Krankheiten oder Verletzungen lassen einen schnell den Boden unter den Füßen verlieren. Um während eines Krankenhausaufenthaltes im Gebet wieder Halt zu finden, wurde im AKH Linz ein interreligiöser Andachtsraum errichtet.
Der Andachtsraum ist 24 Stunden am Tag für Patienten, Angehörige und für das Krankenhauspersonal geöffnet. Beim Betreten der Andachtsstätte müssen die Schuhe ausgezogen werden, um eine körperliche Reinheit für das Gebet aufzuweisen. Im Andachtsraum befinden sich Gebetsteppiche und eine im Boden eingelassene Metallplatte mit eingravierten Himmelsrichtungen, die das Ausrichten nach Mekka oder Jerusalem erleichtert. Ansonsten ist der Andachtsraum leer. „Er wird durch die Menschen gefüllt“, sagt Mag. Gerhard Lehrner, katholischer Krankenhausseelsorger im AKH Linz. Religiöse Gegenstände für das Gebet, wie ein Buddhabild oder ein jüdisches Gebetsbuch, befinden sich im Nebenraum der Andachtsstätte, in mit Symbolen gekennzeichneten Kästchen.
Wunsch besteht schon lang
„Seit Jahren gibt es im AKH Bedarf für Gebetsräume diverser Glaubensrichtungen“, so Lehrner. Daraus erwuchs die Idee eines interreligiösen Andachtsraumes. Bei der Umsetzung ergaben sich Herausforderungen der Interreligiosität. Beispielsweise musste der Architekt seinen eher an christlichen Gebetsräumen orientierten Plan ändern und ihn durch einen möglichst neutralen Plan ersetzen. Der Ort wurde vor allem für Juden, Buddhisten und Muslime errichtet, aber auch Christen sind willkommen. Ihnen steht zudem, wie bisher, die Kapelle im Bau A zur Verfügung. Der neu eröffnete Andachtsort befindet sich im selben Haus.
Religiöse Diversität
Beim Zusammentreffen verschiedener Religionen besteht Konfliktpotenzial. Angefangen bei der Lautstärke der Gebete bis zum Nagel in der Wand gibt es unterschiedliche Meinungen. So auch beim ersten Gebet im Andachtsraum: Ein in der Wand eingelassener Haken eignete sich zunächst für muslimische Gläubige als Halterung des Gebetszeitenkalenders. Dafür musste eine Alternative gefunden werden, denn der Platz ist für ein Buddhabild vorgesehen. Egal ob Buddhisten, Muslime, Juden oder Christen, die Vertreter der Glaubensrichtungen sind sich einig: Wenn jeder den anderen mit Respekt behandelt, ist Interreligiosität eine Bereicherung und ein Zeichen des Friedens. „Der Andachtsraum ist ein enormer Fortschritt in Hinblick auf Religionskonflikte“, so Georg Wozasek, Präsident der israelitischen Kultusgemeinde Linz. Murat Bas¸er, Vorsitzender der islamischen Religionsgemeinde Linz, merkt an: „Das gemeinsame Beten leistet einen wichtigen Beitrag zur Heilung im Krankenhaus.“ Dass ein interreligöser Dialog und ein Miteinander der verschiedenen Religionen funktioniert, zeigte sich bei der Eröffnung des Andachtsraumes am 14. Februar 2013. Hier trafen verschiedene Religionen, Kulturen und Sprachen friedlich aufeinander. Es gab bei einem interkonfessionellen Buffet Gelegenheit zum interreligiösen Austausch.