Von den beiden Lesungen aus dem Buch Jesaja, die heute zur Auswahl stehen, besingt die erste im 42. Kapitel des Prophetenbuches den berühmten Knecht Gottes. Der Text konzentriert sich ganz darauf, das Wesen und das Handeln dieser Gestalt zu schildern.
So lebt der Knecht Gottes ganz aus seiner Verwiesenheit auf Gott heraus: Von ihm weiß er sich geschaffen und geformt. Gott hat ihn persönlich gerufen und erwählt. Gottes Geist ist ihm geschenkt, so dass er sich in vollem Vertrauen der Führung Gottes in seinem Leben überlassen kann, sich von Gott gestützt und also unterstützt und in seinem Wohlgefallen und in seiner Liebe geborgen wissen darf.
Und so lebt der Knecht Gottes dann auch nicht für sich allein. Vielmehr setzt er seine Kräfte und Begabungen für das Gute ein. Großtuerei und Marktgeschrei sind nicht seine Sache, was ihm hilft, auch noch im Sterbenden und Hoffnungslosen, im Abgeschriebenen und Aufgegebenen noch die Lebenskeime zu entdecken und ihnen erneut zum Durchbruch zu verhelfen. Als Lichtgestalt schenkt er den Menschen Ermutigung und Neuorientierung. Als Hoffnungsträger kümmert er sich um Recht, Gerechtigkeit und Aufrichtigkeit im Leben. Verknotetes und Verstricktes müht er sich zu lösen, aus Unfreiheit, jeder Form von Versklavung und Besessenheit will er die Menschen herausführen, sie die Lichtseiten des Lebens neu entdecken und erfahren lassen.
Er lässt die Menschen neue Einsichten in das eigene Dasein und im Leben der Welt gewinnen, er ermöglicht neue Beziehungen zwischen den Menschen und auch zu Gott und er wird immer neu zum Beispiel und Bild der lebensspendenden und liebevollen Wärme Gottes. Für das Judentum ist dieser Knecht Gottes eine einzelne Gestalt der Hoffnung oder das Volk Israel als Ganzes selbst. Wir Christen bekennen mit Recht Jesus Christus als den Knecht Gottes.
Nicht zuletzt aber: Wer von uns möchte nicht Gott darum bitten, dass er all unsere Kräfte und Fähigkeiten annehmen und in sein Heilswerk einbringen möge, dass wir als Einzelne wie als Gemeinschaft der Glaubenden für einander und für die ganze Welt solche Knechte und Mägde Gottes sein dürfen?
Wer möchte nicht bereit sein und Ja sagen, wenn Gott uns ruft? Wer möchte nicht bereit sein und Ja sagen, weil Gott uns ruft?