferdinand Aichinger. In der Gebetswoche für die Einheit der Christen erzählen sie, was ihnen hilft, ihren Glauben lebendig zu halten: der Neukirchener Kalender und das Heftchen „Te Deum“.
Ausgabe: 2013/04, Neukirchner Kalender, Te Deum, Bibelstellen, Gabriele Huemer, Ferdinand Aichinger,
23.01.2013
- Josef Wallner
„Ich starte in den Tag mit Gottes Wort“, sagt Gabriele Huemer. Anders kann sie sich das nicht mehr vorstellen. Seit etwa 25 Jahren hält sie das so. Der Neukirchener Kalender, den sie in einem Bibelkreis kennengelernt hat, ist ihr dabei der treue Begleiter. In evangelischen Gemeinden ist er weit verbreitet, 250.000 Exemplare werden jährlich gedruckt. Huemer liest die für den Tag vorgesehene Bibelstelle und denkt darüber nach, was der Text für sie bedeutet. Nach einer Zeit der Stille geht sie die einfache Auslegung durch, die sich am Kalenderblatt findet, und die Geschichte, Meditation oder das Gebet auf der Rückseite. „Nachdem ich es nicht so leicht habe, wache ich oft traurig auf“, erzählt Huemer: „Da habe ich schon oft in der Früh ein tröstliches Wort gefunden, das mir Mut gemacht hat und mich spüren ließ, dass ich nicht allein bin.“ Sie nimmt ihren Neukirchener Kalender auch auf Reisen mit. Die tägliche Beschäftigung mit der Bibel ist ihr zu einer Gewohnheit geworden, die sie einfach braucht.
Die Bibel wird nie fad. Die Bibelstellen sind so eingeteilt, dass man innerhalb von acht Jahren einmal das gesamte Alte und Neue Testament durchliest. Dreimal ist sie schon ganz durch. „Das Wort der Bibel wird mir aber nie fad. Es ist immer wieder neu, weil man sich ja selbst ändert.“ Sie bringt die Bedeutung des Kalenders für sie auf den Punkt: „Er prägt mein Leben.“
Das „Stundengebet“ der Kirche. Auch Ferdinand Aichinger hat ein Büchlein, das sein Leben prägt: „Te Deum. Das Stundengebet im Alltag“. Das Gebet hat von Kindheit an einen hohen Stellenwert in seinem Leben. In der Jugendzeit begleitete ihn das Jugendbrevier der Burg Altpernstein, in der Familie ist ihm das gemeinsame Morgen- und Abendgebet mit seiner Frau sehr wichtig.
Psalmen als Lebensbegleiter. Als er vor einigen Jahren einmal recht niedergeschlagen war, ist er im „Gotteslob“ auf die Psalmen gestoßen. Sie haben ihn in seiner Situation besonders angesprochen. Ein Arbeitskollege machte ihn dann auf das „Te Deum“ aufmerksam. Monatlich kommt ein Heft, in dem sich – orientiert am Kirchenjahr – für jeden Tag Laudes, Vesper und Komplet sowie die Lesungen für die Eucharisteiefeier finden. Dazu Gebete und Meditationen in ansprechender Sprache. „Jetzt, da unsere drei Kinder erwachsen sind, finde ich Zeit zum Stundengebet.“
Kraft und Gelassenheit. Auch Ferdinand Aichinger beginnt wie Gabriele Huemer mit dem Gebet zeitig in der Früh – schon vor dem Frühstück. Nach den Laudes und der Betrachtung der Lesungen des Tages weckt er seine Frau auf. Schafft er das Morgenlob daheim nicht, geht er vor Arbeitsbeginn in die Kapelle des Pastoralamts. Die Vesper hat vor oder nach „Zeit im Bild 1“ ihren Platz. Am Wochenende betet er das Stundengebet gemeinsam mit seiner Frau. „Das regelmäßige Gebet gibt mir Kraft und Gelassenheit in der Familie und im Beruf“, erzählt Aichinger, der Verwalter des „Diözesanhauses“ in Linz ist. Bei den Bitten der Laudes denkt er an alle Menschen, die ihm an diesem Tag begegnen. Manche Texte, die ihn ansprechen, verwendet Aichinger auch in der Pfarre, wo er unter anderem als Leiter von Wort-Gottes-Feiern engagiert ist. Aber das ist ein „Abfallprodukt“, nicht der Sinn von „Te Deum“. Wenn er auf die fünf Jahre zurückschaut, in denen er „Te Deum“ abonniert hat und betet, sagt er: „Ich bin dankbar, dass mir das zugefallen ist.“