Mostar an Fluss Neretva, Hauptstadt der Herzegowina und ab 1993 Schauplatz schwerer Strassenkämpfe zwischen Moslems und Kroaten, ringt um einen Weg für die Zukunft.
Don Kresimir Puljic war bis vor kurzem Caritasdirektor der Diözese Mostar. Nun wurde er mit der Leitung der 14.000-Seelen-Innenstadtpfarre beauftragt. Bald soll hier, im Zentrum Mostars, eine große Kirche entstehen. Noch ist die Kirche in einem umgebauten Waffenlager der früheren jugoslawischen Volksarmee untergebracht. Jahrelang hat Don Kreso, wie ihn die kroatische Bevölkerung ruft, die Not der Menschen in der Funktion des Caritas-Direktors zu lindern versucht. In Kontakt mit der Mostarer Partnerdiözese Linz/ OÖ, mit der Diözese Freiburg in Deutschland und mit einigen italienischen Bistümern hat Don Kreso Nahrungsmittellieferungen, Baumaterial, Familienpatenschaften, … organisiert. Nun kennt er die Not der Leute aus der alltäglichen Perspektive eines Pfarrers. Zu den alten Menschen, die den Krieg hier verbracht haben und zu den Jungen, für die es neben der Schule nichts gibt, kommen hunderte Flüchtlinge. Vor allem die Situation der Jugendlichen bedrückt ihn. Don Kreso: „Alkohol und Drogen spielen leider eine eminente Rolle. Die Jugendlichen sehen wenig Sinn und glauben nicht an die Zukunft.“ Nun will der Pfarrer der Tristesse Abhilfe schaffen und plant als ersten Schritt den Bau eines Fußballplatzes.
In der Stadt an der Neretva will der Friede nicht recht greifen. Mostar ist nicht nur durch den Fluss, der die Stadt durchquert und über den sich die namensgebende alte Brücke aus dem Jahr 1566 bis zu ihrer Zerstörung vor wenigen Jahren spannte, geteilt. Die andere Trennung der Stadt geht tiefer: Moslems leben im Ostteil, Kroaten im Westen. Vor allem die kroatische, katholische Bevölkerung hat Angst vor einem möglichen Diktat durch die moslemischen Bosniaken. Viele menschlichen Brücken sind abgebrochen.
Hochsaison für Caritashilfe
An allen Ecken und Ende ist die Hilfe der Caritas gefragt. Noch immer leben etwa Tausende bosnisch-kroatische Flüchtlinge in Mostar und Umgebung, die nicht in ihre mittelbosnische Heimat zurückkönnen oder -wollen. Das Elend dieser Flüchtlinge ist unvorstellbar. So dient seit sechs Jahren ein Zug bei Capljina als Quartier. Nun wurden die Waggons geräumt, mangels Perspektive weigern sich aber rund 50 Personen auszuziehen. Der Weg ins nächste Lager fällt schwer. Denn dort, in einer ehemaligen Psychiatrischen Klinik, leben total erschöpfte Menschen am untersten hygienischen Limit. Nur die Caritas und die Pfarre kümmert sich so gut es geht um diese Menschen.
Frauen in Not sind ebenso auf Caritas-Hilfe angewiesen wie behinderte junge Menschen. Für Benachteiligte dieser Gruppen wurde erst kürzlich ein neues Betreuungszentrum eingerichtet, finanziert übrigens durch Spenden aus Österreich.