Einst erinnerte das Fest Mariä Namen an die „Türkenbelagerung“ Wiens. Heute wird es mit dem 11. September in Verbindung gebracht.
„Mariä Namen“ – dieses Fest vom 12. September wurde nach dem Sieg über die Türken vor Wien im Jahre 1683 auf die ganze Kirche ausgedehnt. Heute findet sich das Fest jedoch nur noch in den deutschsprachigen Ländern. Der römische Kalender hat es – weil es sich um eine Verdoppelung des Festes „Mariä Geburt“ vom 8. September handelt, aus dem Festkalender gestrichen. Maria als Mitstreiterin gegen die Türken zu wissen, den Sieg dann ihrem Wirken zuzuschreiben, das lag wohl im Empfinden der Menschen von damals. Aber wer sagt, dass Maria nicht auch die vielen Soldaten und Familien des türkischen Heeres am Herzen lagen? Die Friedenskönigin ist nicht die Kriegsgöttin, als die sie bisweilen gesehen wurde.Zwischen den beiden Festen Mariä Geburt und Mariä Namen liegt ein Datum, das seit einem Jahr in aller Munde ist. Der 11. September, an dem rund 2800 Menschen beim Anschlag auf das World-Trade-Center starben. „Mariä Namen“ wird daher heuer auch in Amerika besonders begangen. Viele Gottesdienste werden zu diesen Marienfest gefeiert werden. Maria als „Königin des Friedens“ steht im Mittelpunkt.Auch in Amerika steht – wie vor 300 Jahren in Österreich – das Fest im Zusammenhang der Begegnung der muslimischen und der christlichen Kultur. Weltpolitisch wird es damals wie heute als Spannungsfeld gesehen. Wer die Ereignisse mit „marianischen Augen“ sieht, wird deutlicher die Hoffnung auf Begegnung dieser Kulturen und deren Glaubenspotential im Auge haben statt die mörderische Frage nach Sieg oder Niederlage. Am allerwenigsten wird sich Maria als „Racheengel“ einspannen lassen.So ist Mariä Namen kein Fest des Triumphes über andere. Selbst Feinde sind – christlich gesehen – nicht zu besiegen, sondern ihnen ist mit Liebe zu begegnen. Oder sollte sich gerade Maria außerhalb der Kernbotschaften Jesu stellen. Mariä Namen ist ein nachdenklich stimmendes Fest. Ob man nicht eine alte Sichtweise ablegen sollte und statt dessen die Welt mit den Augen Marias sehen sollte – mit einem lebensbejahenden, wohlwollenden, liebenden Blick.