Es gibt sie: Gruppen und Menschen, die einen Blick für jene haben, die sich in der Gesellschaft nicht lautstark zu Wort melden und durchsetzen können. Einigen von ihnen wurden am 15. Mai der Solidaritätspreis der KirchenZeitung verliehen.
Ausgabe: 2013/21, Solidarität, Landhaus, Asyl, Plattform Altmünster, Politik, Markus Wurm, Musica Invita, Solidaritätspreis, Soli-Preis
Asyl ist ein Reizthema. Von den derben Stammtischparolen bis zu Demonstrationen und Drohungen reicht die Palette der Ablehnung von Asylwerbern. Aber es geht auch anders: Das zeigt die Plattform „Altmünster für Menschen“, die einen der neun Solidaritätspreise erhalten hat. Über Generationen und Parteigrenzen hinweg ist durch den gemeinsamen Einsatz für Flüchtlinge das Miteinander in der Gemeinde Altmünster gewachsen. „Was ist der Schlüssel, der Menschen beim Thema Asyl öffnet?“, wurde Soziallandesrat Josef Ackerl bei der „Solipreis-Feier“ gefragt. Denn sein Ressort ist für die Unterbringung der Asylwerber in Oberösterreich zuständig: „Ich schäme mich oft, wenn ich höre, was sich Leute zu sagen trauen.“ Ackerl ist aber überzeugt, dass in Wirklichkeit die Mehrheit positiv eingestellt ist, aber sich das erst dann zu sagen traut, wenn die Politik klar für Toleranz und Offenheit Stellung bezieht: „Die Politik darf nicht feig sein. Sie muss mit guten Beispiel vorangehen.“
Der solidarische Christus
Diözesanbischof Ludwig Schwarz erinnerte an die lateinische Wortwurzel von Solidarität. Der Begriff kommt von „solidarius“ und heißt „gefestigt“: „Man muss zusammenstehen, um ein Ziel erreichen zu können“. Solidarität ist im Christentum mehr als ein Fachausdruck der Soziallehre. Das Wort reicht in die Mitte des Glaubens. „Christus, der ganz mit uns Menschen solidarisch und ganz mit Gott verbunden ist, hat uns erlöst“, so der Bischof.
Die Stillen
Landeshauptmannstellvertreter Franz Hiesl sprach von seinem Einsatz gegen die Drogeriemarktkette Daily, ehemals Schlecker, die sonntags ihre Filialen aufsperren wollte. „Dank des solidarischen Auftretens vieler hat der Konzern seine Pläne zurückgezogen“, so Hiesl. Für Landeshauptmann Josef Pühringer ist der Solidaritätspreis alljährlich ein eindrucksvoller Beweis, wie viele engagierte Menschen es im Land gibt und wie weit das Feld des Engagements ist: „Die Menschen, die sich einsetzen, sind meist die Stillen im Land, die jeden Tag viel Gutes tun.“
Zur Sache
„Mir taugt es voll“
Wenn Menschen mit anderen auf Augenhöhe in Kontakt treten, dann nehmen sie ihrem Gegenüber Angst, schenken ihm Freude und machen ihm Mut, das Leben selbst in die Hand zu nehmen. Bei der Verleihung der Solidaritätspreise wurde das mehrfach deutlich.
In der Mitte stehen
Der sprachliche beeinträchtigte und auf einen Rollstuhl angewiesene Markus Wurm eröffnete die Feier mit einer Rede. Sie musste für die Gäste „gedolmetscht“ werden. Im Interview sagt er dann: „Es taugt mit voll“, dass er bei der Feier dabei sein konnte, vor allem aber, dass er regelmäßig den Unterricht in der BAKIP der Don Bosco Schulen Vöcklabruck mitgestalten kann.
Freude auf der Bühne
Ein Mitglied der Gruppe Musica Invita, die Jugendliche und beeinträchtige Menschen aus dem Innviertel vereint, formulierte es ganz ähnlich. Übersprudelnd vor Freude sagte er auf der Bühne zu den dreihundert Gästen: „Es ist so cool.“ Und eine junge, afrikanische Asylwerberin, die seit Dezember in Österreich lebt, meinte: „Ich liebe Altmünster.“
20. Solidaritätspreis: Fotos und Preisträger/innenDas lässt echt staunenEin bunter Strauss Solidarität