Reinhard Macht ist ehrenamtlicher Diakon im SR Jenbach-Münster-Wiesing und Gemeindeberater in der Diözese Innsbruck.

Als der Tag des Pfingstfestes gekommen war, waren alle zusammen am selben Ort. Da kam plötzlich vom Himmel her ein Brausen, wie wenn ein heftiger Sturm daherfährt, und erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen. Und es erschienen ihnen Zungen wie von Feuer, die sich verteilten; auf jeden von ihnen ließ sich eine nieder.
Und alle wurden vom Heiligen Geist erfüllt und begannen, in anderen Sprachen zu reden, wie es der Geist ihnen eingab. In Jerusalem aber wohnten Juden, fromme Männer aus allen Völkern unter dem Himmel. Als sich das Getöse erhob, strömte die Menge zusammen und war ganz bestürzt; denn jeder hörte sie in seiner Sprache reden.
Sie waren fassungslos vor Staunen und sagten: Seht! Sind das nicht alles Galiläer, die hier reden? Wieso kann sie jeder von uns in seiner Muttersprache hören: Parther, Meder und Elamíter, Bewohner von Mesopotámien, Judäa und Kappadókien, von Pontus und der Provinz Asien, von Phrýgien und Pamphýlien, von Ägypten und dem Gebiet Líbyens nach Kyréne hin, auch die Römer, die sich hier aufhalten, Juden und Proselýten, Kreter und Áraber – wir hören sie in unseren Sprachen Gottes große Taten verkünden.
Schwestern und Brüder! Keiner kann sagen: Jesus ist der Herr!, wenn er nicht aus dem Heiligen Geist redet. Es gibt verschiedene Gnadengaben, aber nur den einen Geist. Es gibt verschiedene Dienste, aber nur den einen Herrn.
Es gibt verschiedene Kräfte, die wirken, aber nur den einen Gott: Er bewirkt alles in allen. Jedem aber wird die Offenbarung des Geistes geschenkt, damit sie anderen nützt. Denn wie der Leib einer ist, doch viele Glieder hat, alle Glieder des Leibes aber, obgleich es viele sind, einen einzigen Leib bilden: So ist es auch mit Christus. Durch den einen Geist wurden wir in der Taufe alle in einen einzigen Leib aufgenommen, Juden und Griechen, Sklaven und Freie; und alle wurden wir mit dem einen Geist getränkt.
Am Abend des ersten Tages der Woche, als die Jünger aus Furcht vor den Juden bei verschlossenen Türen beisammen waren, kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte zu ihnen: Friede sei mit euch! Nach diesen Worten zeigte er ihnen seine Hände und seine Seite.
Da freuten sich die Jünger, als sie den Herrn sahen. Jesus sagte noch einmal zu ihnen: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. Nachdem er das gesagt hatte, hauchte er sie an und sagte zu ihnen: Empfangt den Heiligen Geist! Denen ihr die Sünden erlasst, denen sind sie erlassen; denen ihr sie behaltet, sind sie behalten.
Preise den Herrn, meine Seele!
Herr, mein Gott, überaus groß bist du!
Du bist mit Hoheit und Pracht bekleidet.
Du hüllst dich in Licht wie in einen Mantel,
du spannst den Himmel aus gleich einem Zelt.
Wie zahlreich sind deine Werke, Herr,
sie alle hast du mit Weisheit gemacht,
die Erde ist voll von deinen Geschöpfen.
Da ist das Meer, so groß und weit,
darin ein Gewimmel, nicht zu zählen:
kleine und große Tiere.
Verbirgst du dein Angesicht, sind sie verstört,
nimmst du ihnen den Atem, so schwinden sie hin
und kehren zurück zum Staub.
Du sendest deinen Geist aus: Sie werden erschaffen
und du erneuerst das Angesicht der Erde.
Die Herrlichkeit des Herrn währe ewig,
der Herr freue sich seiner Werke.
Möge ihm mein Dichten gefallen.
Ich will mich freuen am Herrn.
50 Tage nach dem Paschafest wird in Jerusalem das jüdische Wochenfest begangen. Man freut sich über die erste Ernte und erinnert sich an die Geschehnisse am Berg Sinai, wo Moses die Zehn Gebote von Gott überliefert bekommen hat. Das Wochenfest war ein Pilgerfest, an dem man den Tempel besuchte. Darum hören und lesen wir von einer großen Anzahl von Juden mit unterschiedlichen Muttersprachen, die sich in Jerusalem befinden.
Die Pfingsterzählung ist das Gegenteil zur babylonischen Turmbaugeschichte, bei der der menschliche Stolz und der Versuch des Menschen, sich selbst zu Gott zu machen, die Menschen entzweit, mit der Folge, die anderen nicht mehr verstehen zu können. Wir lesen in der Apostelgeschichte, dass der Heilige Geist bei diesem Fest wie ein Sturm durch die Gemäuer und Herzen der Jesusjünger:innen wirbelt und das pfingstliche Sprachenwunder bewirkt. Der Geist wirkt durch konkrete Menschen, die an Jesus und seine Botschaft glauben. Die Apostel, und möglicherweise haben auch die Frauen, die zur Jünger-Gemeinschaft gehörten, das Wort ergriffen, beginnen zu reden.
Und sie werden von allen in der je eigenen Muttersprache verstanden. Die Sprach- und Kulturunterschiede sind überwunden, alle werden erreicht mit der befreienden Botschaft der Liebe. Zudem wird die Einmaligkeit und Unterschiedlichkeit eines jeden Menschen, mit einer je ganz eigenen, persönlichen Berufung gewürdigt. Der Geist zu Pfingsten will die Menschen mit der Botschaft durchdringen, das Leben neu zu gestalten, neue Akzente zu setzen.

Reinhard Macht ist ehrenamtlicher Diakon im SR Jenbach-Münster-Wiesing und Gemeindeberater in der Diözese Innsbruck.