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Interreligiöse Spiritualität: „Unsere Hoffnung kann angereichert werden“

KIRCHE_OÖ

Am 19. März referierte der Religionswissenschaftler Martin Rötting am St. Barbara Friedhof Linz über „Auferstehung? Erlösungsvorstellungen in den Religionen und spirituellen Weltbildern“.
 

Ausgabe: 13/2024
26.03.2024
- Andrea Mayer-Edoloeyi
Durch achtsame  interreligiöse  Begegnungen   gewinnt der Umgang mit dem Tod und die Wertschätzung des  Lebens an Tiefe.
Durch achtsame interreligiöse Begegnungen gewinnt der Umgang mit dem Tod und die Wertschätzung des Lebens an Tiefe.
© aicandy Adobe Stock

Was glauben Menschen, was nach dem Tod passiert?

 

„Die Wiege der Religion war das Grab“, sagt Religionswissenschaftler Martin Rötting. Schon vor dem Homo sapiens, beim Homo naledi im heutigen Südafrika, seien erste Bestattungsrituale nachweisbar, die darauf hindeuten, dass es eine Hoffnung auf ein „Danach“ gab.

 

Bei Trauer- und Sterbeprozessen falle das Abschiednehmen und das Nähren der Hoffnung auf das, was kommt, in eins. Alle Religionen wollen Menschen begleiten, Halt und Sinn geben. „Dafür ist die Frage nach einem Leben nach dem Tod besonders wichtig“, weiß der Experte.

 

Auferstehung und Wiedergeburt

 

Die christliche Auferstehungshoffnung entwickelte sich aus dem Judentum. Da sei das ein längerer Prozess gewesen. Klar sei, dass bei Jüdinnen und Juden Hoffnung immer auch Hoffnung für das Volk sei. Die Gebetspassage „Wir sehen uns nächstes Jahr in Jerusalem“ verweist darauf. Die abrahamitischen Religionen Judentum, Christentum, Islam und Bahai vereine, dass sie traditionell die Erdbestattung pflegen und an ein Paradies und einen richtenden Gott glauben.

 

Davon seien Hinduismus und Buddhismus zu unterscheiden, deren Hoffnungsvision die Wiedergeburt ist.

 

Für Hindus sei das Ziel das Brahman-Nirwana, das Einswerden mit dem Ewigen und Absoluten. Das persönliche Karma, das sich aus positiven und negativen Handlungen zusammensetzt, sei entscheidend, in welcher Gestalt ein Hindu wiedergeboren wird.

 

Der Buddhismus begreife den Tod als Übergang. Im Mahayana-Buddhismus sei es Ziel, in weiteren Leben anderen zu helfen. Die Achtung vor jedem Lebewesen fände in der Hoffnung, dass man für andere wirken kann, ihren Ausdruck.

 

Hier fänden sich Parallelen zur Naturspiritualität und zum (Neo-)Schamanismus. Will man mit der Natur auf Augenhöhe sein, geht es immer auch um die Hoffnung für die gesamte Schöpfung.

 

Bereichernde Spiritualitäten

 

Im Zuge seiner Forschungen sprach Martin Rötting mit etwa 400 Menschen über das, was ihrem Leben Sinn gibt. Aus dieser Erfahrung kommt er zum Schluss, dass sich  Spiritualitäten unterschiedlicher Richtungen bereichern würden.

 

Er sagt: „Unsere Hoffnung kann angereichert werden. Wir lernen voneinander. Die Puzzles der Spiritualitäten können zueinander passen, auch wenn die Menschen etwas anderes glauben.“  

 

Der Religionswissenschaftler berichtete von einem Gespräch mit einem Gärtner in New York, einem koreanischen Buddhisten, dessen Vater, ein Christ, an einem Herzinfarkt verstorben war. Er habe einen Altar mit wichtigen Gegenständen und Fotos  aufgebaut und jeden Tag eine halbe Stunde meditiert. Er versuchte so  seinen und den Glauben des Vaters zu verbinden, sodass das, was er selbst glaube, dem verstorbenen Vater auf dem Weg hilfreich sein möge. 

Martin Rötting ist Professor für Religious Studies an der Universität Salzburg und lehrt und forscht zu Formen der Gegenwartsspiritualität und zum interreligiösen Dialog.
Martin Rötting ist Professor für Religious Studies an der Universität Salzburg und lehrt und forscht zu Formen der Gegenwartsspiritualität und zum interreligiösen Dialog.
© Clemens Frauscher
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