Der Anschlag auf das World Trade Center gab den Anstoß: Christen und Muslime feierten in der Pfarrkirchen von Ansfelden und Steyr-Tabor Gedächtnisgottesdienste für die Opfer des Terrors.
Bis auf den letzten Platz gefüllt war die Kirche von Ansfelden vergangenen Sonntag abends. Katholische und evangelische Chris-ten und Muslime aus dem Raum Linz – mehr als 250 Menschen – hatten sich versammelt, um ein gemeinsames Zeichen der Ablehnung von Gewalt zu setzen und für den Frieden zu beten. Jede Religionsgemeinschaft trug zum Gottesdienst bei, ein Vetreter der islamischen Glaubensgemeinschaft sang eine Sure aus dem Koran. Gemeinsam sprachen dann alle Gläubigen das dem heiligen Franz von Assisi zugeschriebene Gebet „Herr, mache mich zu einem Werkzeug deines Friedens“. Mitgestaltet wurde die Feier von der Informatik-Hauptschule und dem Singkreis Ansfelden. Auch der Ansfeldner Bürgermeister Walter Ehrenbrand nahm am interreligiösen Gebet teil. Pfarrer Michael Mascherbauer: „Es war eine sehr würdige Feier und wir haben auch viel voneinander erfahren.“Wie in Ansfelden war der gemeinsame Gottesdienst in der Kirche Steyr-Tabor eine Premiere: Pfarrer Alcantara Gracias betonte in seiner Ansprache, dass Chris-ten und Muslime die Notwendigkeit des Dialogs unterstreichen müssten, wenn nicht Hass und Vergeltung den Weltfrieden gefährden sollten. Der türkische Journalist, Dichter und Lehrer Bilal Yaprak las eine Passage aus dem Koran und ging in seiner Auslegung auf den Terroranschlag ein: „Anhänger aller Religionen wollen das pluralistische Modell der Welt mit ihren vielfältigen Glaubensrichtungen, Kulturen und Sprachen erhalten.“ Aus der islamischen Welt wisse er, dass auch dort die Menschen über die neue Dimension des Terrors erschrocken sind. Die Pfarre Tabor beschäftigt sich in ihrem Oktober-Pfarrblatt mit dem Islam. Dabei kommen Muslime zu den brisanten Fragen nach der Toleranz des Islam, der Stellung der Frau und dem muslimischen Missionsverständnis zu Wort. Im Leitartikel stellt Pfarrer Gracias klar, dass der Islam keine Religion des Terrors ist.