Das Buch der Weisheit wurde um 50 v. Chr. in der Diaspora in Alexandria geschrieben. Es geht um Konflikte innerhalb der jüdischen Gemeinde: auf der einen Seite jene Juden/Jüdinnen, die sich den heidnischen Wertvorstellungen Ägyptens anpassen; auf der anderen Seite die „Gerechten“, die der Überlieferung treu bleiben und ihr gesamtes Leben danach ausrichten. Sie sollen, zynisch gesprochen, „geprüft“ werden.
Sie (die Frevler) tauschen ihre verkehrten Gedanken aus und sagen: Lasst uns dem Gerechten auflauern! Er ist uns unbequem und steht unserem Tun im Weg. Er wirft uns Vergehen gegen das Gesetz vor und beschuldigt uns des Verrats an unserer Erziehung.
Wir wollen sehen, ob seine Worte wahr sind, und prüfen, wie es mit ihm ausgeht. Ist der Gerechte wirklich Sohn Gottes, dann nimmt sich Gott seiner an und entreißt ihn der Hand seiner Gegner. Roh und grausam wollen wir mit ihm verfahren, um seine Sanftmut kennenzulernen, seine Geduld zu erproben. Zu einem ehrlosen Tod wollen wir ihn verurteilen; er behauptet ja, es werde ihm Hilfe gewährt.
2. Lesung Jak 3, 16–4, 3
Von der Weisheit Gottes erfüllte Lehrer und Lehrerinnen der Gemeinden sind offen, beharren nicht auf ihren Standpunkten, lassen sich nicht von politischen Rücksichtnahmen leiten und verschleiern ihre Überzeugung nicht. Gerechtigkeit braucht einen Frieden, der auf Ehrlichkeit und Offenheit beruht.
Wo Eifersucht und Ehrgeiz herrschen, da gibt es Unordnung und böse Taten jeder Art. Doch die Weisheit von oben ist erstens heilig, sodann friedlich, freundlich, gehorsam, voll Erbarmen und reich an guten Früchten, sie ist unparteiisch, sie heuchelt nicht. Wo Frieden herrscht, wird (von Gott) für die Menschen, die Frieden stiften, die Saat der Gerechtigkeit ausgestreut. Woher kommen die Kriege bei euch, woher die Streitigkeiten? Doch nur vom Kampf der Leidenschaften in eurem Innern. Ihr begehrt und erhaltet doch nichts. Ihr mordet und seid eifersüchtig und könnt dennoch nichts erreichen. Ihr streitet und führt Krieg. Ihr erhaltet nichts, weil ihr nicht bittet. Ihr bittet und empfangt doch nichts, weil ihr in böser Absicht bittet, um es in eurer Leidenschaft zu verschwenden.