Schlierbach gehörte mit Reichersberg zu den beiden oberösterreichischen Stiften, die in der NS-Zeit nicht aufgehoben wurden. Zu bestimmen hatten die Mönche dennoch nichts mehr. Eine Ausstellung zeigt das Schicksal Schlierbachs von 1938 bis 1945.
Die starke und visionäre Persönlichkeit von Abt Alois Wiesinger (1917 bis 1955) hatte das Stift zu einer Blüte geführt: Der Konvent war in seiner Amtszeit von 22 auf 71 Mitglieder im Jahr 1938 angewachsen – auf so viele Mönche wie noch nie. Diesem Aufschwung setzten die Nationalsozialisten ein jähes Ende. Das Gymnasium wurde im Sommer 1938 aufgelöst und im gesamten Stiftsgebäude breitete sich das Regime immer mehr aus, sodass schließlich den Mönchen nur noch ein einziger Trakt im 1. Stock verblieb. Anfangs richtete man im Stift ein Fürsorgeheim für rund 100 behinderte Menschen ein. Nachdem die allermeisten Patienten Opfer der Euthanasie geworden waren, musste das Stift über 400 „volksdeutsche“ Umsiedler aus Bessarabien aufnehmen.
Dann verlegte das NS-Regime seine Druckerei für Militärkarten nach Schlierbach, das außerhalb der bombenbedrohten Industriegebiete lag. Ein Sonderzug mit 36 Waggons verfrachtete im Herbst 1944 Papier und Maschinenpark ins Stift. Dass bei Kriegsende die Druckerei nicht gesprengt wurde und das Stift heil blieb, verdanken die Mönche der Befehlsverweigerung des Kommandanten.
Um den Kontakt unter der zerstreuten Ordensgemeinschaft aufrechtzuerhalten – ein großer Teil musste in den Krieg –, verfassten die im Stift verbliebenen Mönche Rundbriefe und sogar Heftchen mit Meditationen und Andachtsbildern für Weihnachten und Ostern. Diese geistliche Brücke war vielen Mönchen eine große Stütze.
- "NS-Zeit im Stift Schlierbach" ist täglich (bis 31. Oktober 2013) um 10.30 und 14.00 sowie jederzeit gegen Anmeldung im Rahmen einer Stiftsführung zu besichtigen.
Info und Buchung: Stift Schlierbach, Tel: 07582/830 13, www.stift-schlierbach.at