Christliche Kirchen stellen kritische Fragen an Politik und Gesellschaft
Ausgabe: 2000/38, Sozialwort
19.09.2000
- Kirchenzeitung der Diözese Linz
Nach dem Waisenbericht im Auftrag von 14 europäischen Staaten erhält Österreichs Regierung noch heuer einen weiteren Bericht. Die christlichen Kirchen wollen darin die gesellschaftspolitische Situation des Landes durchleuchten. Dabei geht es nicht darum, dem Staat Zensuren zu erteilen. Die Menschen des Landes und die Regierung sollten so angesprochen werde, „dass ihre politische Urteilskraft geschärft und gefördert wird“. Vom Evangelium her sollen kritische Fragen an Politik und Gesellschaft gestellt werden. Christliche Überzeugungen und Grundhaltungen werde man so ansprechen, dass sie nicht nur Christen einleuchten, sondern auch andere Menschen zum Nachdenken bringen. Die Ankündigung dieses Vorhabens erfolgte im Zusammenhang mit dem Start zum gemeinsamen Sozialwort der christlichen Kirchen. Bis Jänner 2001 ist die breite Öffentlichkeit eingeladen, am Sozialwort mitzuarbeiten.
Das gemeinsame Sozialwort der 14 christlichen Kirchen in Österreich ist eine Weltpremiere: erstmals arbeiten Kirc hen östlicher und westlicher Tradition im sozial- und gesellschaftspolitisc hen bereich so konkret zusammen. Darauf wies beim Start der Projektes Sozialwort die Vorsitzende des Ökumenischen Rates der Kirchen, Sr. Christine Gleixner, hin. Der griechisch-orthodoxe Metropolit Michael Staikos bezeichnete die gemeinsame Erarbeitung des Sozialwortes als einen „konkreten Schritt auf dem Weg zur Einheit“. Der Direktor der evangelischen Diakonie, Michael Chalupka, betonte, dass die Kirchen nicht aus einer abgehobenen Position Zensuren über die Sozialpolitik erteilen wolle, vielmehr gehe es darum, die eigene soziale Praxis zu bedenken und von daher An,lilgen und Forderungen an die Kirchen selbst und an Politik und Gesellschaft zu formulieren. Dazu findet vom17. September bis 15. Jänner die „Standortbestimmung“ statt. Eingeladen dazu sind alle Initiativen, Gruppen, Sozialkreise, Werke, Einrichtungen und Organsiationen der Kirchen, die sich im sozialen Bereich, für Umwelt, Frieden und Menschenrechte einsetzen. Anhand eines Erhebungsbogens sollen sie über ihre Arbeit und ihre Probleme sowie über ihre Forderungen an die Kirchen und an die Politik und Gesellschaft Auskukunft geben.
Machen Sie mit und fordern Sie den Erhebungsbogen bei Ihrer Kirchenzeitung an: Kirchenzeitung „Kirche“, Wilhelm-Greil-Straße 7, 6020 Innsbruck; Fax: 0512/59 8 47 - 403; E-Mail: kirchenzeitung@dioezese-innsbruck.at
Umfassende Informationen zum Sozialwort gibt es: KSÖ, Schottenring 35, 1010 Wien und auf der Hompage: www.sozialwort.at