„Wahre Religion muss erdverbunden und menschenfreundlich sein“, schrieb 1998 Pastor Lothar Pöll in der Zeitschrift „Methodist“.
Die „Spattstraße“ in Linz feierte damals das 35jährige Bestehen. Diese menschenfreundliche Erdverbundenheit steckt hinter der „Spatti“, wie die „Spattstraße“ von Betroffenen genannt wird. Sie umfasst ein Bündel an sozialen Angeboten für schwierige, verhaltensauffällige und mehrfachbehinderte Kinder und Jugendliche, großteils Mädchen. Dieses Bündel besteht aus sozialpädagogischen Jugendwohngruppen, heilpädagogischen Kindergruppen, heilpädagogischer Tagesklinik, dem heilpädagogischen integrativen Kindergarten, der Frühförderung für Kinder, schulischer Einzelförderung, erlebnispädagogischen Projekten, einer Krisen- und Notschlafstelle für Jugendliche sowie Familienberatung.
Konsequenzen und Grenzen
Die heute 21-jährige Ines, Mutter von zwei kleinen Kindern, erinnert sich an die „Spatti“ zurück: Sie kam mit 15 Jahren in die „Spattstraße“, war eineinhalb Jahre dort und ging anschließend in eine Außen-Wohngemeinschaft, in der sie bis zum 19. Lebensjahr blieb. „Für jeden ist es furchtbar“, sagt sie, „wenn man da herkommt. Daheim kann man sich alle Freiheiten nehmen, sich über die Eltern hinwegsetzen, die Regeln brechen. Da herinnen musst du dich in die Gruppe einfügen ...“ Ines kam in eine Intensivgruppe. Anfangs riss sie öfter aus. „Das muss jeder austesten. Nur hier in der Spattstraße sind die Konsequenzen härter wie zu Hause. Wenn die Erzieher/innen etwas gesagt haben, dann ist es so gewesen.“ Die erste Zeit gab es Arbeitstraining – „das war furchtbar, denn wenn man zuerst ziemlich viele Freiheiten hat und sich dann auf einmal unterordnen muss, tut das weh. Mit der Zeit aber kommt man drauf: Wenn man sich einfügt, ist das Leben leichter.“
Den Weg weisen
Das konsequente Mitgehen der Betreuerinnen und Betreuer, das auch klare Spielregeln des Zusammenlebens beinhaltet, ist für viele Mädchen zum Anker geworden. Ines sagt heute: „Wenn ich von der Spattstraße erzähle, rede ich eigentlich nur gut.“ Am Anfang habe sie sich immer selber Steine in den Weg gelegt. Mit der Zeit aber werde man gescheiter. „Die Leute hier sind in der Lage, dich auf den richtigen Weg zu weisen.“ Es ist ein harter Weg bis zum Ziel – Schule, Lehrabschluss ..., aber dank Spattstraße gelingt er vielen, die es sonst nicht leicht haben.
Als Magdalena* sieben Jahre alt ist, trennen sich ihre Eltern. Sie kommt zur bemühten Oma. Ein Onkel missbraucht sie sexuell. Mit zehn Jahren läuft sie das erste Mal von zu Hause weg, schwänzt die Schule, kommt mit elf zu Pflegeeltern. Sie raucht, Alkoholexzesse sind nicht selten. Mit zwölf kommt sie ins Kinderspital. Magdalena will sich das Leben nehmen, fügt sich Verletzungen zu.Jetzt, vierzehnjährig, landet sie erneut im Kinderspital. Primar Gerstl wird sie nun in der „Spattstraße“, einer sozial- und heilpädagogischen Einrichtung der Methodistenkirche, aufnehmen. Therapie, Pädagogik, moderne Betreuung, das ganze Milieu dort lassen ihn eine gute Prognose stellen: Magdalena wird es schaffen ...* Name von der Redaktion geändert