„Ehe funktioniert nicht von selbst, Ehe ist Aufbauarbeit - ein Leben lang“, sagt Alfons Vansteenwegen. Der Psychologe und Therapeut war Gast beim Ökumenischen Theologischen Tag im Linzer Priesterseminar.
„In einer Partnerschaft muss man sich gut fühlen". Das ist für viele junge Menschen das ausschließliche Kriterium für die Qualität ihrer Beziehung, diagnostiziert Vansteenwegen. Wenn man nichts mehr füreinander empfindet, geht man auseinander. Er betont: Das ist unbegründet. Er macht auf den Weg aufmerksam, den Paare im Laufe ihrer Partnerschaft zurückzulegen haben: von der Verliebtheit über das Zerbrechen der Verschmelzung, die die Zeit der Verliebtheit ausmacht, bis hin zum Zusammenleben trotz aller und in allen Unterschieden.
Die Verliebtheit geht
Das Glück der Verliebtheit schafft Spontanität, man sieht den anderen als Ideal. Diese in der Verliebtheit gewachsene Verschmelzung zerbricht aber im Alltag unweigerlich: Mit Kleinigkeiten wie dem unterschiedlichen Umgang mit der Zahnpastatube oder einer entgegengesetzten Auffassung von Pünktlichkeit beginnt es – und reicht bis zu den Stereotypen, die durch den Unterschied von Mann und Frau gegeben sind. So messen Frauen dem Gespräch mehr Bedeutung zu als Männer. Sind diese Differenzen Signale, dass man nicht zusammenpasst? Keineswegs meint Vansteenwegen. Was aber notwendig ist: An der Überbrückung der Unterschiede muss man arbeiten. „Die Ehe bleibt stets Aufbauarbeit."
Zeit geben
Der Therapeut plädiert für wirkliches Reden. Das Charakteristikum langdauernder Ehe besteht darin, dass sich die Partner auch ihre negativen Gefühle sagen. Das ermöglicht das Miterleben, wie es dem anderen wirklich geht. „Wenn man Gefühle, besonders die negativen, gemeinsam durchlebt, kommt wieder Bewegung in die Beziehung", so seine Erfahrung. Als Tipp , die Beziehung lebendig zu halten, nennt er Man muss Zeit füreinander finden und gemeinsam verbringen. „Zeit geben, heißt Liebe geben". Das Thermometer, das zeigt, wie man zueinander steht, ist die Zeit, die wir einander schenken.
Ökumenische Ehevorbereitung
Der 33. Ökumenische Theologische Tag am 23. Mai 2013 im Linzer Priesterseminar stand unter dem Thema „Ehe heute: Fragestellungen und Herausforderungen“. Anlass für diese Fragestellung war das 30-jährige Bestehen der Ökumenischen Ehevorbereitung in Oberösterreich. Damit man sich eine Vorstellung von der Anzahl der sogenannten „Mischehen“ machen kann: 2012 haben 2495 Paare in der römisch-katholischen Kirche Oberösterreichs kirchlich geheiratet, 295 davon waren Mischehen. Die Anzahl der evangelischen Trauungen (Augsburger Bekenntnis) betrug 2012 173: Davon waren 45 Paare evangelisch, 96 Paare evangelisch/katholisch und 32 Paare anders gemischt konfessionell.
Die Ehe in Zahlen
In Oberösterreich haben 2012 6830 Paare eine Ehe am Standesamt geschlossen. Rund 4500 davon waren für beide Partner die erste Ehe. Das Erstheiratsalter der Paare steigt stetig: Lag es 1975 bei 24,4 Jahren bei Männern (21,4 bei Frauen) heiraten heute Männer im Durchschnitt mit 32 Jahren und Frauen mit 29,5 Jahren.
Buchtipp: "Heute noch heiraten"