REZEPT_
Vor langer Zeit lebten die Menschen in einer kleinen Stadt in Italien namens Gubbio. Alles war friedlich – bis eines Tages ein großer, grauer Wolf aus den Wäldern kam.
Der Wolf war sehr hungrig und begann, Schafe und Ziegen der Bauern zu fressen. Manchmal griff er sogar Menschen an. Die Leute hatten große Angst und trauten sich nicht mehr vor die Stadtmauern.
In dieser Zeit lebte in Gubbio Franz von Assisi – ein Mann, der sehr freundlich war und alle Tiere liebte. Als er von dem Wolf hörte, beschloss er:
„Ich werde mit ihm reden.“
Die Menschen waren entsetzt: „Franz, der Wolf wird dich fressen!“ Doch Franz ging allein hinaus – nur mit seinem Glauben und seiner Ruhe. Als der Wolf auf ihn zulief, machte Franz ein Kreuzzeichen und sprach sanft: „Komm her, Bruder Wolf, ich tue dir nichts.“
Zu aller Überraschung blieb der Wolf stehen. Er knurrte nicht einmal mehr. Franziskus sprach weiter: „Du bist hungrig und hast deshalb Böses getan. Aber wenn du den Menschen versprichst, niemandem mehr weh zu tun, werden sie dich füttern.“
Der Wolf legte seine große Pfote in die Hand von Franz – als Zeichen, dass er den Frieden annimmt. Von da an lebte der Wolf in Gubbio. Die Menschen gaben ihm zu essen, und er beschützte die Stadt wie ein treuer Hund. Als er viele Jahre später starb, trauerten alle um ihren ungewöhnlichen Freund.
Und so lehrte der Wolf von Gubbio die Menschen, dass man selbst mit den Wildesten Frieden schließen kann – wenn man mit Mut, Freundlichkeit und Verständnis aufeinander zugeht.
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