Sexuelle Übergriffe durch kirchliche Amtsträger dürfen nicht verharmlos werden, betonen Mag. Helmut Schüller (rechts) und Dr. Werner Leixnering (Mitte). Links: Priesterrats-Sprecher Dr. Walter Wimmer.
Missbrauch-Vorwürfe dürfen nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Doch auch „Täter“ brauchen Hilfe.
Die Kirche muss jeden Vorwurf sexuellen Missbrauchs durch kirchliche Amtsträger ernst nehmen. Dies betonte Msgr. Mag. Helmut Schüller, Leiter der Ombudsstelle für Opfer sexuellen Missbrauchs in der Erzdiözese Wien, letzte Woche vor dem Priesterrat der Diözese Linz im Bildungshaus Schloss Puchberg.
Betroffenen soll der Weg zur Hilfe erleichtert werden. Auf die bestehenden Einrichtungen wie die Anlaufstelle für Kinder und Jugendliche bei sexuellen Übergriffen durch kirchliche Mitarbeiter und auf die bestellten Ombudsleute soll in der Öffentlichkeit verstärkt aufmerksam gemacht werden. Für gefährlich hält Schüller vor allem den „Machtmissbrauch“, weil durch solche Fälle das Grundvertrauen Schutzbedürftiger und die Glaubensbasis zerstört werden kann. Wer in den kirchlichen Dienst tritt, dem müsse klar sein, dass Fehlverhalten nicht toleriert werde.
Mag. Schüller und der ebenfalls vor dem Priesterrat referierende Jugendpsychiater Prim. Dr. Werner Leixnering sprachen sich auch für einen behutsamen Umgang mit möglichen „Tätern“ aus. Auch die Täter brauchen Hilfe, vor allem dann, wenn Vorwürfe nicht restlos geklärt werden können. In solchen Fällen stellt sich die Frage, wie eine Rehabilitierung gelingen kann.
In der Diözese Linz besteht seit sechs Jahren die Kommission gegen Missbrauch und Gewalt. (Tel. 0732/77 26 76-1132). Die Familienberaterin Dr. Martha Schicho (Tel. 0732/77 36 76) und Dr. Roman Leitner (Telefonseelsorge, Tel. 142 – kostenfrei rund um die Uhr) wirken als Ombudsleute zu dieser Thematik. Diese Stellen bieten vertrauliche Beratung.
Neuordnung bei Priester-Krankenversicherung
Der Priesterrat sprach sich für ein neues Krankenversicherungs-System für Priester aus: Auch Priester werden künftig über die Gebietskrankenkasse versichert sein, nicht mehr ausschließlich über die Priesterkrankenhilfe. Wegen des hohen Anteils älterer Priester wäre das bisherige System durch eine Art kirchlicher Privatversicherung nicht mehr finanzierbar gewesen.