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Menschliche Nähe als Medikament

„Ich kann jetzt wieder leben“, sagte ein Alzheimer-Patient in Bad Ischl.
Ausgabe: 1999/52, Bad Ischl, Alzheimer, Zehetner, Medikamente, Krankenhaus,
28.12.1999
- Ernst Gansinger
„Das beste Medikament ist die menschliche Nähe“, zitiert Felicitas Zehetner vom Verein „MAS“, Morbus Alzheimer-Syndrom, einen Arzt. Und beschreibt damit, was das erste Ziel des Vereins ist.

Alzheimer – für viele ist es bloß ein Stichwort für Witze über die Vergesslichkeit. Menschen, die davon betroffen sind, ist aber nicht nach Witzen zumute. In Bad Ischl hat sich vor zwei Jahren einen Verein „Morbus Alzheimer Selbsthilfe“ gegründet, der sich kräftig engagiert, damit das Lachen/Lächeln zum Alltag gehört.Felicitas Zehetners Mann, ein Arzt, erkrankte an der heimtückischen Alzheimer-Krankheit. Er erkannte, was auf ihn und seine Frau, die ihn pflegte, zukam und wünschte, dass seine Frau einmal für andere sorgt. Nach dem Tod ihres Mannes gründete sie eben den Verein „MAS“.

Wie ein Kind werden


Der Alzheimer-Patient braucht eine lückenlose Betreuung, er wird wieder wie ein Kind. Je früher die Krankheit erkannt wird, desto besser sind die Chancen, dass der Patient bis zum Tod mobil bleibt. Für pflegende Angehörige ist die Krankheit eine enorme Belastung. Der Patient lebt stark im Gefühl; lebt wie in einem Traum, in dem er bleibt; er vertauscht oder entstellt, was war. Wie sollen die Menschen ihn verstehen, wenn sie nicht wissen, in welcher Welt er ist? Diese Krankheitssymptome – darauf weist Frau Zehetner mit Nachdruck hin, führen dazu, dass eine außenstehende Betreuungsperson oft eine leichtere Rolle in der Betreuung hat: Unbelastet von einer etwaigen gemeinsamen Geschichte, die jetzt vom Patienten scheinbar zusammenhanglos oder tatsachenverdreht dargestellt wird, kann sie sich ihm widmen. Der korrigierende Einwurf: „Das war doch ganz anders“ von informierten betreuenden Personen kann Wände zwischen dem Patienten und diesen, meist ist es die Frau oder Tochter, aufstellen. Außenstehende Betreuer/innen können die Darstellung viel eher annehmen, sind nicht verführt zur Korrektur.

Reizvolle Abwechslung


Die Selbsthilfegruppe startete ein Pilotprojekt, eine Tagesheimstätte. In ganz Österreich gibt es deren nur zwei, eine in Wien und eben die in Bad Ischl. In der Tagesheimstätte werden die Patienten betreut; eine umfangreiche Therapiepalette (Bewegungs-,- Musik-, Logo-, Maltherapie. . .) wird angeboten. Abwechslung setzt Reize, die das Gehirn trainieren. Die betreuenden Angehörigen werden dadurch entlastet, die Gefahr „auszubrennen“ wird damit kleiner. Und die Patienten werden bestmöglich gefördert.

Früherkennung ist wichtig


Früherkennung ist wichtig, betonen Felicitas Zehetner und Edith Span, die bald nach Gründung im Verein ihre Mitarbeit begann. Es gibt in jüngster Zeit gute Fortschritte bei den Medikamenten. In Memory Kliniken kann man sich testen lassen, MAS rät dazu, wenn Anzeichen auftreten. Damit ist nicht das normale Vergessen gemeint, sondern wenn sich die Persönlichkeit ändert, wenn Mängel in der logischen Verbindung auftreten. Ein Beispiel: Jemand macht sich auf den seit Jahren gewohnten Weg zu seinem Trafikanten und weiß unterwegs für einen kurzen Augenblick nicht mehr, wo die Trafik ist . . . Entschluss-Unfreudigkeit – „geh’, entscheid’ du“ – kann bei bisher selbstverständlich entschieden habenden Menschen auch ein Anzeichen sein.

Neues Angebot: Urlaub!


Die Tagesheimstätte Bad Ischl führt nach einem Hin und Her, wie/ob die öffentliche Hand den Fortbestand durch Subventionierung sichern wird, nun pro mente. Der Selbsthilfeverein „MAS“ hat sich mit Herbst ’99 einer neuen Aufgabe zugewandt: Er bietet für Alzheimer-Patienten und ihre betreuenden Angehörigen Erholungswochen in Bad Ischl an. Programm und Termin siehe oben.

Morbus Alzheimer ist eine starke Belastung für die betroffenen Patienten und ihre Angehörigen. Vieles, was der Patient tut, könnte als Sekkiererei missdeutet werden, wenn man um das Krankheitsbild nicht weiss. Man kann aber etwas tun; das Fortschreiten des Verfalls der Gehirnzellen kann eingebremst werden. Je früher die Krankheit erkannt wird, desto besser sind die Aussichten dafür. Und vorbeugend ist das Gehirn zu trainieren. Geistig in Bewegung bleiben, rät Felicitas Zehetner. Der Verein MAS erhielt erst unlängst für seine Arbeit den mit S 100.00,– dotierten Preis des ORF-Seniorenclubs.


Ein Erholungsangebot

Für Alzheimer-Patienten


Der Verein „MAS“ in 4820 Bad Ischl, Wiesingerstraße 4, Tel. und Fax: 06132/21410,

E-Mail: masinfo@xpoint.at;

E-Mail: zehetner@xpoint.at;

E-Mail: vereinmas@xpoint.at.

Internet: http://www.mas.or.at, bietet vom5. bis 19. März einen 10- bzw. 14-Tage-Turnus bei Vollpension in einem Ischler Hotel an. Preis pro Woche und Person: S 7.880,–Leistungen: Physio-, Ergo-, Logo-, Musik, Gestaltungs-, Maltherapie, Gedächtnistraining, Psychotherapeut, auch für Angehörige, Tag- und Nachtbetreuung durch Diplomkrankenschwestern . . . Im Rahmenprogramm: Solehallenbad, Wohlfühlmassagen, Dampfbad, Seniorentanz, Leseabend, Ausflüge, Spaziergänge, Bridge-, Tarock- und Schachabende, Vorträge und Gespräche . . .
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