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Flugzeuge bringen Leid, nicht Frieden

Terror in den USA: Stimmen gegen die Vergeltung mehren sich
Ausgabe: 2001/39, Globalisierung, USA, Terror, Medien, Weltpresse, TV, Obstsalat
25.09.2001
- Elisabeth Leitner
Seit dem 11. September sind die Flugzeuge von den Fernsehschirmen nicht mehr verschwunden: Waren es zuerst die erschreckenden Bilder der Maschinen, die in das World Trade Center rasten, sind es nun die Langstreckenbomber und Kampfjets. Die USA wollen offensichtlich in der Sprache der Terroristen antworten. Doch Fluglärm macht taub und erstickt jedes Gespräch.

Die Amerikanische Sektion der katholischen Friedensbewegung Pax Christi fordert auf, dem verführerischen Ruf der Kriegstrommeln zu widerstehen. Auch beim Kongress der Katholischen Weltunion der Presse in der Schweiz wurden warnende Stimmen laut. Vor allem Journalisten/innen aus den Ländern des Südens mahnten einen ungetrübten Blick die Hintergründe ein: „Was in New York passiert ist, ist ein Aufruf zur Veränderung der Welt“. Lesen Sie dazu den Exklusivbericht unserer KIZ-Redakteurin Elisabeth Leitner, die am Kongress teilnahm.


Globalisierung: Obstsalat statt Marmelade


Über die Rolle der Medien haben Journalisten aus aller Welt diskutiert


Das Flugzeug rast in das Gebäude, ein Knall, Flammen – diese Bilder sind in den letzten Wochen tausende Male über den Bildschirm geflimmert. Von Burkina Faso bis Sidney, von Kinshasa bis Wien: überall dieselbe TV-Wirklichkeit.

„Medien und die Herausforderung der Globalisierung“. - Mit diesem Thema haben sich 600 katholische Medienfachleute aus aller Welt beim Weltkongress der UCIP (katholische Weltunion der Presse) in der Schweiz beschäftigt. Auffallend viele Teilnehmer/innen sind aus den Ländern der sogenannten Dritten Welt angereist. Der Terroranschlag in den USA war in Gesprächen und Stellung-nahmen ständig präsent. Fast jeder Referent nahm darauf Bezug. Den Terror verurteilen, das Leid teilen, den Schmerz mitfühlen – das war das eine. Nach den Ursachen des Terrors fragen, das forderten Teilnehmer/innen aus Nord und Süd, Ost und West aber ebenso vehement. Als einen „Terror der Machtlosigkeit“ bezeichnete Plinio Arruda de Sampaio aus Brasilien die Ereignisse in New York. „Die Trauer darf nicht so weit gehen, dass unser Verstand benebelt wird. Was in New York passiert ist, ist der Beweis dafür, dass sich unsere Welt verändern muss.“

Maßnahmen gegen den Terror


Wenn vom „Terror gegen das Gute“ die Rede ist, dann muss auch gesagt werden, dass in dieser „guten“ Welt 17 % der Weltbevölkerung 85 Prozent des Reichtums besitzen und nahezu 1 Milliarde Menschen hungern. Dieses Unrecht zu beseitigen, wäre wohl die wirksamste Maßnahme gegen den Terror. Doch hier beginnen die „blinden“ Flecken in unserer, durch das Fernsehen beeinflussten Wahrnehmung von Wirklichkeit. Wen kümmern sie wirklich, die Millionen von Flüchtlingen, Hungernden, die das Tagesgeschäft in der westlichen Welt kaum „stören“? Vor diesen „weißen Flecken auf unserer medial vemittelten Landkarte“ warnt auch der Schweizer Außenminister Joseph Deiss: „Der Kampf um Einschaltquoten kann zu einer vermehrt selektiven Wahrnehmung des Weltgeschehens führen“.

Wer bestimmt den Wert einer Tatsache?


In diese Richtung geht auch die Kritik von Bischof Mgr. Albert Rouet aus Frankreich. Zunächst stellt er eine „Verarmung der Kommunikation“ fest, die Technik ersetze das Gewissen.

Weiters fragt Rouet: „Wie ist es möglich, dass die Explosion einer Gasfabrik in Indien weniger wichtig war – obwohl mehr Menschen starben –, als der Anschlag in New York. Wer entscheidet, ob ein Faktum, eine Tatsache berichtenswert ist?“ Während die Globalisierung zur Vereinheitlichung durch die westliche Welt führe, könnte der christliche Glaube zur „Communio“ beitragen: zu einer Einheit gleicher Personen in ihrer Unterschiedlichkeit. „Das hat die Globalisierung nicht verstanden. Das herrschende Prinzip kommt aus dem Norden. Dieses führt zur völligen Missachtung der Einzigartigkeit der anderen.“ Die Globalisierung nur unter ökonomischen Gesichtspunkten zu betrachten, greife zu kurz. Bischof Rouet abschließend: „Wir müssen den Dialog darüberführen, was den Menschen ausmacht.“ Eine Globalisierung, die mehr Obstsalat als Marmelade sei, in der jede Frucht ihren Geschmack bewahre, so versuchte ein Teilnehmer die Chancen der Globalisierung positiv zu sehen.

Die Resolution zum Abschluss des UCIP-Weltkongress greift das Wort „Dialog“ nochmals auf. Katholische Journalisten hätten die Aufgabe, den Dialog, den Frieden und die Gerechtigkeit zwischen den Völkern zu fördern, heißt es darin. Unterstrichen wird, dass es ohne internationale und soziale Gerechtigkeit keinen Frieden geben kann.
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