Soziales Engagement hört oft dort auf, wo auf schöne Worte Taten folgen sollten. Marianne Schmidleitner ist in mehreren Organisationen „Motor“ dafür, dass auch etwas weitergeht. Sie hat den Solidaritätspreis der Kirchenzeitung erhalten.
„Ich hab mich schon gefreut“, meint Marianne Schmidleitner über ihren Solidaritätspreis, „ich hab aber schlecht umgehen können damit.“ Im Rampenlicht zu stehen ist nicht ganz ihre Sache. Für sie ist soziales Engagementeine Selbstverständlichkeit.
Seit der Kindheit engagiert
Ihre Erklärung dafür: Als ihr Vater starb, war das jüngste ihrer vier Geschwister gerade drei Jahre alt. Marianne war die Älteste und hat deshalb früh gelernt, Verantwortung zu übernehmen. Sie hat ihrer Mutter im Geschäft geholfen und dafür eine kaufmännische Lehre absolviert. Mit 20 Jahren verwirklichte sie dann ihren Berufswunsch: Krankenschwester. Dass sie dann Pfarrhaushälterin wurde, hat sich „so ergeben“. Seit 1975 ist Marianne Schmidleitner als solche in Pregarten tätig, wobei sie selbst sagt, dass „das Image einer Pfarrhaushälterin für mich nicht so passend“ ist. Sie hat sich von Anfang an in der Pfarre engagiert. Dadurch habe sie es auch nicht leicht gehabt.
Idee vom offenen Haus
Ihr Anliegen ist, dass der Pfarrhof ein offenes Haus sein soll. Für Marianne Schmidleitner gehört das zum Christentum dazu.Seit 1977 ist sie beim Sozialarbeitskreis der Pfarre aktiv, nicht zuletzt im Leitungsteam. Es war allerdings der Sozialausschuss der politischen Gemeinde Pregarten, der Frau Schmidleitner für den Solidaritätspreis eingereicht hat. Sie leitet seit Beginn (vor sieben Jahren) den Arbeitskreis Soziales innerhalb des Arbeitskreises Ortsentwicklung. „Mein Anliegen ist es, Leute, die sich in ähnlichen Bereichen engagieren, zusammenzubringen“, so Marianne Schmidleitner. Vorreiter waren die Aktiven etwa in der Altenhilfe.Die jüngste Idee der engagierten Frau: Ein Sozialstammtisch, bei dem sich vom Roten Kreuz über Famlienrunde bis zu Ärzten alle im sozialen Bereich tätigen Organisationen treffen. „Wir können so Überschneidungen verhindern und schauen, wo’s Lücken gibt.“
Ressourcen nutzen
Ein Beispiel für das Organisationstalent von Marianne Schmidleitner ist die Verquickung der sozialen Arbeit von Pfarre und politischer Gemeinde. Es werden so die finanziellen Ressourcen der Gemeinde und die personellen Ressourcen der Pfarre „angezapft“. Ein Ergebnis war die Gründung des „Vereins für Alten-, Kranken- und Nachbarschaftshilfe“ im Jahr 1993. Zur Gründung wurden alle eingeladen, „die sich für diesen Bereich zuständig fühlen müssten, bis zum Bürgermeister“.
Im Rampenlicht stehen
Der Verein ist in vier Gemeinden tätig, die Obfrau heißt Marianne Schmidleitner. Als solche wurde sie etwa zur Grundsteinlegung des Generationenhauses in Pregarten eingeladen. Junge Familien und alte Menschen sollten unter einem Dach leben. Zur Feier musste sie sich das passende Gewand ausborgen. „Inzwischen hab’ ich das gelernt, dass sich Funktionäre verkaufen müssen. Jetzt stell’ ich mich hin und denk’ mir, ich mach’ das ja nicht für mich“, erklärt Frau Schmidleitner. Besonderen Wert legt Marianne Schmidleitner darauf, im Team zu arbeiten. „Wir waren eine der ersten Pfarren der Diözese, die in der Frauenbewegung ein Leitungsteam gegründet hat“, erzählt sie.
Ein Motor muss da sein
„Ein Motor muss vielleicht da sein, der das ankurbelt,“ meint Frau Schmidleitner, „aber man muss Verbündete suchen, sonst geht man unter.“ Jede/r soll gleichwertig sein und das machen, was er oder sie kann. Marianne Schmidleitner will auch junge Leute für soziale Anliegen gewinnen. Seit einigen Jahren führt sie Projekte mit dem Polytechnischen Lehrgang durch, die junge und alte Menschen zusammenbringen. Sie selbst hat Menschen gepflegt und beim Sterben begleitet. Marianne Schmidleitner sieht dabei auch ihre Grenzen. „Alles ist nicht machbar mit dem Willen allein“, sagt sie und meint damit, dass man den Punkt erkennen soll, an dem andere etwas besser machen können.„Ich glaube nicht, dass das großartige Leistungen sind“, meint sie, „Ich bin halt überall dabei, wo’s Arbeit gibt.“ Und schließlich ist man bei so einer Arbeit „Gebende und Beschenkte zugleich“. Dazu zählte auch die Betreuung von bosnischen Flüchtlingen. 50 Menschen kamen nach Pregarten, zwei waren im Pfarrhof untergebracht.Besonders stolz ist Marianne Schmidleitner auf die Gründung der Frauenplattform in Pregarten. Frauen aus verschiedenen weltanschaulichen Richtungen organisieren gemeinsam Veranstaltungen: „Gerade bei den Frauen ist es wichtig, zu sehen, dass wir nur gemeinsam stark sind.“
Neue Generation
Die Friedensinitiative Pregarten, bei der Marianne Schmidleitner seit der Gründung aktiv ist, wird das erste sein, wo sie sich ausklinken möchte. „Es wäre überheblich zu sagen, es geht nicht ohne mich“, meint sie. Im Sommer will sie in Pension gehen und die meisten Funktionen zurücklegen: „Ich bin jetzt 55 und muss lernen, mich wieder herauszuschälen. Eine neue Generation wird neue Ideen haben. Es muss auch etwas sterben können, damit etwas Neues entsteht.“