Dilemma: vorne die große Kunst von Männern – Frauen stehen hinter der Bar
Ausgabe: 2002/35, Fiftitu, Kunst,
27.08.2002
- Elisabeth Leitner
Eine gelungene Vernissage im Kulturverein, Künstler M. stellt die neuesten Arbeiten aus. Und dazu noch die leckeren Brötchen von den engagierten Frauen, die da hinter der Bar stehen. Köstlich!
Weißbrothäppchen mit Topfenkäse sind ein vertrautes Bild bei Vernissagen. „Jahrelang bin ich hinter der Bar gestanden und hab Topfenkäse gemacht. Aber nie war ich in der ersten Reihe. Im Kulturbereich geht es vielen Frauen so“, berichtet Michaela Schoissengeier vom Verein „Fiftitu“. Der Verein versteht sich als Vernetzungsstelle für Frauen in Kunst & Kultur. Anliegen des Vereins ist es, die Situation von Kulturarbeiterinnen und Künstlerinnen zu verbessern. Heuer erhielt der Verein „Fiftitu“ den Großen Landespreis des Landes OÖ (dotiert mit Euro 2.500).
Herta Gurtner, Geschäftsführerin von „Fiftitu“ freut sich über diese Form der Anerkennung. Denn Lob für eine Arbeit, die sich mit zwei Randbereichen beschäftigt - Frauen in der freien Kulturszene - ist nicht selbstverständlich. Noch dazu, wenn ein Verein bei politischen Entscheidungen, die Frauen an den Rand drängen „unbequem“ sein will. Wenn etwa der Kulturbeirat des Landes OÖ allzu wenig Frauen aufweist, ist das für „Fiftitu“ durchaus ein Grund zur Aufregung. Das Gründungsjahr des Vereins liegt im Jahr 1998. Der Name „Fiftitu“ soll zeigen, dass Frauen zwar 52 Prozent der Weltbevölkderung ausmachen, die sichtbare Präsenz von Frauen in Kultur und Gesellschaft aber viel geringer ist.
„Ein arbeitsloser Künstler ist ein Künstler. Eine arbeitslose Künstlerin ist eine Hausfrau“ - dies sei eine Wahrnehmung in unserer Gesellschaft, meint Schoissengeier im Interview. Dass Kulturarbeiterinnen und Künstlerinnen zudem oft „atypische“ Beschäftigungsverhältnisse haben, d.h. wenig oder gar nicht angestellt sind, fällt besonders auf. In einer von Fiftitu organisierten Tagung Anfang Mai haben sich über 60 Teilnehmer/innen eingehend über Steuerrecht, Kinderbetreuungsgeld, Künstler/innenversicherung informiert. Eine ausführliche Dokumentation Der Tagung ist bei „Fiftitu“ erhältlich. Für Herbst ist geplant, das Thema „Sexistische Werbung“ – Frauen als Objekte zur Vermarktung von Waren – künstlerisch zu bearbeiten.
Informationen erhalten Sie unter Tel. 0732/77 03 53 bzw. im Internet: www.fiftitu.at