Bei ihrem Projektbesuch in Paraguay hat die Selbstbesteuerungsgruppe der Linzer Stadtpfarre ein besonderes Souvenier mitgebracht: eine Geige, angefertigt aus einer Blechdose. Das Insrument von der Müllhalde erklang letzten Sonntag beim Gottesdienst.
„Wer tags Mozart spielt, begeht nachts keinen Einbruch und nimmt keine Drogen.“ Davon ist Luis Szaran, Chefdirigent des paraguayischen Symphonieorchesters überzeugt und hat das Projekt „Weltenklänge“ ins Leben gerufen. Vor zehn Jahren begannen die ersten Jugendlichen zu musizieren. Sie wohnten auf der Müllhalde der Hauptstadt Asuncion, die Instrumente werden großteils aus Materialien gebaut, die sich in den Müllbergen finden. „Wir hätten es nicht geglaubt, wenn wir es nicht mit eigenen Augen gesehen hätten“, erzählt die Selbstbesteuerungsgruppe. Der etwa 40-jährige Nicolas, selbst ein Müllbewohner, ist wie ein Zauberer: Aus verbeultem Blech und den verbogenen Zinken einer Gabel wird eine Geige, aus zwei zusammengeschweißten Keksdosen entsteht eine Gitarre und für Bassgitarren benötigt er Ölfässer. „Die mit Begeisterung vorgetragene ‚Kleine Nachtmusik‘ von Mozart war eindeutig zu identifizieren“, erzählen die Selbstbesteuerer von dem Konzert, das für sie bei ihrem Besuch auf der Müllhalde gegeben wurde. Inzwischen sind schon 14.000 Jugendliche, verstreut über das ganze Land, in das Projekt „Weltenklänge“ einbezogen. Bei den Sonntagsgottesdiensten am 27. Jänner 2013 berichtete die Selbstbesteuerungsgruppe von ihren Eindrücken aus Paraguay und warb für weitere Unterstützung des Projekts, das auch von den österreichischen Jesuiten gefördert wird.