Schon bei den Kindern beobachten wir Revierkämpfe und Auseinandersetzungen. Sie müssen lernen, sich selbst zu behaupten. Es ist auch nicht immer einfach zu akzeptieren, dass auch andere Recht haben und es Kompromisse geben kann und muss. Jeder Mensch muß das Lösen von Konflikten, das faire Streiten lernen, damit es nicht zur gegenseitigen Zerstörung und zum Aufbau von Feindbildern kommt. Gerade in der Familie wünschen wir uns Frieden und Harmonie. Das sind menschliche Grundbedürfnisse. Sie zu erfüllen ist nicht leicht. Es darf nicht auf Kosten einiger Familienmitglieder gehen. Versöhnung heißt nicht: immer nachgeben. Manche Dinge gehören offen ausgesprochen, auch wenn es dabei zu Kontroversen kommen kann. Schlucken und Schweigen können in bestimmten Augenblicken vielleicht einen Streit verhindern. Die Probleme schwelen aber weiter. Besser ist es, einen günstigen Augenblick abzuwarten und dann offen die Streitursachen „anzufassen“. Dazu gehört Mut. Harmonie fällt uns nicht in den Schoß, sondern ist das Ergebnis unserer Bemühungen. Ein Streit kann durchaus wie ein reinigendes Gewitter sein. Wichtig ist der Respekt voreinander, den man lernen und üben muss, damit die zerstörerischen Gefühle nicht die Oberhand bekommen. Das bedeutet konkret, dass nicht jeder beim gegenseitigen Beschuldigen stehen bleibt, sondern die Anliegen aussprechen lernt. Dann wird es erst möglich, zu Lösungen zu kommen.