BRIEF_KASTEN
Jesus kommt an den Jordan. Er steht in der langen Reihe der Sünder. Er fühlt mit den Sündern. Er fühlt sich wie ein Sünder. Er steigt hinein in den Schlamm der Schuld. Er fällt in voller Länge in den Dreck. Er taucht ein in die dunklen Wasser der Angst, des Entsetzens, der Aussichtslosigkeit: „Du wirst dem Zorn nicht entkommen! Du wirst in nie verlöschendem Feuer verbrennen! Die Axt ist an deine Wurzeln gelegt! Zeig mir die Früchte der Umkehr, sonst haue ich dich um!“ Fürchterlich donnert die Stimme aus dem Mund der Propheten. Da – es geschieht: den Himmel sieht er gespalten! Weißes Licht – zitternd, wie das Aufflattern einer Taube – auf ihm! Süßes Licht – warme Stimme mitten durch den Leib: „Du bist mein Sohn. Ich hab dich lieb. Leben sollst du!“Jesus steht auf. Er lässt sich nichts mehr vormachen. Er weiß jetzt, wer er ist. Er geht und verkündet seinen Gott als Vater und als Mutter. Er lebt sein Leben.Auch du brauchst dir nichts mehr vorzumachen: Ende mit der Selbstverdammnis! Steh auf! Geh hindurch! Du weißt jetzt, wer du bist: Sohn, Tochter! Leben sollst du! Süßes Licht, warme Stimme vom Himmel . . .
Auch du wirst fassungslos sein. Gott bestraft und belohnt nicht. Dort, wo es donnert, spricht der Mensch, aber kein Gott. Auch du wirst das erfahren, gleichgültig, ob als Kind oder als Erwachsener, ob heute oder morgen. Spätestens aber in der Stunde des Übergangs, wenn das weiß-zitternde süße Licht auf dir liegen bleibt.
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