Linz. Freitag Nachmittag. Im Übungsraum des Linzer Domchores haben sich 15 Frauen und Männer versammelt. Sie proben für die „Gesungene Vesper im Mariendom“. Seit November 2012 gestaltet eine Kantor/innen-Gruppe an jedem Freitag Abend, 17 Uhr, im Linzer Mariendom eine gesungene Vesper. Dr. Christoph Niemand, Professor für Neues Testament in Linz, hat die Initiative ergriffen und leitet die Vesper. „Psalmensingen ist ein gemeinsames Loben Gottes – mit allen Sinnen und dem ganzen Leib“, meint Niemand. Es ist eine Form, die nicht nur den Priestern und Ordensleuten vorbehalten ist, sondern allen offensteht – und die für die Zukunft, in priesterarmen Zeiten, noch mehr Bedeutung haben wird. Im Dunkel des Domes verweilen Passanten, aber auch Leute, die eben für diese Vesper in den Dom gekommen sind. Es ist ein Kommen und Gehen. Manche haben in den Bänken Platz genommen, um die halbstündige Liturgie ganz mitzufeiern. Mit der Zeit werden es immer mehr. Wer möchte, kann vorne im Chorgestühl Platz nehmen, um mit der Kantor/innen-Gruppe mitzusingen. Für Christoph Niemand ist die Vesper eine nicht eucharistische Liturgieform, die auf gutes und lustvolles Singen setzt. Es erlaubt allen Menschen mitzutun, auch solchen, die sich als „Noch-nicht-“ oder „Nicht-mehr-“Christen verstehen. Wie jemand teilnimmt, bestimmt jede/r selber. Es ist ein öffentliches Beten. „Jeder, der will, soll sehen und hören, dass und wie Christ/innen Gott loben.“