Circa 1% der Erwachsenen sind - unbhängig von Muttersprache oder Kulturkreis - vom Stottern betroffen. Die Kommunikationsstörung tritt fast ausschließlich im Wechselgespräch mit anderen Menschen auf.
Könnte der Stotternde vergessen, dass er einer ist, würde er nicht stottern. Die Redeflussstörung „Stottern“ tritt meist nur zeitweise auf und kann nicht durch den Willen beeinflusst werden. Charakteristisch ist ein plötzliches Stocken vor einem Wort, das Hängenbleiben auf einer Silbe oder einem Buchstaben.
Schätzungen zufolge gibt es in Österreich tausende Menschen, die stottern. Beobachtet man die Geschlechterverteilung, so sind Buben etwa vier mal häufiger betroffen als Mädchen, Männer häufiger als Frauen. Bei Kindern verliert sich die Symptomatik häufig wieder. Die Rede ist dann vom so genannten „Entwicklungsstottern“. Wo die Ursache des Stotterns liegt, bleibt häufig ungeklärt. Einflussfaktoren können organischer Art, etwa nach frühkindlichen Hirnschädigungen, oder psychogen sein. Eine Vererbung des Stotterns gibt es nicht. Lieber stotternd reden als flüssig schweigenDie Österreichische Selbsthilfe Initiative Stottern (ÖSIS) wurde 1990 in Tirol gegründet. Seither wurden zahlreiche Therapiewochen veranstaltet und viel an Literatur zusammengetragen. Ziel des Vereins ist neben dem Austausch von Betroffenen, Interessierten, Eltern und Therapeut/innen die Aufklärung über das heikle Thema. Andrea Grubitsch koordiniert die beiden oberösterreichischen Selbsthilfegruppen. Sie kennt den oft schwierigen Alltag stotternder Menschen: „Man darf sich Stottern nicht als isoliertes Phänomen vorstellen. Problematisch ist oft nicht das Stottern selbst, sondern die Reaktion der sozialen Umwelt. Uns geht es darum, stotternden Erwachsenen zu zeigen, dass sie mit ihrem Problem nicht allein sind.“ Willkommen sind aber auch Eltern stotternder Kinder. „Den Eltern möchten wir besonders vermitteln, dass das Warten auf ein Ende des Stotterns bei ihrem Kind einen enorm hohen Druck auslösen kann. Ein Ausbrechen aus dem Sprachverhalten wird dann sehr schwierig.“Die Gruppen in Linz und Wels bieten jeweils zwei Mal im Monat die Möglichkeit zum Austausch und darüber hinaus Gelegenheit sich über Therapien und Therapieerfahrungen zu informieren.